8 praktische Tipps, die deinem hochsensiblen Kindaus einer plötzlichen Krise helfen

Alle Eltern hochsensibler Kinder kennen wohl Situationen, in denen ihr Kind von außen betrachtet völlig unverständlich und übertrieben reagiert. Das Kind verfällt in einen plötzlichen Wutanfall, wird immer ruhiger, zieht sich komplett zurück oder wird aggressiv.
Dies kann in den unmöglichsten Situationen passieren und macht oft ratlos, wenn man die Hintergründe nicht versteht. Wir als Eltern müssen dann versuchen, zu verstehen, was dem vorausgegangen ist, denn meistens resultiert ein solches Verhalten aus einer Überreizung. Je nach Alter des Kindes, kann es oft sehr gut erklären, was zu dieser Situation geführt hat. Allerdings nicht in dem stark emotionalen Zustand. Das heißt, das Kind, braucht erst einen gewissen Abstand hierzu.
Also ist das Wichtigste in einer solchen Situation, schnelle Hilfe anzubieten, damit das Kind die Möglichkeit bekommt, sich zu beruhigen und Ruhe für seine überreizten Emotionen zu finden.
Hier gibt es ein paar praktische Tipps, die ich Euch gerne an die Hand geben möchte:

1. Signale rechtzeitig erkennen

 

 

am allerbesten, wäre es natürlich, wenn man die Signale, die das Kind bei einer drohenden Überreizung sendet
schon erkennt, bevor das Kind von seinen Emotionen überwältigt wird.

 

 

Dies kann sich durch verschiedene Anzeichen ankündigen:

  • das Kind wird immer stiller, zieht sich zururück
  • es kann sich schlecht beherrschen wird motorisch unruhig
  • es wird laut und aufbrausend
  • es wird extrem anhänglich
  • es wird verbal ausfällig

2. Körperkontakt und Zuwendung

Dies geht natürlich nur, wenn es das Kind zulässt, was bei jedem Kind anders sein kann aber auch von Situation zu Situation variiert. Wenn ein Kind es zulässt, kann es sehr beruhigend wirken und Sicherheit geben. Lehnt das Kind es aber ab, so sollte dies unbedingt respektiert werden. Dies hat nichts mit persönlicher Ablehnung zu tun, das Kind kann nur in dieser Überreizung nicht noch mehr Reize ertragen. Gib deinem Kind aber auf jeden Fall zu verstehen, dass Du es wahrgenommen hast und für es da bist, wenn es dich braucht. So kann es dann selbst entscheiden, wie viel Nähe es von dir möchte.

 

3. Das Kind aus der Situation herausnehmen

dies kann sowohl vor der während einer emotionalen Eskalation hilfreich sein. Ist das Kind beispielsweise auf
einer Familienfeier überfordert von den vielen Menschen und der ungewohnten Situation, hilft es, mit dem
Kind in einen ruhigen Raum oder vor die Tür zu gehen um es vor Reizen zu schützen. Als besonders wirksam
empfinde ich immer einen kurzen Spaziergang in der Natur, sofern dies möglich ist. Hier findet man besonders
viel Ruhe.

 

4. vertraute Gegenstände

es kann helfen, vertraute Dinge dabei zu haben, wie z.B. Spielsachen oder eine Kuscheldecke, Nahrungsmittel.
Diese können dem Kind angeboten werden und Sicherheit geben. Wir haben beispielsweise immer einen Rucksack mit
Kilians Lieblingsspielsachen dabei. Merke ich, dass ihm eine Situation z.B. mit anderen Kindern zu viel wird,
geb ich ihm etwas, mit dem er sich allein beschäftigen kann, damit er etwas zu sich kommen kann und Ruhe
findet.

5. Ruhe bewahren
ganz wichtig ist, dass Du als Elternteil selbst ruhig bleibst. Dein Gefühlszustand überträgt sich ganz schnell auf dein Kind und kann die Situation dementsprechend beeinflussen. Versuch deinem Kind mit deiner eigenen Ruhe Sicherheit zu geben. Vermeide auf jeden Fall Bestrafung oder Anschreien. Dies stresst dein Kind nur noch mehr und hilft somit keinem.

