Bleibe in Balance mit Deinem hochsensiblen Kind

Eltern stehen immer mehr unter Druck:

Viele Familien mit hochsensiblen Kindern haben sich schon gut aufeinander eingestellt, sie nehmen ihre Kinder an, wie sie sind und passen ihren Alltag den Bedürfnissen entsprechend an.

Durch den Übergang in den Kindergarten und vor allem in die Schule entstehen dann oft die ersten Schwierigkeiten, denn vor allem hochsensible Kinder tun sich oft schwer in diesen Systemen. Es ist dort laut, es sind so viele Reize zu verarbeiten, sie müssen sich auf fremde Bezugspersonen einstellen und mit vielen anderen Kindern klar kommen.

Beim Eintritt in die Schule kommen dann noch der Leistungsdruck und viele neue Anforderungen dazu.

Dies ist schon für nicht hochsensible Kinder ein großer Einschnitt im Leben, für unsere kleinen Vielfühler ist es jedoch oft eine wahre Herausforderung.

 

Die Kinder müssen sich erst mal auf diese neue Situation einstellen und solche Umstellungen kosten vor allem hochsensible Kinder viel Energie. So kann es sein, dass nicht alles von Anfang an rund läuft, was dann schnell auffällt.

Oft sind LehrerInnen und ErzieherInnen allzu schnell  in Alarmbereitschaft und machen Eltern darauf aufmerksam, dass das Kind nicht so mitläuft, wie die anderen.

Dann wird nach Gründen gesucht, warum das so ist und nicht selten stehen dann erste Vermutungen wie Lernschwächen, Entwicklungsverzögerung oder gar ADS bzw. ADHS im Raum.

Die Eltern sind natürlich besorgt und wollen nur das beste für ihr Kind und dieses bestmöglichst unterstützen und fördern.

Nicht selten wird dann angeraten, das Kind testen zu lassen bzw. in eine Therapie zu schicken.

Das ist natürlich enormer Druck, der auf die Eltern ausgeübt wird, worüber sich ErzieherInnen und LehrerInnen oft gar nicht wirklich bewusst sind, denn auch sie wollen meistens nur das beste für das Kind und wollen dabei eben auch nichts verpassen bzw. übersehen.

 

Was bedeutet das für das Kind?

Nicht nur die Eltern stehen hierbei unter Druck, denn die Kinder bekommen das natürlich auch mit. Auch wenn es nicht direkt mit einbezogen wird, spürt es trotzdem, die Unsicherheit der Eltern und dass etwas nicht stimmt, denn vor allem hochsensible Kinder haben hierfür sehr feine Antennen. Und oft fühlen sich diese Kinder sowieso schon anders, falsch oder nicht genügend, deshalb leiden sie dann oft selbst sehr unter der Situation.

 

Wenn es zusätzlich merkt, dass es den Erwartungen nicht entspricht, wird es auch darauf reagieren, was sich ganz unterschiedlich zeigen kann, wie etwa das Übergehen eigener Bedürfnisse, noch mehr Anpassung, Perfektionismus, sinkendes Selbstwertgefühl, Verweigerung, Aggression/ Wut etc.

Man kann sich gut vorstellen, wie sich so ein Kind nun fühlt, wenn es zu einem Arzt oder Therapeuten gehen muss, um Untersucht zu werden oder verschiedene Tests zu durchlaufen. Natürlich wird es sich in gewissem Maße auch krank oder eben nicht richtig fühlen.

Allerdings kann es bei manchen Kindern auch hilfreich sein, wenn bestimmte Dinge abgeklärt werden. So kann beispielsweise zusätzlich zur Hochsensibilität auch ein wirkliches Störungsbild (nicht integrierte frühkindliche Reflexe, Trauma, ADHS etc.)  auftreten. Wenn das Kind im Alltag immer wieder leidet und sich mit bestimmten Dingen sehr schwer tut, kann es durchaus auch sinnvoll sein, sich die richtige Unterstützung zu holen. Hier kann eine Therapie wirklich helfen und dem Kind das Leben leichter machen.

