Windelfrei und Spaß dabei-wie wir recht ungeplant begannen, Windelfrei zu praktizieren

Viele Fragen und großes Interesse

Es soll also auch ganz ohne Windeln gehen? Was für ein spannender Ansatz, aber funktioniert das im Alltag wirklich? Und darf ich meinem Kind nun gar keine Windeln mehr anziehen oder wie setzt man das um? immerhin praktizieren fast zwei Drittel der gesamten Menschheit das Windelfrei.

Mein Interesse war geweckt aber ich hatte noch viele offene Fragen, also begann ich zu recherchieren, was relativ leicht war, denn über dieses Thema gibt es nun schon einige Webseiten und auch bei Facebook kann man verschiedenen Gruppen hierfür finden. Hier bekam ich viele wichtigen Antworten, die mich mehr und mehr darin bestärkten, es auszuprobieren. Das Wichtigste für mich war wohl, dass mir klar wurde, dass es überhaupt  gar nicht darum geht, das Kind immer und überall windelfrei zu lassen, sondern dass man es für sich passend gestalten kann. Für zu hause konnte ich mir es von Anfang an gut vorstellen, nur für unterwegs stellte ich es mir sehr unpraktisch vor, vor allem weil unser Sohn ein Herbstkind sein würde und somit immer einige Schichten an Klamotten anhaben müsse.

Ein ebenso wichtiger Punkt für mich war, dass es vor allem um Kommunikation mit dem Kind geht. Es ist kein frühe Trockenheitserziehung sondern eine sehr einfühlsame und interessierte Beobachtung und Wahrnehmung der kindlichen Bedürfnisse. Denn Kinder kommen nicht auf die Welt und wollen in die Windel machen, nein, sie wollen ein sauberes und trockenes Gefühl haben. Eigentlich logisch, denn Windeln halten ja eigentlich nicht dass Baby trocken sondern nur die Klamotten. So wird dem Kind, wenn man im Windeln anzieht, quasi dieses Bedürfnis mehr oder weniger abtrainiert, um es dann später wieder anzutrainieren, wenn wir das Kind für alt genug dazu halten. Dabei geben schon Neugeborene Zeichen, wenn sie müssen, diese gilt es nur zu erkennen, damit wir ihnen dann helfen können, ihr Geschäft nicht in die Windel machen lassen zu müssen.

Nicht zu vergessen ist auch der ökologische Nutzen von Windelfrei. Das war für uns ja schon einer der wichtigsten Punkte bei den Stoffwindeln. Wenn man sich mal überlegt, wie viel Müll bei den Wegwerfwindeln entsteht und wie lange diese brauchen, bis sie verrottet sind, dann war es für uns ganz klar, dass wir eine Alternative brauchen. Das waren zuerst einmal die Stoffwindeln, aber noch idealer ist natürlich das Windelfrei, da muss man dann nicht mal mehr Windeln waschen. Außerdem kommen wir so drum herum, unserem kleinen Mann die chemischen Zusätze aus Wegwerfwindeln auf die Haut zu bringen. Für uns auch sehr wichtig.

Der Plan ist gefasst und die Umsetzung kann beginnen

Ich beschloss nun für mich, dass ich es super gern für zu Hause ausprobieren möchte. Nun muss ich nur noch meinen Mann überzeugen, dachte ich mir, der wird Augen machen, wenn ich mal wieder mit so einer Idee ankomme. Überraschenderweise war er aber gleich begeistert davon und meinte, wir können es ja einfach mal versuchen und schauen, wie es klappt. Ich freute mich sehr über seine Unterstützung und war schon ganz gespannt, ob uns die Umsetzung nun auch gut gelingen würde. Im September erblickte dann unser kleiner Matthis bei einer wunderschönen Hausgeburt das Licht der Welt und wir konnten mit unserem Windelfrei beginnen.

Am Anfang fühlte es sich noch komisch an, denn es war wirklich sehr ungewohnt mit dem Abhalten eines so kleinen Babys, aber wir tasteten uns Stück für Stück heran. Zunächst trug er auch zu hause fast immer noch Windeln und wir begannen damit, ihn jedes mal beim Windelwechseln einfach über die Badewanne abzuhalten (wir waren anfangs noch nicht zielsicher genug für die Toilette) und ihm dabei zu sagen, dass er nun Pipi machen könne begleitet von “pschpschpsch”. Diese Verknüpfung würde es den Babys wohl einfacher machen, zu verstehen, wann sie Wasser lassen können. Wir waren begeistert und super happy über jedes Mal, wenn es klappte und auch das große Geschäft machte er von Anfang an fast nie in die Windel (aber meistens noch auf dem Wickeltisch).

Diese Erfolgserlebnisse machten uns mutig und wir ließen ihn tagsüber immer öfter ohne Windel und versuchten herauszufinden, welche Zeichen er uns wann gibt. Zugegeben am Anfang ging auch oft was daneben, da wir oft nicht schnell genug reagierten und wohl auch erst noch lernen mussten, die Zeichen zu deuten und auf unsere Intuition zu hören. Kurze Zeit war ich etwas frustriert aber aufgeben wollte ich bestimmt noch nicht, vor allem weil Matthis immer sehr glücklich zu sein schien, wenn wir seine Bedürfnisse erkannten und er im Bad oder auf der Toilette Pipi machen konnte. Gut klappte es von Anfang an, an bestimmten Zeitpunkten, so z.B. nach dem Aufwachen oder dem Stillen.

