Hochsensibilität und Autismus- gibt es Zusammenhänge?

Sicherlich ist es auch möglich, dass ein Kind hochsensible und autistisch ist, jedoch ist es auch wichtig, hier den Unterschied zu kennen, denn es sind nun mal zwei ganz unterschiedliche Dinge, mit denen auch unterschiedlich umgegangen werden muss. Hochsensibilität ist ein Wesenszug, der nicht diagnostiziert oder therapiert werden kann oder muss. Asperger Autismus ist jedoch ein, nach dem ICD 10 anerkanntes Störungsbild des Autismus-Spektrum.

 

Einen Selbsttest findest Du hier

 

Was ist Autismus eigentlich?

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die als Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert wird. Es zeigt sich in den ersten 2-3 Lebensjahren in 3 verschiedenen Bereichen:

  1. Probleme im sozialen Umgang (z.B. beim Aufbau von zwischenmenschlichen Beziehungen)
  2. Auffälligkeiten bei der Kommunikation (sprachliche und nichtsprachliche Verständigung)
  3. Eingeschränktes Interesse mit stereotypen, sich wiederholenden Verhaltensweisen

Dabei werden 3 Typen unterschieden. Der infantile Autismus (Kanner Syndrom) und das Rett Syndrom (degenerative Erkrankung mit Autismus) sind schwerwiegende Erkrankungen, die ein normales Leben kaum möglich machen.

Hier soll es deswegen auch nur um die dritte Untergruppe gehen, und zwar den Asperger Autismus. Der hat bei weitem keine so extremen Auswirkungen wie die anderen beiden Typen.

Der Asperger Autismus zeichnet sich durch gestörter Beziehungsfähigkeit, Spezialinteressen und stereotype Aktivitäten aus. Sprachfähigkeit und Intelligenz sind im Gegensatz zu den anderen Formen erhalten bzw. besonders stark ausgebildet.  

 

Symptome

  • altersgemäße Beziehungen können kaum aufgebaut werden
  • Schwierigkeiten beim Deuten von Emotionen Anderer
  • stereotype Verhaltensmuster (Schnipsen, Händedrehen)
  • spontanes Interesse oder Erfahrungen werden nicht mit anderen Geteilt
  • soziale Beeinträchtigung mit extremer Egozentrik (zumindest scheint dies so, da sie ihr Innenleben oft nicht nach außen zeigen können. Sie wissen schlicht nicht, wie sie das tun können)
  • formale, pedante Sprache
  • großer Wortschatz
  • begrenzte Gestik
  • nonverbale Kommunikationsprobleme
  • unbeholfene Körpersprache
  • begrenzte Mimik
  • unangemessener Gesichtsausdruck
  • Intelligenz oft überdurchschnittlich
  • fühlen sich oft falsch auf dem Planeten
  • motorische Unbeholfenheit
  • schließen bei Tests zur neurologischen Entwicklung oft schlecht ab
  • betrifft Jungen häufiger, vier mal mehr. Zumindest ist das bei den diagnostizierten Fällen so. Man geht von einer höheren Dunkelziffer bei Mädchen aus, da sich diese eher anpassen und daher weniger auffallen.

 

Gemeinsamkeiten:

  • Beide haben einen genetischen Hintergrund. Sowohl Autismus als auch HS ist vererbbar.
  • Auffälligkeiten im Sozialverhalten, soziale Kontakte fallen schwer: Autisten zeigen nach außen wenig Interesse an zwischenmenschliches Beziehungen und wissen auch meistens nicht von allein, wie sie einen Kontakt herstellen sollten. Der innere Wunsch ist jedoch oft vorhanden. Vor allem introvertierte hochsensible Kinder tun sich schwer damit, auf andere zu zugehen, sind auch schnell überfordert bzw. überreizt und belieben deswegen gerne für sich allein.
  • keine altersgemäßen Gesprächsabläufe, bei Asperger Autisten zeigt sich oft eine hochgestochene und pedantische Sprache. Vor allem bei zusätzlicher Hochbegabung sind sie aber auch inhaltlich voraus. HS Kinder sind ihren Altersgenossen eher beim Inhalt voraus.
  • kreisende Gedanken: Wobei Autisten eher grübeln und HS Kinder von einem ins nächste kommen.
  • da beide nach außen oft sonderlich wirken, kann es bei beiden zu Schwierigkeiten mit Kontakten zu Gleichaltrigen oder auch zu Ausgrenzung kommen.
  • beide können sich beim Spielen völlig in ihre Welt vertiefen und vergessen dabei alles um sich herum.
  • In Situationen mit vielen Menschen fühlen sie sich unwohl oder meiden diese lieber komplett.
  • bildhaftes Denken
  • Blick fürs Detail
  • Überempfindlichkeit bei der taktilen Wahrnehmung
  • brauchen beide Rituale, neue Situationen fallen schwer/machen Angst
  • beide mögen keine oberflächlichen Gespräche
  • Entscheidungen treffen fällt schwer
  • starke sensorische Abneigung bei: Berührungen, bestimmten Speisen (Konsistenzen), Gerüchen, Geräuschen
  • fühlen sich oft falsch
  • oft mit Hochbegabung verbunden
  • beide nehmen sehr viele Reize aus ihrer Umwelt wahr und sind dadurch auch oft schnell abgelenkt bzw. überreizt.

