Kindergarten mit hochsensiblem Kind- so klappt es

Das Thema Kindergarten ist ja ein sehr kontroverses Thema. Für einige gehört der Kindergarten, wie die Schule, zum Großwerden der Kinder oder sie denken, dass ein Kind mit Gleichaltrigen zusammen sein sollte und hier eine schöne Zeit erlebt. Für andere ist es ein notwendiges Übel, da sie ihrer Arbeit nachgehen müssen und keine andere Art der Betreuung haben. Und wieder andere halten Kindergarten und die Fremdbetreuung für ungünstig oder schädlich für ihre Kinder. Es gibt hier wirklich ganz unterschiedliche Meinungen dazu genauso, wie es unterschiedliche Motivationen gibt, sein Kind in den Kindergarten zu schicken. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

 

Für hochsensible Kinder ist das Thema Kindergarten noch mal ein sehr spezielles Thema. Denn hier werden sie zum ersten mal aus ihrem gewohnten Umfeld mit ihren vertrauten Bezugspersonen gerissen. Es ist wohl eine der ersten großen Umstellungen im Leben eines Kindes und gerade feinfühlende Kinder tun sich hier besonders schwer.

Ich möchte hier einen Kindergartenbesuch weder anpreisen noch verteufeln, vielmehr möchte ich verschiedene Alternativen aufzeigen und auch Hilfestellungen geben, wie die Kindergartenzeit für ein hochsensibles Kind angenehm gestaltet werden kann.

Vor allem, da ich weiß, dass es auch  für die Eltern eine zwiespältige Sache sein kann, möchte ich hierbei unterstützen. Oft ist es ja so, dass Eltern von feinfühligen Kindern schon im Gefühl haben, dass es für diese eine sehr schwierige Umstellung sein kann und sie tun sich schwer damit ihre Kinder in fremde Hände abzugeben. Aber oft bleibt ihnen keine andere Wahl, da sie aus beruflichen bzw. finanziellen Gründen auf eine Fremdbetreuung angewiesen sind. Besonders dann, wenn es nicht gut läuft im Kindergarten und sie sehen, dass es ihrem Kind dort nicht besonders gut geht, leiden sie unter einem schlechten Gewissen da sie oft nicht wissen, wie sie ihre Kinder dabei unterstützen können.

Ich möchte hier auch zeigen, dass es nicht so sein muss, denn unter den richtigen Voraussetzungen kann auch ein hochsensibles Kind eine sehr schöne Kindergartenzeit erleben und auch davon profitieren.

Aber auch die Entscheidung gegen einen Kindergarten und eine Fremdbetreuung kann durchaus sinnvoll sein. Es kommt hier immer auf das Kind, die Einrichtung, die Erzieher und die gegebenen Umstände an, was für das Kind am besten ist.

Wir persönlich hatten unseren ersten Sohn in einem katholischen KIndergarten. Wir waren damals von Reutlingen nach Heidelberg gezogen und ich begann meine Ausbildung zur Ergotherapeutin, also war ich auf einen Kindergartenplatz in einer Vollzeiteinrichtung angewiesen und musste das Angebot, das ich bekam annehmen. Somit hatte ich schon mal keine Möglichkeit zwischen verschiedenen Einrichtungen zu wählen, was schon von Anfang an nicht gut war. Dazu später aber mehr. Auch waren die Erzieherinnen nicht auf ein solches spezielles Kind eingestellt. Noch dazu waren die Gruppen zu groß und das Konzept nicht passend für unser Kind. Kurz gesagt, Kilian hatte keine schöne Zeit im Kindergarten.

Daraus habe ich gelernt und würde heute sehr vieles anders machen. Wir wussten bis dahin auch noch nichts vom Thema hochsensibilität und konnten noch nicht so gut mit der Andersartigkeit unseres Kindes umgehen. Allein dieses Wissen, hätte uns selbst sicher auch anders handeln lassen, denn es gibt einige gute Möglichkeiten, wie man diese schlechten Erfahrungen vermeiden kann.

Damit Dein Kind eine schöne Kindergartenzeit erleben kann, möchte ich Dir nun einige Tipps an die Hand geben.

Zuerst einmal geht es darum, zu entscheiden, ob dein Kind überhaupt in den Kindergarten gehen soll oder nicht. Für Eltern, die aus beruflichen Gründen darauf angewiesen sind, stellt sich die Frage natürlich nicht. Aber manchmal hat man ja eben doch die Wahl. Wir persönlich werden unser zweites Kind zu hause betreuen, da wir ab nächstem Jahr sowieso im Ausland leben werden und auch Kilian als Freilerner zu hause sein wird. Jedoch werden wir unserem zweiten Kind auch einen Kindergarten ermöglichen, wenn es von sich aus selbst möchte.