6. Entscheidungen abnehmen
hochsensiblen Kindern fallen Entscheidungen prinzipiell schon schwer, ist es dann schon überreizt, kann es sein, dass es völlig überfordert ist, in dieser Situation auch noch eine Entscheidung zu treffen. Nimm dies dem Kind in dieser Situation ab, aber nur in Überreizungssituationen, ansonsten sollten auch hochsensible Kinder lernen, eigene Entscheidungen zu treffen. Frag dein Kind beispielsweise nicht, ob es noch bleiben oder lieber gehen möchte, wenn Du merkst, dass es schon emotional extrem angespannt ist. Dann entscheide lieber Du, und gehen zusammen mit dem Kind aus der Situation, wenn Du dies für die richtige Wahl hältst.

7. Sprich mit deinem Kind

hierzu musst Du sehr feinfühlig herangehen, Je nachdem, wie überfordert das Kind schon ist, kann es Sinn
machen, mit dem Kind vor oder nach der Krise zu sprechen. Ist es noch zugänglich, kannst Du versuchen, mit ihm zu sprechen, um herauszufinden, was momentan die Überforderung verursacht und ob das Kind Wünsche hat, wie Du ihm helfen könntest. Ist es bereits in der Krise, ist es meistens kaum mehr möglich mit dem Kind zu sprechen, dann nimm es heraus aus der Situation und sprich mit ihm, sobald es sich beruhigt hat. Wenn Du die Situation besser verstehen kannst, lässt sich die Überforderung vielleicht beim nächsten Mal eher vermeiden.

8. Informiere die Leute, die involviert sind
Außenstehende können das Verhalten eines hochsensiblen Kindes oft nicht verstehen und versuchen, das Kind auf ihre Weise zu beruhigen oder zu ermutigen, was das Kind oft zusätzlich stresst. Wenn die Leute aber mehr Bescheid wissen, so können sie auch dementsprechend darauf eingehen. Ich war z.B. mit Kilian auch schon auf Kindergeburtstagen, bei den Spielen wollte er nicht mitmachen, es waren ihm zu viele Kinder. Die Mutter, die die Spiele anleitete war sich dann unsicher und hat versucht ihn immer wieder zu animieren, mit zu machen. Nachdem ich ihr erklärt hatte, dass es ihm zu viel Kinder wären  und er überfordert sei und er lieber nur zuschauen würde, konnte er sich zurück ziehen und von außen beobachten, was für ihn dann okay  war und somit war die Situation war gerettet.

Dies macht deutlich, dass es vor allem auch in ungewohnten und neuen Situationen wichtig ist, achtsam mit einem hochsensiblen Kind umzugehen. Auch wenn die Eskalation nicht im Vorfeld vermieden werden konnte, gibt es Strategien, um seinem Kind aus einer solchen Situation heraus zu helfen. Schnelles einfühlsames Verhalten ist dann gefragt.
Versucht einfach gemeinsam herauszufinden, was am besten hilft, dann werdet ihr schnell merken, dass solche Situationen nur halb so schlimm sein müssen.

Austausch und Informationen hierzu und zu vielen weiteren Themen rund um hochsensible Familien findest Du in meiner neuen Facebook-Gruppe: Hochsensibel und löwenstark  und auf meiner Facebook Seite . Ich freu mich schon, dich hier zu begrüßen.

1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Cécile am 28. Juli 2018 um 22:16

    Hallo Svenja, vielen Dank für den tollen und hilfsreichen Blog, da fühlt man sich direkt weniger allein! Hier eine weitere Idee: Wenn es um uns herum zu viel wird, gerade auf einer Familienfeier oder irgendwo, wo man wenig Rückzugsmöglichkeiten hat, gehen wir zur Toilette…. und bleiben dort eine Weile, bis es uns besser geht. Meistens ist es dort akustisch ruhiger, es sind wenige Menschen, und oft ist die Luft kühler als im überfüllten Raum nebenan…. Das war schon meine Strategie als Kind, und ist auch die meiner Tochter geworden! Dir noch einen schönen Tag! Liebe Grüße

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