Auch wenn das Kind “nur hochsensibel ist”, aber in bestimmten Bereichen immer wieder Schwierigkeiten hat, gibt es bestimmte Ansätze, wie man es therapeutisch unterstützen kann, gestärkt durchs den Alltag zu gehen.

So kann die Teilnahme an einer Psychomotorik-Gruppe beispielsweise das Selbstbewusstsein stärken.

Du siehst, es ist hier manchmal ein Drahtseilakt, die richtige Dosis an Unterstützung und Vertrauen zu finden. Es sollte sich alles in Balance halten und das erreichst Du am besten durch Achtsamkeit und klare Entscheidungen. Dazu aber gleich noch mehr.

 

Wieso ist es so schwer für hochsensible Kinder, in dem System zu bestehen?

Ich möchte hier nicht behaupten, dass grundsätzlich jedes hochsensible Kind Schwierigkeiten im Kindergarten oder in der Schule hat, aber leider sind die Umstände dort für sie oft belastend. Es ist laut, es sind viele andere Kinder um sie herum, sie müssen sich an fremde Bezugspersonen und den vorherrschenden Rhythmus gewöhnen, sie stehen unter Leistungsdruck und so vieles mehr.

Kurzum sie sind dort einer Vielzahl an Reizen ausgesetzt, die sie sehr intensiv aufnehmen.

Da hochsensible Kinder eben mehr aufnehmen und intensiver fühlen, müssen sie auch mehr verarbeiten, was sehr anstrengend sein kann. Jedoch ist im Setting Kindergarten und Schule hierfür kaum Raum.

So müssen sie Strategien entwickeln, wie sie mit dieser Situation gut zurecht kommen können, sie müssen lernen sich abzugrenzen, sich Pausen zu nehmen, mit dem sozialen Gefüge klar zu kommen und vieles mehr. Daher brauchen sie oft länger, um dort anzukommen und ihre Platz zu finden. Auch eine vertrauensvolle und achtsame Begleitung kann sie hierbei gut unterstützen.

 

Wodurch fallen hochsensible Kinder auf?

Es sind ganz oft gleiche oder ähnliche Dinge, durch die hochsensible Kinder in diesem Rahmen auffallen. Dabei muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass diese Kinder oft eine ganz andere Wahrnehmung der Dinge haben, da die inneren und äußeren Reize recht ungefiltert ankommen. Wenn einem das klar ist, sind viele Verhaltensweisen verständlicher

Da viele Pädagogen aber nicht über Hochsensibilität aufgeklärt sind, schätzen sie die Kinder oft falsch ein und genau deswegen ist eine gute Aufklärungsarbeit so wichtig.

Für viele ErzieherInnen und LehrerInnen fallen die Kinder eben durch, für sie unerklärbares Verhalten auf, dabei wissen sie sich oft gar nicht zu helfen und können nur Vermutungen äußern.

Meistens ist dieses Verhalten eine Reaktion auf Überforderung, da sie von den Reizen, die sie aufnehmen überflutet werden. Doch eigentlich könnte man schon durch kleinere Veränderungen viel Erleichterung schaffen.

Da diese Kinder aber oft selbst noch keine Strategien entwickelt haben, wie sie mit solchen Situationen umgehen können, reagieren sie eben mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen.

So gibt es Kinder, die sich komplett zurückziehen, sozial als auch emotional.

Andere zeigen genau das Gegenteil und reagieren mit starken Emotionen wie häufiges und schnelles Weinen oder auch Wut und Aggression.

Nicht selten gelten hochsensible Kinder auch als Träumer, die häufig abwesend wirken und nicht richtig anwesend zu sein scheinen. Doch meistens läuft ihr Gehirn auf Hochtouren, denn sie denken oft sehr allumfassend und wollen alles ganz genau verstehen, außerdem sind sie gleichzeitig damit beschäftigt, alle anderen Reize, die sie sonst noch aufnehmen zu verarbeiten. Daher ist es erstaunlich, dass sie trotz scheinbarer Abwesenheit alles um sich herum mitbekommen.

Träumerei kann aber auch eine Art Schutzschild sein, um sich vor der Reizüberflutung zu schützen und abzugrenzen.  

