Meine ganz persönliche Geburtsreise- oder wie manchmal alles anders kommt, als man denkt und die geplante Hausgeburt zu einer Alleingeburt wird

Ich erzähle hier von meiner ganz persönlichen Geburtsreise, die ich mit unserem zweiten Sohn ganz entspannt bei uns zu Hause erleben durfte. Schon die Zeit der Schwangerschaft habe ich als eine sehr magische Zeit erlebt, so konnte ich mich am Tag der Geburt voll und ganz auf dieses Erlebnis einlassen und machte die Erfahrung, einer für mich perfekten Geburt. Ich hoffe, dass ich hiermit anderen Frauen Mut machen kann, auf ihr Gefühl und ihre ureigene Stärke zu vertrauen, um ebenso ein schönes Geburtserlebnis erfahren zu können.

Diesmal wird alles anders!

Ich möchte am Tag, an dem ich erfuhr, dass ich schwanger bin, beginnen, denn schon da war mir klar, dass ich diesmal einiges anders machen würde, als bei meiner ersten Schwangerschaft, die nun schon neun Jahre zurück liegt. Damals befand ich mich in einem ganz anderen Lebensabschnitt, in dem ich in vielem noch nicht so bewusst lebte wie heute und manches als gegeben hinnahm ohne es richtig zu hinterfragen. Meine Schwangerschaft verlief zwar auch schon relativ entspannt und ich konnte mich ganz gut darauf einlassen, denn Kilian war auch ein absolutes Wunschkind, aber leider war dann meine eingeleitete Geburt in der Klinik alles andere als ein entspanntes und schönes Erlebnis. Im Nachhinein denke ich, dass ich mir damals von Anfang an viel zu viel reinreden lassen und zu wenig auf mein Gefühl gehört habe.

Diesmal wollte ich die Schwangerschaft und vor allem auch die Geburt ganz bewusst erleben und vor allem meine volle Weiblichkeit spüren und meine Urkraft entdecken, damit  mein zweites  Kind einen entspannteren Start ins Leben genießen könnte. So begab ich mich auf meinen Weg und plötzlich ergab sich alles, wie von allein. Ich fand auf Anhieb eine wundervolle Hebamme, die genau das verkörperte, was ich mir wünschte. Schon bei meinem ersten Treffen mit Heike, fühlte ich mich sofort gut aufgehoben, denn wir tickten genau gleich und sie bestärkte mich, auf mein Gefühl zu hören und alte Glaubenssätze loszulassen, wodurch ich eine tiefere Verbindung zu meinem Baby aufbauen konnte, was mir ein starkes Vertrauen und innere Ruhe gab.

Wenn Du mehr über die wunderbare Hebamme Heike Riefler  und ihre wahnsinnig tollen Angebote wissen willst, geht´s hier zu ihrer Seite mein Schneckenhaus.

Ich brauche keinen Arzt!

So war mir auch schnell klar, dass die ganzen unpersönlichen Vorsorgeuntersuchungen bei meiner Gynäkologin nicht das Richtige für mich waren. Ganz am Anfang der Schwangerschaft war ich zu zwei Untersuchungen bei ihr gewesen, jedoch ging ich jedes mal mit einem unguten Gefühl nach hause. Es gab lange Wartezeiten, unpersönliche Gespräche  und irgendwie versuchte man mir permanent kostenpflichtige Zusatzuntersuchungen aufzuschwatzen. Es kam mir so vor, als ob dort die Schwangerschaft eher als Krankheit und Geschäftsmodell gesehen wird als eben dieses wunderschöne Erlebnis, was es doch eigentlich sein sollte. Erschwerend kam hinzu, dass mir meine Ärztin deutlich gemacht hatte, dass sie Hausgeburten und Vorsorgen bei Hebammen überhaupt nicht gut fände und dies auch nicht unterstützen wolle. Also entschied ich mich dazu, wieder auf mein Gefühl zu hören, die Behandlung dort abzubrechen und eine reine Hebammenvorsorge bei Heike zu machen. Für mich fühlte sich das absolut richtig an und ich zweifelte auch keine Sekunde an dieser Entscheidung.

Letztendlich sind Hebammen dafür ausgebildet, Frauen in dieser wunderbaren Lebenssituation zu begleiten, zu unterstützen und zu stärken. Sie sehen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett als einen natürlichen Prozess, für den jede Frau geschaffen ist und nicht als etwas Krankhaftes. Bei Auffälligkeiten können sie auf ein breites Wissen und viel Erfahrung zurück greifen, gegebenenfalls, wenn es schwerere Komplikationen geben sollte, können sie auch jeder Zeit einen Arzt hinzuziehen .

