Hochsensibilität, was ist das überhaupt?

Hochsensibilität ist ein sehr komplexes Thema, das viele Bereiche umfasst. Hier möchte ich Dir erst einmal einen ganz kurzen Einblick in dieses Thema geben.

 

Um die Themen auf dieser Seite besser verstehen zu können, möchte ich erst einmal erklären, was Hochsensibilität eigentlich ist. Ich persönlich benutze auch gern den Begriff Feinfühler,  Vielfühler oder Hochsensitivität.

 

 

Zunächst einmal möchte ich klar stellen, dass es sich definitiv um keine Schwäche, ein Makel oder gar eine Krankheit  handelt. Es ist ein Wesenszug, den Studien zufolge, sogar 15-20 % aller Menschen besitzen.

Leider muss ich das hier so sagen, denn gerade in unserer westlichen Gesellschaft, die auf Leistung, Wettbewerb und Fortschritt um jeden Preis aufbaut, wird Sensibilität und Feinfühligkeit oft nicht wirklich als etwas Gutes anerkannt. Manchmal wird man als Sensibelchen belächelt und die Stärken und das Besondere der Persönlichkeit werden nicht wirklich gesehen. In der östlichen Kultur beispielsweise werden jedoch genau diese Wesenszüge als erstrebenswert angesehen. Das macht schon sehr deutlich, wie sehr das Ganze auch von gesellschaftlichen Umständen abhängig ist.

Kurz beschrieben:

Der Filter, der zur Verarbeitung von äußeren und inneren Reizen dient, ist bei hochsensiblen Menschen quasi anders programmiert. Viele Sinneseindrücke kommen dabei oft nur sehr schwach gefiltert im Gehirn an. Das heißt vieles wird anders bzw. wesentlich intensiver wahrgenommen. Dies kann ganz unterschiedliche Bereiche betreffen, wie z.B. das Gehör, den Geruchs- oder Geschmackssinn aber auch das Fühlen von Emotionen, Stimmungen oder Vorahnungen.

 

Anders gesagt ist es so, dass hochsensible Menschen reizoffener sind. Das wiederum heißt, dass sie mehr Dinge in ihrer Umwelt wahrnehmen. Dies bezieht sich wieder auf ganz unterschiedliche Dinge wie etwa Geräusche, Gerüche oder auch Gefühle. Dazu möchte ich kurz auf die Wahrnehmung an sich eingehen. Die Menschen sind im Grunde keine guten Wahrnehmer, dies mag verwundern, aber bei folgender Erläuterung scheint es vielleicht plausibler. In der Welt gibt es viele Dinge, die wir Menschen nicht wahrnehmen können wie beispielsweise radioaktive Strahlung oder infrarotes Licht. Würden wir dies wahrnehmen könne, würde die Welt vollkommen anders aussehen. Auch sortiert unser Filtersystem im Gehirn einige einkommende Reize aus, da diese überfordern oder ablenken könnten. Hochsensible Menschen nehmen jedoch sehr viel mehr Reize auf und sehen somit die Welt auch mit anderen Augen. Sie brauchen teilweise nur etwas länger, um all die Reize verarbeiten zu können.

Somit wird aber auch deutlich, dass es sich hier nicht um eine Störung handelt sondern um eine umfassendere Art die Welt wahrzunehmen.

Hochsensibilität  und Hochsensitivität :

Oft wird nicht zwischen hochsensiblen oder hochsensitiven Menschen unterschieden. Ich mache diesen Unterschied jedoch sehr wohl, denn es sind für mich unterschiedliche Bereiche.

Unter hochsensibel verstehe ich das intensivere Wahrnehmen von sensorischen Reizen wie: Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Tasten. So nimmt ein hochsensibler Mensch z.B. Lautstärken, die für normalfühlende als nicht störend empfunden werden, als belastenden Lärm auf. Dies kann auf Dauer sehr anstrengend werden. Dazu gleich noch mehr.

Hochsensitiv sind Menschen, die Gefühle, Stimmungen, Vorahnungen oder Erinnerungen sehr genau spüren können. Man könnte dies auch als eine Art sechsten Sinn beschreiben. Sie nehmen nicht nur ihre eigenen Emotionen und Stimmungen intensiver wahr sondern spüren diese auch bei anderen oft sehr genau. Dies macht sie zu sehr empathischen und mitfühlenden Menschen. Auch sind sie oft sehr intuitiv und spüren Dinge schon bevor sie eintreten. Darüber hinaus haben hochsensitive Menschen oft einen guten Zugang zur Spiritualität.