Unterschiede:

  • Hochsensibilität ist ein Wesenszug und keine Krankheit. Autismus ist ein offiziell feststellbares Krankheitsbild.
  • Asperger Autisten fällt es schwer, die Gefühle so wie die Körpersprache ihres Gegenübers zu deuten. Zwischen den Zeilen zu lesen, ist ein großes Problem für sie. HS Kinder sind oft hochempathisch oder zumindest normal empathisch.
  • Ironie, bildhafte Sprache oder Metaphern verstehen Autisten nicht. Nonverbale Kommunikation ist ihnen kaum möglich. Das Erkennen von ungeschriebenen Regeln und Abläufen fällt ihnen schwer. HS Kinder haben hiermit keine Probleme.
  • Autisten haben oft Tics und zeigen stereotype Handlungen (Schnippen, Händedrehen etc.). Bei HS Kinder können Tics auch manchmal auftreten, sind dann aber oft Reaktionen auf unterdrückte Gefühle oder Dinge, die sie belasten und verschwinden meistens wieder, wenn diese gelöst wurden.
  • Autisten sind oft motorisch ungeschickt. HS Kinder sind motorisch meistens normal entwickelt.
  • Autisten haben nur wenig Interesse Vergnügen oder Interessen mit anderen zu teilen. Teilweise wissen sie aber auch einfach nicht, wie das geht oder tun es auf eine andere Art und Weise. HS Kinder teilen sich gerne mit und können Freude auch zeigen.
  • Autisten haben oft selbst wenig Mimik und können wenig bis keinen Blickkontakt halten. HS Kinder zeigen ihre Gefühle nonverbal meistens sehr deutlich.
  • Autisten reden oft über ein und das selbe Thema, das sie im Moment beschäftigt und merken nicht, wenn ihr Gegenüber kein Interesse daran hat . HS Kinder haben großes Interesse an Menschen um sich herum und sind sehr feinfühlig, wenn es darum geht, etwas mitzuteilen.
  • Autisten können ihre Gefühle nur schwer nach außen zeigen, oder machen diese auf untypische Art bemerkbar. HS Kinder haben ein sehr reiches Innenleben.
  • Autisten haben kaum Schwingungsfähigkeit. D.h. sie können Gefühle von anderen nicht  deuten oder wiedergeben. HS Kinder nehmen Emotionen und Stimmungen anderer Menschen intensiv wahr und reagieren sehr fein auf diese.
  • Autisten fällt es schwer, Absichten anderer zu erkennen. HS Kinder spüren das jedoch oft schon intuitiv.
  • HS hat keinen geschlechtsspezifischen Unterschied. Jungs wie Mädchen können diesen Wesenszug gleichermaßen haben. Autismus betrifft Jungs vier Mal mehr. Zumindest was die offiziell diagnostizierte Zahl angeht. Autistische Mädchen fallen oft weniger auf, da sie sich besser anpassen können.
  • Dies sind natürlich nur Anhaltspunkte und dienen nicht zur Diagnostik und ersetzen auch keinen Besuch bei einem Arzt. Bei Verdacht auf ein Störungsbild solltest Du in jedem Fall einen Fachmann aufsuchen.

 

Dies sind natürlich nur Anhaltspunkte und dienen nicht zur Diagnostik und ersetzen auch keinen Besuch bei einem Arzt. Bei Verdacht auf ein Störungsbild, solltest Du in jedem Fall einen Fachmann aufsuchen.

 

Mehr zu diesem und anderen Themen findest Du auch in meinem Ratgeber: hochsensibel und löwenstark

 

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