In der Ausbildung von Gynäkologen hingegen sind Schwangerschaft sowie Geburt nur ein Teilbereich und werden hauptsächlich unter dem pathologischen Aspekt gelehrt, weswegen oft der Blick für die Natürlichkeit dieses Prozesses verloren geht.

Was die meisten nicht wissen, ist dass Hebammen die gleichen Untersuchungen wie Ärzte  durchführen können, wie Herztöne abhören, Blut abnehmen, Abstriche machen, und  das Baby im Bauch ertasten. Sie machen eben alles was zur Vorsorge gehört und haben meistens noch zusätzliche Angebote wie etwa, Akupunktur, Yoga, Schwangerschaftsfitness etc. Außerdem kommen sie fast immer zu den Frauen nach hause und können die Familien vom Anfang der Schwangerschaft bis nach dem Wochenbett durchgehend betreuen. Das allermeiste der Angebote wird auch von den Krankenkassen übernommen. Lediglich Ultraschall ist bei Hebammen nicht möglich, was aber jeder Zeit ein Arzt übernehmen kann. So kann rein theoretisch jede Frau ihre Schwangerschaftsbegleitung und Geburtsvorbereitung sowie Wochenbettbetreuung ganz individuell selbst bestimmen und sie für sich so auswählen, damit sie sich damit wohl, gut versorgt und sicher fühlt.

Allerdings ist hier die Konkurrenz oft groß, denn es geht hier auch um viel Geld  und so sind vor allem Ärzte oft nicht zu einer Zusammenarbeit mit Hebammen bereit. Deswegen habe ich auch nur durch Empfehlung meiner Hebamme einen Gynäkologen gefunden, der bereit war, lediglich die drei großen Ultraschallscreenings bei mir zu machen.

Ansonsten bestand also meine Vorbereitung aus sehr angenehmen Besuchen von meiner Hebamme bei mir zu hause, sowie Yoga für Schwangere, gesunder Ernährung und meiner sehr entspannten Einstellung .Dies war genau die richtige Entscheidung für mich, denn schon bald fühlte ich dieses tiefe Vertrauen in mich, das Baby und meine weibliche Urkraft und ich war mir sicher, eine wunderbare Geburt erleben zu können. In den Yogastunden schaffte es Heike immer wieder eine ganz magische Verbindung zum Baby aufzubauen und durch ihre wunderbare Art, machte sie uns Frauen immer wieder Mut, uns selbst zu vertrauen und die Geburt als etwas Wunderbares anzunehmen, als etwas, gegen das man sich nicht wehren müsse sondern in voller Hingaben erfahren könne.

Die Planung der Hausgeburt

Nun stellte sich heraus, dass mein  Wunsch nach einer Hausgeburt, gar nicht so einfach umzusetzen war, wie ich dachte, denn es gibt immer weniger Hebammen, die dies anbieten können. Leider werden ihnen rechtlich und finanziell  immer mehr Steine in den Weg gelegt, so dass es sich viele einfach nicht mehr leisten können, dies anzubieten. So war eben auch eine Hausgeburt mit Heike nicht möglich, jedoch empfahl sie mir eine ganz wunderbare Kollegin aus Tübingen, die seit über 40 Jahren leidenschaftlich gerne Frauen bei Geburten zu hause begleitete. Schon mein erstes Treffen mit Trautlind empfand ich als sehr vertrauensvoll und fühlte mich sofort verstanden und gut aufgehoben, denn sie strahlte ganz viel Wärme und Ruhe aus. Mit ihr konnte mein Traum, mein Kind zu hause zu gebären, also wahr werden. Ich war überglücklich, und freute mich jetzt schon auf dieses wunderbare Ereignis, dass ich zusammen mit meinem Mann erleben werden würde. Auch ihm war ich zutiefst dankbar, dass er mich, trotz seiner eigenen Ängste, voll und ganz in meiner Entscheidung unterstützte. Wieder einmal wurde mir klar, was für einen wundervollen Mann ich an meiner Seite habe.

 

 

Da nun alles geregelt war, konnte ich mich entspannt zurück lehnen und meine restliche Schwangerschaft in vollen Zügen genießen.