Eine große Wendung gab es für mich, als ich mal wieder ein paar Dinge aus dem Stoffwindelladen brauchte (https://die-besten-stoffwindeln.de/) und durch Zufall erfuhr, dass die Beraterin, die mit mir meine Sachen zusammen suchte, auch Windelfreiberaterin war. Wir unterhielten uns sehr angeregt über das Thema, sie gab mir viele Tipps und ich kaufte bei ihr noch ein Windelfreitöpfchen. Das war wohl der beste Kauf seit langem. Seit wir den haben klappt es viel viel besser, denn man kann sehr schnell reagieren, anscheinend macht Matthis auch sehr gern rein und er bleibt auch mal ein paar Minuten sitzen, falls nicht gleich was kommt. Alle, die über Windelfrei  nachdenken, sollten sich unbedingt so ein Töpfchen zulegen.

Praktisches Zubehör:

 

  • Windelfreitöpfchen
  • Beinstulpen (damit das Kind warme Beinchen hat, wenn es zu hause ohne Windel und Hose ist. sie können aber  auch draußen beim Tragen einfach über die Hose gezogen werden.Also insgesamt sehr praktisch)
  • Viele Schlupfhosen (die schnell an und ausgezogen werden können)
  • Windelfreihosen (die sind zwischen den Beinen offen)

 

Endlich klappt auch die Umsetzung richtig gut:

Seit dem Gespräch versuch ich auch noch mehr auf meine Intuition zu hören und setz ihn aufs Töpfchen, wenn ich das Gefühl hab, dass er evtl. müsse. Ich freu mich als hochsensible Mama total darüber, dass meine große Intuitionsfähigkeit hier von großem Nutzen ist. Inzwischen klappt es zu Hause richtig gut und wir sind dran, es auch unterwegs umzusetzen, wann immer es möglich ist. Da es zur Zeit bei uns Winter ist, hat er nun mal immer mehrere Schichten Klamotten an, und das Ausziehen dauert dann immer etwas Länger, oft kann er es so lang nicht halten. Deswegen hat Matthis unterwegs auch eine Windel an, wenn er aber anfängt unruhig zu werden und quängelt, wir wissen, dass es nicht vom Hunger kommen kann und wir die Möglichkeit haben, schnell auf eine Toilette zu kommen, halten wir ihn auch dann ab. Ich denke, dass das ihm Frühjahr/Sommer leichter werden wird, wenn er nicht mehr so viel Schichten anziehen muss. Aber da sieht man mal, dass es ihm eigentlich wirklich unangenehm ist, in die Windel zu machen, denn er sieht wirklich zufrieden aus, wenn wir es richtig erkannt haben.

Für uns ist das auch ein wunderbarer Weg unsere Beziehung zu einander zu intensivieren, denn man hat sein Kind einfach noch mehr im Blick, geht ganz viel in Kommunikation, achtet auf kleine Zeichen, die das Kind gibt und hört mehr auf die eigene Intuition. Wir haben es uns am Anfang gar nicht wirklich vorstellen können und haben eigentlich nur aus Neugier begonnen, ohne große Erwartungen. Aber wir sind wirklich auf eine ganz wunderbare Weise überrascht worden und inzwischen können wir es uns gar nicht mehr anders vorstellen. Wir genießen es sehr, unserem Kind diese Möglichkeit geben zu können und sind jetzt schon gespannt, ob er dann auch wirklich früher trocken sein wird, denn das soll wohl auch ein toller Nebeneffekt sein. Wenn die Kinder erst gar nicht wirklich daran gewöhnt werden, dass sie ihn eine Windel machen sollen, fällt es ihnen anscheinend auch leichter, selbständig aufs Töpfchen oder die Toilette zu gehen. Wir sind gespannt und werden darüber gerne Berichten.

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2 Comments

  1. Veröffentlich von Julia am 7. November 2018 um 10:11

    Wirklich toll, wie ihr letztendlich diesen Weg gefunden habt. Ich bin aktuell schwanger und möchte auch mein Kind windelfrei aufwachsen lassen Ich hoffe, dass es mir gelingt.

  2. Veröffentlich von Svenja Loewe am 8. November 2018 um 17:26

    Liebe Julia,
    schön, dass Du das mit dem Windelfrei für Euch testen magst. Ich denke, das wichtigste dabei ist, dass man sich nicht zu sehr unter Druck setzt und es für sich passend macht. Für uns war es sehr schwer das zu 100% am Tag umzusetzen, aber das teilzeitwindelfrei passt für uns sehr gut und ist auch entspannt umzusetzen. Man kann das ganz individuell anpassen.
    Ich wünsch Dir noch eine wundervolle Schwangerschaft und eine ganz tolle (windelfreie) Zeit mit deinem Baby.
    Alles Gute
    Svenja

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