Wie das Reisen mit einem hochsensiblen Kind gut funktioniert

Die richtige Einstellung:

Es fängt alles bei uns im Kopf an. Ja, in unserem Kopf und nicht bei meinem Kind. Klingt ganz schön einfach, kann es auch sein, aber dafür müssen wir uns über ein paar Sachen klar werden und uns über unser eigenes Verhalten Gedanken machen. Wir kennen alle Situationen, in denen unsere Kinder überfordert sind, sich zurückziehen oder in den undenkbarsten Situationen mit einem Wutanfall oder Emotionsausbruch reagieren. Das macht uns natürlich selbst Angst vor neuen Situationen, weil wir unsicher sind, was wir unseren Kindern zumuten können und ständig im Kopf haben, es könnte wieder passieren.

Dazu müssen wir uns bewusst machen, wie es zu solchen Situationen kommen kann.
Ganz klar ist, dass die Kinder es nicht absichtlich machen sondern ein solches Verhalten fast immer aus einer Überforderungs- bzw. Überreizungssituation entsteht.
Diese können vor allem im stressigen Alltag des öfteren vorkommen.

Es gibt Dinge, die wir erledigen sollen, Termine, die eingehalten werden müssen und oft haben wir nicht genug Zeit für uns selbst gut zu sorgen oder um das Kind voll und ganz wahr zu nehmen.
So kann es sein, dass unser Kind uns schon sehr genaue Zeichen gibt, dass ihm etwas zu viel wird, dass es eine Ruhepause bräuchte, um Wahrgenommenes verarbeiten zu können, aber entweder sind wir selbst zu beschäftigt und nehmen diese Zeichen nicht wirklich wahr oder es ist im Tagesablauf kaum machbar, ein Ruhephase einzuplanen.

Um auf ein hochsensibles Kind richtig eingehen zu können,brauchen wir viel Einfühlungsvermögen und eine genaue Beobachtungsgabe, denn wenn wir unser Kind richtig wahrnehmen, können wir genau erkennen, was unser Kind zum richtigen Zeitpunkt braucht. Und wenn ein Kind spürt, dass es sich darauf verlassen kann, dass Mama und Papa immer dafür sorgen, dass es wahrgenommen wird und in seinen Bedürfnissen unterstützt wird, wird es automatisch sicherer. Einfühlen und Hinspüren gelingt uns selbst auch besser, wenn wir entspannt sind, dies sind wir im Urlaub meistens mehr. Deswegen fällt es uns da auch leichter, auf die Bedürfnisse unserer Kinder einzugehen, da wir auch mehr Zeit dafür haben.

Sicherheit auch ohne festen Tagesablauf:

Ich möchte hier nicht abstreiten, dass es für einige, Kinder wie auch Eltern, sicherlich gut sein kann, eine feste Tagesstruktur und Rituale zu haben, vor allem im stressigen Alltag kann das eine gute Möglichkeit sein, Sicherheit zu geben. Aber ich möchte auch zeigen, dass es nicht nur das ist, was unseren Kindern Vertrauen gibt. Kinder wollen vor allem in ihren Bedürfnissen wahr genommen werden um sich sicher und angenommen zu fühlen.Wir haben für uns festgestellt, dass dies für uns am besten möglich ist, wenn wir auf Reisen sind und Zeit für die Familie haben.

 

Wir sind keine Pauschalreiser, die jeden Tag im selben Hotel sitzen und bei denen jeder Tag gleich abläuft. Nein, wir reisen sehr individuell und meistens ist jeder Tag anders. Aber so haben wir auch die Möglichkeit, intensiv auf unser Kind einzugehen, es wahrzunehmen und den Tagesablauf dementsprechend zu planen. Gerade im Urlaub können wir sehr flexibel handeln und wir haben festgestellt, dass es genau das ist, was für unser Kind wichtig ist und Sicherheit gibt.
Es entsteht so gut wie keine Überforderung, denn wir haben immer die Möglichkeit unserem Kind und auch uns die nötigen Ruhephasen einzuräumen, Erlebtes zu verarbeiten und Bedürfnissen Raum zu geben.

 

Erleben wir an einem Tag sehr viel und hat das Kind viele Reize zu verarbeiten, können wir den nächsten Tag ruhiger gestalten. Merken wir, dass ein Ortswechsel für das Kind anstrengend war, bleiben wir diesmal einfach länger an einem Ort, damit das Kind die Möglichkeit hat, sich in Ruhe an alles zu gewöhnen.

Und ja natürlich sind uns gewisse Rituale dabei trotzdem wichtig. Und die meisten davon sind auch sehr einfach auf Reisen umzusetzen. So gehört die allabendliche Kuschel- und Vorlesestunde unbedingt für uns alle zum Tagesausklang dazu, auch ein gemeinsames Frühstück und die gemeinsame Tagesplanung sind fester Bestandteil unseres Tages.

Dies kann man wahrlich überall sehr einfach umsetzen.
Alternativ zu unserer Form des Reisens, können auch Reisen mit dem Wohnmobil sehr angenehm sein. Denn hier ist die gewohnte Umgebung quasi immer mit dabei.
Ich denke, die richtige Form des Reisens, muss jede Familie für sich herausfinden.
Das Wichtige ist nur: TUT ES! Traut Euch!

Unsere 10 praktischen Tipps für ein entspanntes Reisen:

1. langsam reisen, um Erlebtes verarbeiten zu können und sich an die neue Umgebung zu gewöhnen.

2. Flexibel planen, um auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen.

 

 

3. Genau auf die Zeichen deines Kindes achten: wenn Kinder sich nicht verbal ausdrücken, zeigen sie uns ihre Bedürfnisse über ihr Verhalten.

4. genug Ruhepausen einplanen.

5. Auf die Wünsche des Kindes eingehen, denn jeder noch so gut gemeinte Plan kann ins genaue Gegenteil umschlagen, wenn das Kind sich nicht bereit dazu fühlt.

6. In Überforderungssituationen schnelle Hilfe anbieten: z.B. einen ruhigen Platz aufsuchen, Unternehmung abbrechen und zurück ins Hotel etc.

 

7. Große Menschenansammlungen und laute Orte meiden, wie z.B. Großstädte, Touristenattraktionen mit viel Betrieb

8. Selbst ruhig bleiben, gerade hochsensible Kinder spüren unsere Stimmungen und Emotionen besonders stark und diese übertragen sich dann all zu leicht auf unsere Kinder.

9. immer etwas zu Essen und zu Trinken dabei haben, hochsensible Menschen reagieren oft sehr heftig auf Hunger und Durst.

10. Auch für sich selbst sorgen: entspannte Eltern können besser auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen.

 

Vertrauen in uns selbst:

Also macht euch bewusst, dass Kinder nicht immer in allen Situationen das gleiche brauchen. Sie müssen nicht in Watte gepackt werden, sondern viel mehr in ihren Bedürfnissen und ihrem ganzen Wesen wahrgenommen werden. Wir müssen Vertrauen an uns haben, dass wir als Eltern die besten Antennen dafür haben und liebevoll darauf eingehen und reagieren können. Das macht uns und unsere Kinder sicherer und stärker und eröffnet uns viele neue Wege. Denn die Erlebnisse, die wir als Familie beim Reisen sammeln können, sind wirklich unbezahlbar und machen uns und unsere Kinder stark und selbstbewusst.

Austausch und Informationen hierzu und zu vielen weiteren Themen rund um hochsensible Familien findest Du in meiner neuen Facebook-Gruppe: Hochsensibel und löwenstark  und auf meiner Facebook Seite . Ich freu mich schon, dich hier zu begrüßen.

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