Mehr über Trautlinds Arbeit erfährst Du hier.

 

Sacred Pregnancy

So hatte ich noch ein wunderschönes Erlebnis in Form eines Wochenendseminars, bei dem ich eine sehr intensive Zeit mit 5 anderen bezaubernden Frauen erleben konnte. Die wunderbare Anne Henle von der Praxis Vitamotio leitete den Kurs Sacred Pregnancy, bei dem wir unsere Weiblichkeit, unsere Kraft und unsere Schwangerschaft feierten. Dies war kein gewöhnlicher Geburtsvorbereitungskurs, hier ging es vielmehr darum, eine Verbindung zum Baby aufzubauen, eine intensive Zeit für sich zu haben, Ängste loszulassen, sich auf die Geburtsreise vorzubereiten und die eigene Weiblichkeit zu feiern. Dies erlebten wir durch verschiedene Rituale, gemeinsame Gespräche und bei der Herstellung mehrerer Gegenstände für uns und unsere Babys, wie etwa eine Geburtskerze, Blumenschmuck und eine Wimpelkette mit guten Wünschen.

Hinterher baute ich mir einen kleinen Geburtsaltar mit den hergestellten Dingen auf, so dass unser Baby schon vor der Geburt einen Platz bei uns zu Hause in unserer Familie hatte und wir uns daran erfreuen konnten. Die Verbindung und der liebevolle Austausch mit anderen gleichgesinnten Frauen war unglaublich bereichernd für mich und so haben wir auch alle bis heute Kontakt zu einander.

 

Endlich, die Geburt!

Ich hatte das große Glück, dass meine Schwangerschaft ohne Komplikationen verlief und ich gesundheitlich topfit war. So genoss ich die Zeit, machte meine Vorsorgetermine mit meinen wunderbaren Hebammen und stellte mich intensiv auf die bevorstehende Geburt ein. Ich hatte das Gefühl, wirklich gut vorbereitet zu sein und konnte es kaum noch erwarten, bis es endlich los gehen würde. Ich trank nun regelmäßig meinen Himbeerblättertee, ging viel spazieren und in der 37. Schwangerschaftswoche starteten wir mit der geburtsvorbereitenden Akupunktur. Am Tag vor der Geburt war ich noch mal bei einer Yogastunde und Heike setzte mir hinterher wieder Nadeln am Kopf und an den Beinen. Sie fragte mich, ob sie den wehenfördernden Punkt am kleinen Zeh schon mitmachen solle, was sich für mich absolut richtig anfühlte und so bekam ich an diesem Tag zum ersten mal auch dort eine Nadel gesetzt.Sofort  hatte ich ein intensives Gefühl im Zeh begleitet von kräftigem Kribbeln und ich fühlte eine Veränderung, die ich noch gar nicht richtig deuten konnte.

Nachts fing dann tatsächlich ein Ziehen im Bauch an, das in regelmäßigen Abständen kam, jedoch glaubte ich irgendwie noch nicht, das dies der Beginn der Geburt sein könnte.Mein Mann sah dass wohl anders und beschloss, an diesem Tag nicht zur Arbeit zu gehen und für mich da zu sein. Schnell war mir dann klar, dass er absolut Recht damit hatte, denn das Ziehen wurde im Laufe des Morgens zu richtigen Wehen und ich wusste, dass sich unser Baby nun auf den Weg machte. Kilian war in der Schule und mein Mann war bei mir, so konnte ich mich wunderbar auf das Bevorstehende  einlassen und war ganz euphorisch, bei dem Gedanken, dass wir bald unser Baby in den Armen halten würden.

Ich war so glücklich, zu Hause sein zu können, und mir die Zeit so gestalten zu können, wie es sich für mich gut anfühlte. So zündete ich die Geburtskerze an, machte mir meine vorab ausgewählte Musik an, zog gemütliche Kleider an und begann zu genießen. Ja wirklich, ich habe die Wehen und die Energie dahinter vor allem am Anfang richtig genossen. Ich konnte sie annehmen und sehr gut aushalten, denn ich wusste, dass sie nichts Schlechtes sind, nein sie würden mir helfen, mein Kind auf die Welt zu bringen. Noch waren sie auch noch nicht so stark und die Abstände noch recht lange, trotzdem riefen wir unsere Hebamme an, um sie darauf vorzubereiten, dass es heute wohl noch richtig losgehen würde. Wir wollten uns dann wieder melden, wenn wir das Gefühl hatten, der richtige Zeitpunkt, in dem wir ihre Unterstützung benötigten sei gekommen.