Extrovertierte hochsensible Kinder fallen eher durch einen starken Bewegungsdrang und Impulsivität auf, was nicht selten mit ADHS verwechselt wird.

Man kann sich vorstellen, dass dies alles extrem anstrengend für diese Kinder ist und sie deswegen schneller erschöpft und müde sind, weswegen regelmäßige Ruhepausen sehr wichtig sind. Nicht selten entlädt sich die Überreizung gepaart mit Erschöpfung erst zu Hause, da die Kinder davor sehr bemüht sind, sich anzupassen und allem gerecht zu werden.

Es können sich auch psychosomatische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Allergien oder auch Hautprobleme zeigen.

Da hochsensiblen Kinder so damit beschäftigt sind, alles um sich herum aufzunehmen und zu verarbeiten, können sie sich oft schlecht konzentrieren oder kommen mit dem Stoff nicht hinterher, da sie nur schwer ins Tun kommen.

Was extrem schade ist, denn unter diesen Umständen können sie oft nicht ihr ganzes Potential entfalten und werden nicht selten unterschätzt oder eben falsch eingeschätzt.

 

So kannst Du damit umgehen:

Vielleicht fragst Du Dich nun, wie Du Dein Kind wirklich gut unterstützen kannst.

Ganz wichtig dabei ist es, dass Du Dir klar machst, dass allein ihr als Familie entscheidet, was passiert bzw. ob eine Diagnostik oder Therapie sinnvoll sein könnten oder eben nicht. Kein Erzieher, kein Lehrer und kein Arzt hat das Recht, Euch hier zu bevormunden.

Es ist ganz allein eure Entscheidung, und ihr müsst euch hier nicht unter Druck setzen lassen, denn Du kennst Dein Kind am besten und nur Du hast die Berechtigung dies umzusetzen.  

Manchmal, wenn man sehr bedrängt wird, ist es jedoch auch schwer, sein Bauchgefühl wahrzunehmen, darin zu vertrauen und klar zu denken.

Dann ist es wichtig, keine übereilten Entscheidungen zu treffen, sondern abzuwarten, dem ganzen etwas Zeit zu geben und versuchen ruhig zu bleiben.

Du kannst Dir dabei immer wieder vor Augen halten, dass hochsensible Kinder eben bei manchen Dingen länger brauchen und dass das völlig normal ist.

Das nimmt schon mal sehr viel Druck weg, für Dich und vor allem für Dein Kind.

Das heißt nicht, dass Du untätig bleiben musst, Du kannst achtsam beobachten, und mit Deinem Kind gut in Kontakt sein, um herauszufinden, was ihm schwer fällt und wo es Unterstützung brauchen könnte.

Denn dann könnt Ihr Strategien ausarbeiten, die es Deinem Kind leichter machen, mit belastenden Situationen klar zu kommen und sich selbst anzunehmen.

So kann beispielsweise ein Gehörschutz helfen, wenn es von der Geräuschkulisse zu sehr abgelenkt ist oder Dein Kind lernt, sich selbständig Pausen zu nehmen, bevor es in die Überreizung hinein rutscht.

Weitere Anregungen zu Strategien und Hilfestellungen findest Du in diesem Artikel.

So fühlt sich Dein Kind auch wirklich wahrgenommen und richtig gesehen, so wie es ist, und hat eben nicht das Gefühl, falsch oder nicht genügend zu sein.

Sehr hilfreich kann es hierbei auch sein, mit den Pädagogen in Kontakt zu gehen, sich auszutauschen und gut zusammenzuarbeiten . Denn, wie ich schon erwähnt, fehlt diesen oft das Wissen über Hochsensibilität, daher können sie es eigentlich auch gar nicht besser wissen und sind auf Informationen von Dir angewiesen.

Durch eine umfassende Aufklärung über Hochsensibilität können ErzieherInnen und LehrerInnen auch ganz anders auf Dein Kind eingehen, und besser mit ihm umgehen.

Hilfestellungen und ausführliches Infomaterial für solche Gespräche findest Du in meinem Ratgeber “hochsensibel und löwenstark”.

