Normalfühlende Eltern und ihre hochsensiblen Kinder-so können beide von einander profitieren

Die Herausforderungen

Zugegeben, es ist nicht immer einfach in einem oft sehr vollgepackten Alltag, die Bedürfnisse unserer hochsensitiven Kindern zu erfüllen. Oft stehen wir selbst unter Druck oder sind gestresst. Für Hochsensible wie mich  besteht die größte Herausforderung meist darin, die eigenen Bedürfnisse und die des Kindes unter einen Hut zu bringen. Doch zumindest können wir uns gut in die Welt des Kindes hineinversetzen, da wir es ja von uns selbst kennen.

Normalfühlende Elternteile haben zusätzlich noch das Problem, dass sie bestimmte Verhaltensweisen ihrer Kinder oft nicht verstehen können, da es ihnen schwer fällt, nachzuvollziehen, wie ihre Kinder ihre Umwelt wahrnehmen und wie sie diese Reize verarbeiten. Deswegen sind sie dann unsicher, wie sie sich gegenüber ihren Kindern verhalten sollen.

Dann kann es vorkommen, dass sie zu streng mit ihnen sind, da sie glauben, die Kinder würden unnötiges Theater machen und etwas vorspielen. Oder sie werden laut, was hochsensible Kinder gar nicht gut verkraften können. Auch kann es vorkommen, dass diese Eltern so verunsichert sind, und sich kaum noch trauen, etwas zu sagen, weil sie ihre Kinder nicht zusätzlich belasten wollen. Die Liste von Ergebnissen, die aus solchen Missverständnissen oder auch Unkenntnis hervorgehen ist lang.

Auch versuchen verzweifelte Eltern oft die Kinder in etwas zu drängen, was nicht ihrem Wesen entspricht. Wie Teamsportarten mit viel Leistungsdruck, Gruppenangebote mit vielen Kindern jeglicher Art, aufregende Freizeitgestaltung etc. Dies ist sicherlich immer gut gemeint, macht den Alltag aber meist noch komplizierter.

Oft sind vor allem auch Väter enttäuscht, dass ihr Sohn, nicht dem Bild eines “echten Kerls” entspricht. Für Papas ist es teilweise nicht so einfach, zu akzeptieren, dass ihr Sohn evtl. ganz andere Interessen hat, als sie sich es sich gewünscht hätten. So können sie mit ihm vielleicht nicht zum Fußballtraining oder ihr Kleiner ist nicht so durchsetzungsfähig, wie sie das von einem Jungen erwarten würden. Dies kann schwierig für einen Papa sein.. Aber warum das so ist, kann man oft nur verstehen, wenn man die Hintergründe, also die Hochsensibilität des Kindes erkennt.

Ein weiteres Problem kann auftreten, wenn es einen hochsensitiven und einen normalfühlenden Elternteil gibt.  Feinfühlende Kinder haben oft ein sehr enges Verhältnis zum gleichfühlenden Elternteil, da sie sich hier oft besser verstanden fühlen und sich weniger erklären müssen. Dies ist für den anderen Elternteil nicht immer einfach, da er sich schnell ausgeschlossen fühlen kann.

All das sind Probleme, die auftreten können, meist haben sie ihren Ursprung darin, dass die Eltern sich nicht über die Hochsensibilität ihres Kindes bewusst sind und dadurch die Hintergründe nicht wirklich verstehen können.

Kennst Du da manches von dir selbst? Es ist kein Grund, sich deswegen schlecht zu fühlen oder zu verzweifeln. Das Gute dabei ist, Du kannst lernen, damit besser umzugehen und Dinge zu verändern.  

Aber setz dich nicht unter Druck, es kann und muss nicht über Nacht funktionieren. Das alles ist ein Prozess und ihr werdet immer wieder Neues von einander lernen können, Du musst dich nur darauf einlassen. Auch wir befinden uns in einem stetigen Prozess und entwickeln uns als Familie immer weiter.

Hier geben wir Dir nun ein paar Hilfen an die Hand, die uns geholfen haben, harmonischer zusammen leben zu können.

Wie euer Alltag funktionieren wird

  • Verständnis:

Es ist wunderbar, dass Du dich mit dem Thema Hochsensibilität beschäftigst, auch wenn du diese Gabe selbst nicht besitzt. Das zeigt schon, wie tief dein Interesse ist, dein Kind wirklich verstehen zu können. Und damit bist Du auch schon den ersten Schritt gegangen. Es ist von enormer Bedeutung, dass Du die Welt deines Kindes verstehen lernst. Denn wenn Du weißt wie dein Kind die Welt wahrnimmt, kannst Du sicherlich auch einige Verhaltensweisen besser nachvollziehen. Dies ist die Grundlage eines guten Miteinanders. Wir befinden uns in der glücklichen Lage, dass ich selbst hochsensitiv bin, so kann ich meinem Mann vieles erklären, was unser Kind vielleicht noch nicht in Worte fassen kann.