Am Anfang war mein Mann noch recht aufgeregt, jedoch merkte er recht schnell, dass ich diesmal viel besser vorbereitet war und mich voll und ganz auf die Geburt einlassen konnte.  So konnten wir beide entspannen und genossen unsere Zeit zu zweit, wir kuschelten, lachten und er unterstütze mich ganz wunderbar beim Verarbeiten der Wehen.

Kilian war inzwischen bei der Oma angekommen, denn er hatte sich dafür entschieden, nicht bei der Geburt dabei zu sein, was auch für mich die richtige Entscheidung war, denn so konnte ich mich wirklich voll und ganz auf mich konzentrieren und hatte nicht das Gefühl, auch nach ihm schauen zu müssen.

Die Wehen wurden nun stärker und ich war  immer mehr damit beschäftigt, sie zu verarbeiten, aber ich war auch ganz bei mir und  freute mich, dass es immer weiter vorwärts und unserem Ziel entgegen ging, so konnte ich sie als etwas Positives annehmen. Die Pausen dazwischen nutzte ich, um etwas Kraft zu tanken, durchzuschnaufen oder etwas zu trinken. Das war etwas von den vielen wertvollen Dingen, die ich bei Heikes Yogastunden gelernt hatte und nun umsetzen konnte, um die Geburt in voller Hingabe erleben zu können.

Als mein Mann dann die Hebamme anrufen wollte, weil die Intensität nun doch so war, dass wir dachten, es könne nicht mehr allzu lange dauern, geschah etwas Seltsames; die Wehen hörten fast komplett auf. Wir waren zwar etwas überrascht darüber aber noch machten wir uns keinen großen Kopf darüber. Wir riefen Trautlind also nicht an und ich versuchte diese Pause dazu zu nutzen, mich etwas auszuruhen und noch mal Kraft zu tanken.

Allerdings dauerte dieser Zustand immer länger und das Warten frustrierte mich mit der Zeit ,denn nun fühlte ich mich an meine erste Geburt erinnert, bei der ich nach einer Einleitung mit einigen Unterbrechungen fast 3 Tage in den Wehen lag. Das war damals kein schönes Erlebnis und ich wollte so etwas nicht nochmal erleben. Ich konnte mir einfach nicht erklären, warum es diesmal wieder stockte, wo ich doch so gut vorbereitet und entspannt war.

Ich rief  nochmal bei meiner Hebamme an, klagte ihr mein Leid und sagte ihr, dass sie heute wohl doch nicht mehr kommen müsse. Sie konnte mich jedoch beruhigen und schlug mir vor, bei dem schönen Wetter noch etwas spazieren zu gehen, da dies die Wehen wieder etwas fördern könne. Gesagt getan, ich schnappte mir meinen Mann und wir machten uns auf den Weg nach draußen. Schon auf den Treppen nach unten (wir wohnen im 5. Stock) merkte ich, dass sich schon wieder etwas tat  trotzdem liefen wir noch eine ganze Runde und als wir wieder zu hause waren, ging es weiter mit immer stärker werdenden Wehen. Mein Mann ließ mir ein Bad ein, ich entspannte mich und ließ mich wieder auf den Prozess ein.

Mit zunehmender Intensität kam ich immer mehr zu mir und war ganz vertieft und konzentriert auf mich und meinen Körper. Ganz instinktiv nahm ich Positionen ein, die mir gut taten, so war ich auf allen vieren, in der Hocke und  im Türrahmen und spürte diese wahnsinnige Energie und Kraft in mir.

Die Außenwelt war nun ganz weit weg und ich fühlte nur noch mich und die Anwesenheit meines Mannes, der nun auch instinktiv handelte und versuchte mich so gut er konnte zu unterstützen. Mal war er ganz nah bei mir, hielt, massierte und streichelte mich und mal hielt er Abstand um mir Ruhe zu geben, damit ich meinen Rhythmus finden konnte. Ich fing nun auch an zu tönen, so wie wir es im Schwangerenyoga immer zusammen gemacht hatten. Was für eine fantastische Energie!

Endspurt!