Herausforderung und Gabe:

Gerade in unserer hektischen, lauten Welt ist es nicht immer einfach mit diesem Wesenszug umzugehen. Zu viele Sinneseindrücke, die auf uns einströmen, zu wenig Zeit zum Verarbeiten und  zu hoher Leistungsdruck, unter dem wir stehen. Dies kann feinfühlende Menschen schnell an ihre Grenzen bringen und zu Überforderung führen, da es schwierig für sie ist ihre dringend benötigten Ruhepausen einzufordern, um die vielen Reize zu verarbeiten.

 

Wie schon erwähnt, leben wir hier in einer Leistungsgesellschaft, in der Durchsetzungsvermögen und Härte als Stärke gesehen werden. Vor allem bei Männern wird eine hohe Sensibilität oft belächelt. Dies wiederum führt dann oft dazu, dass die Betreffenden sich versuchen anzupassen und ihren wahren Wesenszug unterdrücken, was auf Dauer zu psychischen und psychosomatischen Problemen führen kann. Auch ich hatte früher mit meiner Art zu sein immer wieder große Probleme denn ich hatte oft das Gefühl, ganz anders zu sein und nicht richtig angenommen zu werden und eckte immer wieder an.

Aber irgendwann erkannte ich, dass nicht ich das Problem bin, sondern die Gesellschaft und das System. Nicht wir sind diejenigen, die sich ständig anpassen müssen, sondern die Gesellschaft sollte lernen, wie wertvoll Menschen wie wir sind.  Vor allem, wenn man bedenkt, dass viele wichtige Persönlichkeiten hochsensibel waren, vor allem waren es Wissenschaftler, Denker, Künstler, Musiker, politische Berater, Schriftsteller. Hochsensible verfügen über eine Menge wundervoller Eigenschaften, die sie zu wertvollen und liebenswerten Menschen machen.

Mögliche Eigenschaften von Hochsensiblen:

Ganz klar ist, dass kein Mensch wie ein anderer ist. Wir alle sind Individuen, und haben Stärken und Schwächen. Aber gerade durch die Art, wie wir Feinfühler die Welt wahrnehmen, ergeben sich einige Eigenschaften, die recht typisch für uns sind. Nicht alles trifft auf jeden zu aber manches lässt sich doch immer wieder erkennen.

 

 

  1. sehr empathisch:  können sich sehr gut in andere hinein versetzten.
  2. gefühlvoll: nehmen eigene Emotionen, und die von anderen oft sehr viel stärker wahr.
  3. kreativ: verfügen oft über viel Phantasie und bringen diese auch zum Ausdruck.
  4. Hinterfragen viel: wollen alles genau wissen und stellen sich und anderen oft sehr tiefgründige philosophische Fragen.
  5. Intuitiv: Hochsensible fühlen oft Dinge bevor sie passieren oder ausgesprochen werden und können zwischen den Zeilen lesen.
  6. reagieren sehr emotional: teilweise ist dies durch starken Ausdruck nach außen sichtbar, es kann aber auch eine eher nach innen gerichtete starke Reaktion sein.
  7. neigen zu Perfektionismus: Hochsensible haben meistens einen sehr hohen Anspruch an sich selbst.
  8. Kritik wird oft schlecht ertragen
  9. ermüden schnell: da aus der Umwelt mehr Reize intensiver wahrgenommen werden, brauchen Hochsensible mehr Zeit und Energie, um diese zu verarbeiten
  10. Der Gerechtigkeitssinn ist oft sehr stark ausgeprägt: Ungerechtigkeiten können nur schwer ertragen werden.
  11. wollen alles verstehen und fragen nach dem Wieso und Warum.
  12. zuverlässig und gewissenhaft
  13. häufig starker Hang zur Spiritualität
  14. schreckhaft und geräuschempfindlich
  15. brauchen viel Zeit für sich: vor allem um Reize zu verarbeiten und innere Ruhe zu finden
  16. Entscheidungen treffen fällt schwer
  17. neigen zu Grübeleien
  18. starker Hang zur Harmonie: Spannungen sind nur schwer auszuhalten
  19. teilweise auch stärker schmerzempfindlich
  20. geschmacksempfindlich
  21. Hunger und Durst wird als sehr unangenehm wahrgenommen

Natürlich ist das Thema Hochsensibilität ein sehr sehr weites Thema und umfasst so viele Bereiche und Aspekte, die ich hier nicht alle auf einmal ausführen kann. Dies ist nur eine kleine grobe Zusammenfassung, damit Du dir etwa darunter vorstellen kannst. In meinen Blogs und Vlogs erfährst Du noch weitaus mehr über dieses Thema.

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