Denn genau diese Fälle gibt es eben auch, dass das Kind selbst äußert, dass es in einen Kindergarten gehen möchte. Vielleicht hat es bei Freunden gesehen, dass diese immer dort hingehen oder hat ein Buch darüber gelesen und möchte das nun selbst gern ausprobieren. Oder es hat einfach das Bedürfnis unter Gleichaltrigen zu sein. Auch das gibt es bei hochsensiblen Kindern. Nicht alle sind eher Einzelgänger, es gibt auch sehr extrovertierte Kinder darunter. Sollte dies der explizite Wunsch des Kindes sein, solltest Du es ihm auch nicht vorenthalten. Du kannst ihm ja auch erst mal die Möglichkeit geben, es auszutesten. Ein Kindergartenbesuch ist ja immer freiwillig und auf gar keinen Fall auf Dauer verpflichtend.

So könntest Du mit deinem Kind nach einer geeigneten Einrichtung suchen und ausprobieren, wie dein Kind dort klar kommt. Am Anfang gibt es ja sowieso die Eingewöhnungsphase in der das Kind nur Stundenweise hingeht. Hier findet Ihr ganz schnell heraus, ob es für das Kind auch wirklich passt und könnt dann gemeinsam entscheiden, ob es dauerhaft dort bleiben möchte oder nicht.

Welche Einrichtung ist die richtige?

Dies ist dann auch schon der erste Punkt, auf den geachtet werden sollte. Die richtige Auswahl des Kindergartens ist sehr entscheidend. Dabei spielen einige Faktoren zusammen. Wichtig dabei ist, dass Du dich rechtzeitig nach einem freien Platz umschaust, denn gute Kindergärten sind rar und die Wartelisten oft lang. Es gibt hier auch ganz verschiedenen Modelle auf die ich nur kurz eingehen kann.

Es gibt nicht mehr nur die städtischen oder kirchlichen Einrichtungen, die oft nach einem sehr ähnlichem Konzept handeln und nicht immer einen guten Betreuungsschlüssel haben. Wobei es auch hier sehr gute darunter gibt, man sollte sich davor aber immer gut informieren, sich den Kindergarten persönlich anschauen und intensiv mit den Erzieherinnen sprechen bevor man sich entscheidet. Dies gilt aber auch für die möglichen Alternativen. Hier gibt es beispielsweise Waldkindergärten, Montessori Bildungshäuser, Waldorfeinrichtungen und noch einige andere. Hier werden ganz andere Konzepte verfolgt und meistens gibt es hier auch mehr Erzieher für kleinere Gruppen. Jedoch sind diese oft von privaten Trägern und sind somit meist teurer als eine städtische oder kirchliche Einrichtung. Falls Du Kindergartenbeihilfe bekommst, werden diese Einrichtungen auch nur teilweise anerkannt. Die Regelungen hierfür können ganz unterschiedlich sein. Dafür solltest Du dann bei deinem zuständigen Sachbearbeiter nachfragen.

Auch sind die Konzepte, nach denen in diesen Einrichtungen gehandelt wird sehr unterschiedlich und Du solltest dich bei der jeweiligen Einrichtung gut darüber informieren. Oft ist es aber gerade für hochsensible Kinder in solchen Einrichtungen etwas einfacher. Meistens sind die Gruppen kleiner, es gibt mehr Erzieher, die Spielmaterialien sind übersichtlicher und der pädagogische Auftrag ist stimmiger für feinfühlende Kinder. Im Waldkindergarten sind die Kinder beispielsweise den ganzen Tag in der Natur, dies ist für hochsensible Kinder meistens sehr angenehm, da viele sowieso eine starke Verbundenheit zu Pflanzen und Tieren haben und gern draußen sind.

Informiere dich am besten selbst, welche Einrichtungen es bei dir in der Nähe gibt und welche Konzepte sie verfolgen. Informiere dich hierbei gut und les am besten darüber nach oder frag direkt dort an.

Auswahl des Kindergartens

Ganz besonders wichtig ist es, dass Du dir den Kindergarten mit deinem Kind zusammen anschaust, am besten eine kleine Auswahl von Einrichtungen, damit Du Unterschiede erkennen kannst. Versuche hierbei auch auf Dein Bauchgefühl zu vertrauen und spür genau hin, was dein Kind dir vermittelt. Denn es ist besonders wichtig, wo es sich wohl fühlt.

Es gibt ein paar Dinge worauf Du achten solltest:

  • Wie viele Gruppen gibt es und wie groß sind diese? Um so mehr Kinder es sind, umso anstrengender kann es für dein Kind werden.
  • Gibt es Rückzugsmöglichkeiten, in denen dein Kind bei Überreizung Erholung finden kann? (Ruheraum o.Ä.)
  • Wie viele Erzieher gibt es in der Gruppe?
  • Sind die Erzieher offen für das Thema Hochsensibilität?
  • Wie ist die Atmosphäre? ruhig oder eher aufgeregt?
  • Gibt es genug Außenspielmöglichkeiten? Wird oft rausgegangen?
  • Gibt es Pausen oder auch ruhigere Spielzeiten?
  • Wie ist die Kommunikation mit den Eltern? Gibt es regelmäßige Gespräche, werden sie mit einbezogen?
  • Lernen die Kinder die Welt ganzheitlich kennen oder wird nur Wissen vermittelt?
  • Wie intensiv wird die Eingewöhnungsphase durchgeführt und wie viel Zeit ist hierfür eingeplant?