Es war ein wunderschönes und intensives Erlebnis und da ich das Gefühl hatte, dass es nun doch schon recht weit voran geschritten war, entschieden wir uns dafür, nun doch die Hebamme kommen zu lassen. Und dann passierte es wieder, noch bevor wir telefonieren konnten. Nämlich: Nichts! Die Wehen waren so gut wie weg und diesmal war ich wirklich frustriert, da ich nun anfing, ein wenig an mir zu zweifeln. Ich war immer davon überzeugt gewesen, dass es bei meiner ersten Geburt an der Einleitung gelegen hatte, die die Geburt so schwer und langwierig gemacht hatte. Aber lag es denn nun doch an mir? War ich zu verkrampft und konnte nicht richtig loslassen? War ich nicht richtig in der Lage, ein Kind zu gebären? Brauchte ich vielleicht doch Unterstützung?

Im Nachhinein denke ich, dass das noch seelische Verletzungen der ersten Geburt waren, die irgendwo in meinem Unterbewusstsein schlummerten. Denn damals wurde mir in der Klinik das Gefühl gegeben, es nicht alleine und ohne medizinische Hilfe zu schaffen,so  wurde ständig an mir rumhantiert und in den ganzen Verlauf eingegriffen, so dass ich gar keinen eigenen Rhythmus finden konnte. Dadurch kamen nun diese Gedanken in mir hoch und ich zweifelte an mir und meiner eigenen Gebärfähigkeit.

Ich war nun recht demotiviert, aber ich konnte ja nichts an der Situation ändern und so machten mein Mann und ich es uns auf dem Sofa gemütlich, um etwas auszuruhen und einen Film anzuschauen. Dabei schlief ich sogar kurz ein, um dann ganz plötzlich von sehr starken Wehen wieder aus dem Schlaf gerissen zu werden.

Gleich ist er da!

Es ging jetzt mit Vollgas weiter und so bewegte ich mich ins Schlafzimmer und suchte eine gute Position für mich, die ich im Vierfüßlerstand fand. Instinktiv zog ich meine Hose aus, denn ich hatte das Gefühl, dass das Baby bald kommen würde und ich hatte den starken Drang mit den Wehen mitpressen zu müssen. Mein Mann war nun sichtlich beunruhigt darüber, dass es offensichtlich schon weiter war, als wir dachten aber noch keine Hebamme da war. Als ob er es nicht ganz wahr haben wollte schaute er mich also mit großen Augen an und fragte ob ich eine neue Hose bräuchte, ob diese nass sei.Ich meinte nur: “nein. ich glaub das Baby kommt. Jetzt darfst Du die Hebamme anrufen!” Er telefonierte sofort und war sichtlich erleichtert darüber, dass nun bald Unterstützung kommen würde. Danach war er sofort wieder an meiner Seite, um für mich da zu sein und mit mir die nun heftigen Geburtswellen durchzustehen.

Ich wurde etwas unruhig und fing kurzzeitig an mich gegen den Schmerz zu wehren, da mir in dem Moment nicht bewusst war, dass es wirklich schon bald geschafft sein würde. Mein Mann tat das einzig richtige in dem Moment  und spornte mich an ihn dem er mir sagte, dass ich weiter machen müsse, denn es sei sicher bald geschafft und mir bliebe sowieso keine andere Wahl.

Natürlich hatte er Recht und ich versuchte mich wieder dieser unglaublichen Energie hinzugeben und in diesem Moment platzte die Fruchtblase, so merkte ich, dass ich doch schon weiter sein musste, als ich dachte, was mir einen unglaublichen Motivationsschub gab und ich presste nun feste mit den Wehen mit. Immer wieder tastete ich zwischen meine Beinen und konnte nun tatsächlich schon das Köpfchen spüren. Ich tönte jetzt auch wirklich laut und fand meine Position im Vierfüßlerstand. Bei einer weiteren starken Wehe presste ich gegen einen Widerstand und mein Mann sagte mir, dass das Köpfchen nun geboren sei und ich weiter machen müsse, denn es sei gleich geschafft. Ich war ihm so dankbar, dass er da war und mich unterstützte, ich fühlte mich durch ihn unglaublich sicher, auch ohne Hebamme. Also nahm ich noch mal all meine Kraft zusammen, presste noch mal und der kleine Matthis war in die Arme meines Mannes geboren.

