Hochsensibilität und sensorische Integration- so hängt das zusammen

Dies geschieht sowohl während der Schwangerschaft als auch nach der Geburt. Das Gehirn muss unter ständig wechselnden Bedingungen sensorische Informationen auswählen, vergleichen, und verknüpfen bzw. die Aufnahme verstärken oder vermindern.

Gibt es hier Störungen kann das Auswirkungen auf den gesamten Organismus als auch auf die Psyche haben.

 

Was hat das nun mit Hochsensibilität zu tun?

Einige der Folgen können sich ähnlich zeigen, wie bestimmte Eigenschaften/ Eigenarten von hochsensiblen Menschen.

Es gibt verschiedene Bereiche, bei denen Störungen und dazu typische Auswirkungen auftreten können. Natürlich ist  jeder Mensch auch ein Individuum, und so können sich die Folgen ganz unterschiedlich zeigen und es muss nicht alles, was hier aufgeführt ist zutreffen. Dies soll lediglich zur Orientierung dienen. Wenn ein verdacht besteht, sollte sowieso ein Fachmann/ Fachfrau aufgesucht werden.

 

Störungsbilder:

meist ist es eine Kombination aus mehreren Störungsbildern.

  • Störung der visuellen Wahrnehmung, Hör-Sprachprobleme
  • Störungen der Verarbeitung von Sinnesreizen (auch Autismus)
  • Störungen des vestibulären Systems (Gleichgewicht)
  • Störung der propriozeptiven Wahrnehmung (Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum und der Lage einzelner Körperteile zueinander.
  • Taktile Abwehr (Tendenz negativ und emotional auf Berührung zu reagieren, wie Rückzug, Aggression, Vermeidung oder Flucht)
  • Entwicklungsbedingte Dyspraxie (Handlungen und Bewegungen können nicht richtig ausgeführt werden)

Auswirkungen:

Störungen der taktilen Wahrnehmung:

  • Abwehrverhalten und Flucht bei Annäherung
  • verbale Abwehr
  • spontane Wutausbrüche ohne erkennbaren Anlass
  • ängstliches Verhalten
  • Kuscheln wird als unangenehm empfunden
  • Überempfindlichkeit bei bestimmten Materialien (z.B. Fingerfarbe)
  • Panikatacken bei Veränderung von gewohnten Strukturen
  • Überreaktion auf akustische Reize
  • Ablehnung bestimmter Speisen (wegen Konsistenz und Geruch)

Diese Kinder brauchen viel Berührungen, um sie als gut zu integrieren. Natürlich immer nur in der Intensität, wie das Kind es zulässt. (Malen mit Fingerfarben, Pappmaché, Bälle- Bohnenbad, Igelbälle, Cremen etc)

 

Störung der propriozeptiven Wahrnehmung:

  • Informationen über Spannung und Lageveränderung sind ungenau: schlechte Eigenwahrnehmung
  • kein differenziertes Körpergefühl
  • einzelne Körperteile können im Schema ganz fehlen.
  • das Lernen von komplexen Bewegungsabläufen ist erschwert
  • gezielte Bewegungsabläufe und Kraftdosierung sind beeinträchtigt
  • häufiges Anstoßen anderer Kinder
  • verlaufen sich oft
  • Ordnung halten fällt schwer
  • schweres Erlernen von Buchstaben
  • Begrenzungslinien beim Malen werden nicht eingehalten
  • langsames oft ineffektives Arbeiten

Diese Kinder brauchen Aktivitäten mit starkem Druck auf Muskeln und Gelenke (Klettern, Bällebad, Hampelmann etc.)

 

Störungen im vestibulären Bereich:

Bei Überempfindlichkeit vermeiden Kinder vestibuläre Anforderungen:

  • oft mit taktiler Überempfindlichkeit
  • vermeiden Schaukeln, Klettern, Balancieren, Spielplätze
  • Schwindel, Übelkeit bei Drehung
  • heftige Reaktionen bei Anstoßen
  • Neigung zu Selbstunterforderung
  • Mädchen weinen oft, Jungs sind eher Kasper (überspielen)
  • Zehenspitzengang (Tonuserhöhung), Ruderbewegungen der Arme

Bei Unterempfindlichkeit:

  • hohes Bewegungsbedürfnis, Hyperaktivität
  • suchen nach Reizen, probieren alles aus ohne Angst
  • trotzdem Probleme bei Bewegungskoordination
  • ständiges Anstoßen anderer Kinder
  • stürmisches Temperament
  • Schrift oft ausfahrend und wenig Druck
  • Kraftdosierung in Händen zu fest oder zu locker

Hier braucht das Kind viel Input für das Gleichgewicht (Pezziball, Hängematte, Trampolin, Schaukeln etc.)

Allgemeine Anzeichen für sensorische Integrationsstörungen:

Säuglings- und Kleinkindalter:

  • Hyper- oder Hypoaktivität
  • motorische Entwicklungsverzögerung
  • asymmetrische Körperhaltung
  • Abwehr auf Schmusen und Berührungen
  • außergewöhnlich starke Schlafstörungen
  • Saug-, Schluck-, Trink-, Essprobleme
  • Atypische Reaktionen auf ungefährliche Reize, sehr schreckhaft

Vorschul- und Schulalter:

  • motorische Entwicklungsverzögerung
  • Ungeschicklichkeit
  • Verhaltensauffälligkeiten: Aggression, Regression
  • schwache Haltung
  • nächtliches Einnässen
  • Angstzustände
  • Geringe Merkfähigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Lern- und Leistungsstörungen
  • Verzögerte Sprachentwicklung

Die Folgen können sich auch wieder ganz unterschiedlich auswirken. Jedoch ist hier deutlich erkennbar, dass diese sehr tiefgreifend sein können. Leider werden sie trotzdem oft gar nicht mit einer sensorischen Integrationsstörung in Zusammenhang gebracht. Deswegen werden diese oft nur schwer erkannt.  