Was ist wichtig, wenn Ihr die richtige Einrichtung gefunden habt?

  • Kommunikation mit den Erzieherinnen: sprich am besten schon vor den Eintritt in den Kindergarten über das Thema Hochsensibilität mit ihnen. Und bleib dauerhaft mit ihnen in Kontakt und besprecht gemeinsam, wie am besten vorgegangen werden soll. Dazu gehört auch, dass das Kind nicht zu Gruppenspielen gezwungen werden soll, denn viele hochsensitve Kinder sind davon überfordert. Auch sollten Rückzugsmöglichkeiten angeboten werden, wenn das Kind in eine Überreizungssituation kommt. Gut wäre es, wenn eine Erzieherin dein Kind hierbei unterstützen und begleiten kann.
  • Für die Eingewöhnungsphase sollte genug Zeit eingeplant werden. Hochsensible Kinder tun sich oft schwer mit der Trennung und brauchen oft mehr Zeit, dabei sollten sie nicht unter Druck gesetzt werden. Auch ist es wichtig, dass Du selbst ruhig bleibst und dein Kind nicht durch eigene Trennungsängste weiter verunsicherst.
  • Verlässlichkeit: Sage deinem Kind immer, wann Du wieder da bist und halte Dich an diese Zeiten. Auch sollte es wissen, dass die Erzieherinnen dich anrufen können und Du zurückkommst, wenn etwas nicht in Ordnung ist.
  • Es kann förderlich für das Kind sein, wenn es ein Bezugsbetreuer an die Hand bekommt. So muss es sich nicht auf allzu viele neue Bezugspersonen einstellen. Das kann vor allem am Anfang eine große Erleichterung bringen.
  • Auch im Kindergarten können Rituale Sicherheit geben. So kann z.B. jeden Tag eine gleiche Begrüßung/Verabschiedung stattfinden. Wenn möglich auch auf dem Flur, damit das Kind sich hier nicht beobachtet fühlt. Dies mögen hochsensible Kinder nämlich nicht besonders.
  • Auch feste Essens- und Pausenzeiten können Struktur und damit Sicherheit geben. Dazu gehören auch regelmäßige Tagesabläufe die durch einen Tages- oder Wochenplan noch verdeutlicht werden können. Außergewöhnliche Unternehmungen wie Ausflüge sollten rechtzeitig angekündigt werden, damit dein Kind genug Zeit hat, sich darauf einstellen zu können.
  • Es sollte die Möglichkeit geben, persönliche Gegenstände mitzubringen, wie z.B. Kuscheltiere, Fotos der Familie oder eigene Lieblingsspielsachen. Das kann den Trennungsschmerz verringern und gibt auch wieder Sicherheit.
  • Wenn es möglich ist, solltet ihr mit kurzen Zeiten beginnen. Also nicht von Anfang an eine Tageseinrichtung wählen. Vielleicht reicht es zeitlich auch nur bis zur Mittagszeit. Wenn sich dein Kind gut eingewöhnt hat, kannst du die Zeiten evtl. auch erhöhen.
  • Bedenke auch, dass die Zeit im Kindergarten mit den vielen Eindrücken und Reizen sehr anstrengend für dein Kind ist. Es kann gut sein, dass es erst mal überreizt ist, wenn es nach hause kommt und mit einem emotionalen Ausbruch reagiert. Sei hier verständnisvoll, begleite dein Kind hierbei liebevoll und biete ihm die nötige Ruhezeit bzw.den sicheren Rückzugsort. Nachh dem Kindergarten solltest Du nicht direkt viele Termine oder Freizeitangebote einplanen. Gönne deinem Kind die Zeit, um die Reize zu verarbeiten.
  • Hör deinem Kind gut zu, wenn es vom Kindergarten erzählt, nimm es ernst. Wenn für das Kind etwas nicht passt, erkennst Du das oft schon in seinen Erzählungen. Aber setz dein Kind nicht unter Druck, wenn es nicht erzählen mag, kann es auch damit zu tun haben, dass es die Eindrücke noch verarbeiten muss. Wichtige Dinge wird es dir zu dem. für sich passenden Zeitpunkt erzählen.

Das sind nun einige Tipps, die ich Dir an die Hand geben kann. Ganz besonders betonen möchte ich aber noch eine Sache. Versuche bei diesem Thema gut auf dein Bauch und deine Gefühle  zu hören. Was fühlt sich für dich gut und stimmig an? Wie geht es deinem Kind damit?

Und scheue Dich nicht, in Kontakt mit den Erzieherinnen zu gehen. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Euch ist besonders wichtig.

Ich wünsche deinem Kind und Dir nun eine schöne und entspannte Kindergartenzeit!

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