Im Idealfall könnt ihr dann gemeinsam an passenden Strategien arbeiten, die Deinem Kind helfen können, den Kindergarten- bzw. Schulalltag entspannter zu erleben.

 

Und wenn doch mehr dahinter steckt?

Wenn Dein Kind aber weiterhin große Probleme hat, es unter der ganzen Situation sehr leidet und es trotz guter Unterstützung nicht besser wird, kann immer noch über eine Abklärung nachgedacht werden.

Hierbei ist eine gute Wahl des Therapeuten sehr wichtig, denn Kenntnis über HS oder zumindest Verständnis dafür sind eine Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Denn wenn dieser das Thema HS nicht kennt oder es nicht ernst nimmt, kann er es auch nicht in seine Überlegungen bzw. Diagnostik mit ein beziehen. Hier kann dann geschaut werden, ob vielleicht wirklich eine Störung bzw. eine Lernschwäche oder ähnliches dahinter steckt.

Verschiedene Störungsbilder können gemeinsam mit der HS auftreten, damit verwechselt werden oder sich eben ähnlich äußern. In manchen Fällen, kann eine ausführliche Testung durchaus sinnvoll sein, denn durch eine gute Therapie kann oft sehr gut geholfen werden.

Auch bei bestimmten Anteilen der HS kann eine begleitende Therapie oft Erleichterung verschaffen, seien es Konzentrationsübungen, Stärkung des Selbstwertgefühls oder das Erlernen von Strategien für eine bessere Abgrenzung etc. Das kommt natürlich immer darauf an, in welchen Bereichen das Kind Schwierigkeiten hat, und wo es Unterstützung braucht.

Hierbei ist es wichtig zu sagen, dass es nicht darum geht, die HS “wegzutherapieren” sondern das Kind zu stärken und ihm Strategien an die Hand zu geben, mit schwierigen Situationen besser klar zu kommen.

Erste Anlaufstelle hierfür kann der Kinder- bzw. Hausarzt des Vertrauens sein, aber auch ein Psychologe oder Psychotherapeut käme dafür in Frage. Dort kann evtl. an andere Spezialisten, das nächstgelegene SPZ (SozialPsychiatrisches Zentrum) oder an spezialisierte Therapeuten (Ergo-, RIT-, INPP-, Psychotherapeuten etc.) weiter verwiesen werden.

Einige Adressen für spezialisierte Fachleute findest Du hier:

https://hochsensibilitaetskongress.com/therpeuten-aerzte-hilfe/

http://hochsensibel.org/startseite/kontakte-vor-ort.php

 

Warum es so wichtig ist, auf Dein Bauch zu hören

Zum Schluss möchte ich Dir noch einmal Mut machen, ins Vertrauen zu gehen und auf Dein Bauchgefühl zu hören.

Gib Deinem Kind Zeit und Vertrauen, damit es sich angenommen fühlt und gestärkt seinen ganz eigenen Weg gehen kann.

Es ist nicht immer leicht, dem Druck stand zu halten, der einem von außen gemacht wird, aber es lohnt sich, denn Du stärkst dein Kind sehr, wenn Du es in seinem ganzen Wesen und seinen Bedürfnissen wahrnimmst und unterstützt.

In einer Zeit von Leistungsdruck und Gleichmacherei muss nicht Dein Kind passend gemacht werden, sondern es braucht Raum und Vertrauen, um zu wachsen und sich und sein Potential voll entfalten zu können.

Und eines sei nochmal gesagt, niemand kann Dich zur einer Diagnostik oder einer Therapie zwingen, ihr als Familie entscheidet, denn Du kennst Dein Kind auch am besten.

Oft ist es ja auch so, dass sich die Probleme zu hause gar nicht zeigen sondern definitiv eine Frage des Settings (Kindergarten oder Schule) sind.

Und auch das nochmal: Ein Arztbesuch und auch Therapien sind nicht grundsätzlich schlecht, sie können durchaus hilfreich sein, manchmal reicht es aber auch, die Umstände anzupassen, kleine Hilfestellungen zu geben, Verständnis für die Wahrnehmung zu zeigen und Hilfreiche Strategien auszuarbeiten.

 

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