 Solltest Du auch einen hochsensiblen Partner haben, so tauscht euch aus, so viel es geht. Ist dem nicht so, so kannst Du dich an verschiedenen Stellen informieren. Hier auf dieser Seite hat es sicherlich einige gute Artikel für dich. Es gibt aber auch viele gute Bücher zu diesem Thema. Versuche Experte zu werden. Dies wird dir helfen, dein Kind besser zu verstehen, das lässt dich die eine oder andere Situation sicherlich gelassener hinnehmen.

 

  • Achtsamkeit:

Wenn Du dann die Hintergründe des Wesens deines Kindes auch besser verstehen kannst, fällt es Dir sicher leichter, damit umzugehen. Ganz wichtig bei dem Umgang mit hochsensiblen Kindern (dies trifft aber auch auf alle anderen Kinder zu) ist es, achtsam mit ihnen und ihren Bedürfnissen umzugehen. Gerade weil sich diese oft anders gestalten als bei anderen, sollte man da genau hinspüren. Je nach Alter deines Kindes, kann es sich schon verbal ausdrücken, was vieles sicherlich leichter macht. Aber sie zeigen auch sehr vieles durch ihr Verhalten. Deswegen solltest du die Reaktionen deines Kindes aufmerksam beobachten, denn daraus ergeben sich schon Rückschlüsse auf den Gefühlszustand des Kindes.

Aber auch mit dir selbst solltest Du achtsam sein. Spür genau hin, was das Verhalten deines Kindes mit dir macht. Es ist nicht immer einfach, in jeder Situation gelassen zu bleiben oder immer Rücksicht auf die Bedürfnisser des Kindes zu nehmen. Dies ist vollkommen normal und in Ordnung. Auch Du hast deine Bedürfnisse auf die Du Rücksicht nehmen solltest.Auch Du darfst, Dich auch mal zurück zu ziehen, wenn es Dir zu viel wird. Auch Du darfst mal überreagieren, etwas nicht verstehen oder dich ausgeschlossen fühlen. Dies ist vollkommen normal und in Ordnung und Du musst deswegen kein schlechtes Gewissen haben, wir sind alles Menschen.

Damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt.

  • Kommunikation

Ganz wichtig ist es auch, dass Gefühle und Bedürfnisse wahrgenommen und ausgesprochen werden. Teile deinem Partner mit, wie es Dir geht, was Du dir wünschst, was für dich schwierig ist, wie Du Dinge wahr nimmst. Genau so, sollte dein Partner das auch dir gegenüber tun. Denn nur so wisst ihr, was in dem anderen vorgeht und ihr könnt gemeinsam Lösungen finden, euch gegenseitig unterstützen und Verständnis und Vertrauen erzeugen. Wichtig ist, dass ihr eine gemeinsame Linie für den Umgang mit dem Kind findet.

Wenn Du dich zurückgewiesen oder ausgeschlossen fühlst, da dein feinfühliger Partner eine sehr innige Bindung zum Kind hat, oder Du manche Verhaltensweisen deines Partners gegenüber dem Kind nicht nachvollziehen kannst, besprich das unbedingt mit ihm/ihr, es hilft oft schon, es einfach auszusprechen und sich auszutauschen.

Auch die Kommunikation mit dem Kind ist ein ganz wesentlicher Bestandteil eines harmonischen Alltags.  Feinfühlende Kinder verstehen sehr vieles und können sich selbst meist auch schon früh sehr gewandt ausdrücken. Deswegen solltest Du dein Kind als Gesprächspartner auch ernst nehmen und versuchen immer auf einer altersgerechten Weise mit ihm zu kommunizieren. Auch ist es gut, Gefühle anzusprechen, deine sowie die deines Kindes. So kann es dich besser verstehen und lernt dabei auch seine eigenen auszudrücken.  Sei dabei ehrlich mit deinen Gefühlen, dein Kind, spürt sowieso, wie es dir wirklich geht.

Versuche eine ruhige und bedachte Ausdrucksweise zu benutzen, denn hochsensible Kinder reagieren besonders intensiv auf lautes Schimpfen. Wenn es mal nicht gelingt und Du evtl. überreagiert hast, kannst Du auch darüber mit deinem Kind sprechen.

  • Geduld

Sei geduldig mit dir und deinem Kind. Nicht alles kann von heute auf morgen klappen. Es ist vielmehr ein ständiger Prozess, miteinander zu wachsen.

Oft brauchen hochsensitive Kinder auch länger, um ins Tun zu kommen. Das hat auch damit zu tun, dass in ihrem Inneren sehr vieles abläuft, was von außen nicht sichtbar ist, bevor sie reagieren.