 

Primäre Folgen:

  • Überreaktion auf Sinnesreize: Hyperaktivität, unangepasste Verhaltensmuster, Schusseligkeit, überlaute oder sehr leise Sprache. Kind gilt als vorlaut, aggressiv, nervös, scheint ständig im Mittelpunkt stehen zu wollen, streitsüchtig und uneinsichtig (häufige Verwechslung mit ADHS)
  • Ignoranz ankommender Reize: wirkt nach außen als Desinteresse. Kind wird als unaufmerksam, verträumt, leicht ablenkbar, faul, unmotiviert eingestuft (häufige Verwechslung mit ADS)
  • Störungen der Wahrnehmungsverarbeitung behindern das Lernen von Lesen und Schreiben (Legastenie, Dyskalkulie)
  • Mangelnde Körperbeherrschung lässt Berührungen fester als notwendig ausfallen, Kind gilt als grob und unsensibel.
  • durch schlechten Tonus: Auswirkungen auf Sprachentwicklung.

 

Sekundäre Folgen:

  • tägliche Misserfolge und negative Rückmeldungen führen zu schlechtem Selbstwertgefühl und mangelndem Selbstbewusstsein.
  • Nachlassende Neugier, da sowieso nichts gelingt. Kind scheint sich für nichts dauerhaft zu interessieren.
  • Mangelnde Grob- und Feinmotorik, sowie geringe Merkfähigkeit erschweren die Umsetzung von Arbeitsaufträgen.
  • Da Wahrnehmungssinne nicht richtig zusammenarbeiten ist das Erlernen von Handlungsplanung erschwert.
  • Das Wissen um eigene Mängel führen zu Kompensations- und Vermeidungstechniken bis hin zu Verhaltensauffälligkeiten.
  • Seltsames Verhalten führt zu sozialem Rückzug und Ausgrenzung.
  • Kinder ziehen sich zurück, erhöhen TV- Und Computer-Konsum und verschlechtern somit sensorische Integration weiterhin.

 

Ursachen für Wahrnehmungsstörungen:

  • Sauerstoffmangel während und nach der Geburt: Komplikationen während der Schwangerschaft, lange, komplizierte Geburt (z.B. Nabelschnurumschlingung des Halses), Krankheiten des Kindes wie Fieberkrämpfe oder Pseudokruppanfälle in den ersten Lebensjahren.
  • Frühgeburt: Kinder kommen mit einem unvollständig ausgereiften Organismus (Gehirn, Lunge) auf die Welt. Während der Nachreifung außerhalb des Mutterleibes bekommen die Babys unnatürliche und viel zu wenig Reizangebote.
  • Infektionskrankheiten der Mutter während der Schwangerschaft: Das Gehirn des Fötus kann durch Infektionen wie z.B. Röteln geschädigt werden.
  • Alkohol-, Nikotin-, Medikamenten- oder Drogenkonsum der Mutter während der Schwangerschaft: Dies kann zu Untergewicht bei der Geburt und zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit führen, was die Entwicklungsmöglichkeiten herabsetzt.

 

Negative Einflüsse im Alltag:

  • Reizüberflutung führt zur Abstumpfung der Sinne (besonders akustisch und visuell) durch Anhebung der Reizschwelle
  • Hoher TV- und Computerkonsum führen zu Bewegungsarmut, schlechtem körperlichen Zustand und Übergewicht.
  • Zu viel Fernsehen, PC-Spiele, angeleitetes Spiel oder durchorganisierte Freizeitgestaltung vermindert die Entwicklung von Kreativität, Fantasie, Durchhaltevermögen, Körperbeherrschung und Neugier.
  • Hoher Leistungsdruck führt zu Angstzuständen, was fehlerhafte Wahrnehmung und schlechter Konzentration führt.
  • Kindern werden Aufgaben zu schnell abgenommen (Anziehen, Kochen, Basteln)
  • technisches Spielzeug, vorgefertigtes Bastelmaterial führt zu Veränderung im Spielverhalten.

 

Therapie:

Die SI Therapie nach Jean Ayres wird hauptsächlich bei Kindern angewendet aber mittlerweile auch bei psychisch erkrankten Erwachsenen mit Wahrnehmungsstörungen (z.B. Schizophrenie).

Dabei geht es erst einmal darum, heraus zu finden, in welchen  Bereichen eine Störung vorliegt, dann wird genau da angesetzt und gezielt Reize gegeben, immer in einer Intensität, wie das Kind es gut aushalten kann. So hat das Gehirn die Möglichkeit, die Reize zu integrieren und so sicherer im Umgang damit zu werden. Dies geschieht spielerisch mit vielen verschiedenen Medien wir Trampolin, Rollbretter, Hängematte, Pezzibällen, Sprossenwände, Bällebad, Fingerfarbe,

Das Ziel ist die Verbesserung von Hand- Augenkoordination, Bewegungskoordination, Selbstwahrnehmung und Sprache und Kommunikation.

Besonders in der Ergotherapie wird diese Therapieform durchgeführt aber auch in der Physiotherapie wird dies angewendet. Bei konsequenter Teilnahme an der Therapie sind die Chancen auf eine Verbesserung bzw. Rückgang der Symptome sehr gut. 

 

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