Ich hörte das kleine Menschlein zum ersten mal schreien, drehte mich sofort um und ich erblickte dieses perfekte Baby und sah die nassen Augen meines Mannes. Er legte ihn mir auf die Brust und zum ersten mal spürte ich die Haut und die Wärme meines Kindes. Wir waren überwältigt von Glück und hatten dass Gefühl, die Zeit sei um uns herum stehen geblieben, denn in diesem Moment gab es nur noch uns drei. Wir hatten es nun wirklich ganz allein geschafft, unseren Schatz auf die Welt zu bringen.

Was für ein unbeschreibliches Gefühl. Kraft, Liebe und Stolz pur!

Die Hebamme kommt

10 Minuten später, also ziemlich genau eine halbe Stunde nach unserem Anruf, kam unsere Hebamme bei uns an. Als sie den Kleinen schon beim reinkommen schreien hörte, fing sie nur an zu grinsen und meinte, dass sowas beim zweiten Kind schon mal passieren könne.

 

 

In den nächsten 2,5 Stunden versorgte sie den kleinen Matthis und mich und es  war ein wunderbares Gefühl von Geborgenheit, denn Trautlind strahlt unglaublich viel Ruhe und Wärme aus. Das war genau das, was ich in diesem Moment brauchte und mein Mann vermutlich auch, denn er war noch ganz neben sich nach diesem Ereignis, das ja doch etwas anders gekommen war, als gedacht. Und schließlich bringt man ja nicht jeden Tag sein eigenes Kind ganz allein auf die Welt!

Nach dem Trautlind wieder gegangen war, genossen wir nochmal unsere Zeit zu dritt und waren trunken vor Freude über dieses Wunder in unseren Armen bis wir dann irgendwann gemeinsam einschliefen.

 

 

Endlich zu viert

Am nächsten Morgen brachte die Oma unseren Großen nach hause, der schon ganz aufgeregt war und es kaum erwarten konnte, endlich seinen kleinen Bruder kennen zu lernen. Ganz ehrfürchtig kam er herein und bestaunte dieses kleine Menschlein, auf das er so lange gewartet hatte. In seinen Augen konnte man sofort diese große Liebe sehen. Was für ein emotionaler Augenblick für uns alle! Nun waren wir endlich komplett und konnten unser Leben als vierköpfiges Loewenrudel beginnen.

Zum Abschluss:

Im Nachhinein denk ich mir, dass alles genauso sein sollte, wie es gekommen war. auch wenn wir es anders geplant hatten. Vielleicht wollte ich insgeheim mit meinem Mann ganz allein sein und vielleicht hat mein Körper, deswegen mit Wehenpausen reagiert, um dies zu ermöglichen . Das Unterbewusste ist stärker, als man denkt! Für meinen Mann und mich war es auf jeden Fall die perfekte Erfahrung, die uns noch stärker gemacht hat und unsere Verbindung noch intensiver werden ließ. Wie sagt er es  jetzt so schön!? “Was soll uns jetzt noch passieren, wenn wir sogar unser eigenes Kind ganz allein auf die Welt bringen können!” Dieses Gefühl ist so wertvoll und kann uns keiner mehr nehmen,

Abschließend kann ich nur noch sagen, es war perfekt so wie es war. Ich bin so froh, dass ich diesmal auf mein Gefühl gehört habe und so dankbar für all die Unterstützung, die ich erleben durfte, denn mein zweiter Sohn konnte einen so wundervollen Start in sein Leben erfahren. Auch hat mich dieses Erlebnis verändert und geprägt, denn ich fühl mich stärker und selbstsicherer als je zuvor. Es hat sich gelohnt, diesen Weg zu gehen, ich würde es jederzeit wieder genauso machen und freue mich schon jetzt auf meine nächste einzigartige Geburtsreise!

Ich wünsche allen Frauen auf der Welt, dass sie ihre weibliche Urkraft genau so erleben können und die Möglichkeit bekommen, eine so wunderbare Erfahrung machen zu können.

 

Austausch und Informationen hierzu und zu vielen weiteren Themen rund um hochsensible Familien findest Du in meiner neuen Facebook-Gruppe: Hochsensibel und löwenstark  und auf meiner Facebook Seite . Ich freu mich schon, dich hier zu begrüßen.

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1 Comment

  1. Veröffentlich von Mira Darnow am 13. September 2018 um 13:24

    Hallo,
    eine Geburt ohne Hebamme und ganz alleine. Das ist wirklich toll! Und beruhigend zu lesen, dass es nicht unbedingt der großen technischen Ausrüstung eines Krankenhauses bedarf. In manchen Fällen schon, aber es gibt eben doch das Prinzip der Natur.

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