Diese Kinder benötigen oft mehr Ruhephasen weil ihr Kopf quasi ständig auf Hochtouren läuft, um all die vielen aufgenommenen Reize  zu verarbeiten. So ist ein vollgestopfter Terminkalender mit einem hochsensiblen Kind nicht sehr vorteilhaft.

Also übe dich selbst in Geduld und versuche ein etwas langsameres Tempo mit deinem Kind zu fahren.

Was Dein Kind von Dir lernen kann

Erst mal eine gute Nachricht für dich: Du bist für dein Kind unheimlich wertvoll, denn es kann viel von dir lernen. Irgendwann wird der Moment kommen, in dem dein Kind hinaus in die Welt gehen wird. Es wird nicht ewig im Schutz der Familie verweilen können. Und in dieser Welt ist es nun mal so, dass die meisten Menschen nicht hochsensibel sind. Von daher ist es für dein Kind enorm wichtig, auch mit diesen Menschen klar zu kommen. Du bist ihnen also ein Lehrmeister im Umgang mit dem Großteil der Menschen und bereitest es so auf sein zukünftiges Leben außerhalb der Familie vor.

Außerdem kannst Du ihm Abenteuer und Erlebnisse bescheren, die mit hochsensiblen Eltern vielleicht nicht möglich wären. Oft sind feinfühlige Menschen, Kinder so wie auch Erwachsene, nicht so abenteuerlustig, wie normalfühlende, da sie meistens viel Nachdenken und Gefahren abwägen bevor sie ins Handeln kommen. So kann dein Kind mit dir sicherlich viele spannenden Dinge erleben, da es sich mit dir traut diese Abenteuer auch zu wagen.

Und da Du für dein Kind auch ein Fels in der Brandung bist, wird es sich bei dir auch beschützt und sicher fühlen.

Normalfühlende können sich oft besser durchsetzen und sind meistens sehr bodenständig. Dies vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und gibst dem Kind die nötige Erdung.

Was Du von deinem Kind lernen kannst

Aber auch Du kannst von deinem Kind lernen. Wenn Du dich auf dein Kind einlassen kannst, wird es dir eine ganz neue Welt zeigen können, denn es hat ja eine ganz andere Wahrnehmung der Dinge. Es kann eine faszinierende Reise für dich werden.

Hochsensible Kinder wollen meistens die Welt und große Zusammenhänge verstehen und stellen oft schon früh philosophische Fragen. Dadurch wirst auch Du dich mit vielem anders auseinander setzen.

Auch wird sich dein Leben entschleunigen, und Du wirst dich des öfteren in Geduld üben, da dein feinfühliges Kind dies einfordern wird. Ein vollgestopfter Tagesablauf ist mit einem solchen Kind kaum möglich. So wird euer Alltag ruhiger und es wird mehr Zeit für Ruhepausen geben und das wird auch dir zu Gute kommen.

Du wirst auch achtsamer mit deinem Kind und dir selbst werden und über viele Dinge eine neue Sichtweise bekommen. Du wirst dein eigenes Verhalten und dessen Hintergründe bewusster wahrnehmen und reflektieren und somit auch dich selbst besser kennen lernen.

 

Du siehst, Du spielst eine wichtige Rolle im Leben deines Kindes und es gibt so vieles, was ihr von einander lernen könnt. Versuch dich auf diese wunderbare Reise einzulassen und Du wirst eine wunderschöne Zeit mit deinem Kind haben. Aber, wie gesagt, setz dich nicht unter Druck, dass alles von heute auf morgen funktionieren muss, alles braucht seine Zeit.

Zum Schluss noch was für die hochsensiblen Partner:

Du siehst, es ist auch für deinen normalfühlenden Partner nicht immer einfach, mit der Situation umzugehen. Wir verlangen oft Verständnis für uns und unsere eine oder andere Eigenart, erwarten, dass der Partner immer sensibel mit dem Kind umgeht und Rücksicht nehmen soll. Aber wenn wir das erwarten müssen wir unseren Partner auch unterstützen, dass er unsere Welt verstehen kann. Noch dazu müssen wir auch darauf vertrauen, dass ein normalfühlender Partner bzw Elternteil unser Leben auch unheimlich bereichern kann. Es geht darum sich gegenseitig auf einander einzulassen und sich zu vertrauen. Das ist die Grundlage für ein harmonisches Familienleben.

Austausch und Informationen hierzu und zu vielen weiteren Themen rund um hochsensible Familien findest Du in meiner neuen Facebook-Gruppe: Hochsensibel und löwenstark  und auf meiner Facebook Seite . Ich freu mich schon, dich hier zu begrüßen.

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