Die LoewenFamilie https://dieloewenfamilie.de Sat, 17 Feb 2018 18:30:53 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.4 https://dieloewenfamilie.de/wp-content/uploads/cropped-favicon_sample_master-32x32.png Die LoewenFamilie https://dieloewenfamilie.de 32 32 Hochsensibilität und der Moro Reflex- wie hängt das zusammen? https://dieloewenfamilie.de/745-2/ Sat, 17 Feb 2018 18:30:53 +0000 https://dieloewenfamilie.de/?p=745 Hast Du schon mal etwas von frühkindlichen Reflexen gehört?
Das sind Reflexe, die sich schon im Mutterleib bilden und für die Geburt und die ersten Lebensmonaten lebensnotwendig sind. Dann sollten sie jedoch gehemmt werden, geschieht das nicht, hat dies oft fatale Folgen.

Der Beitrag Hochsensibilität und der Moro Reflex- wie hängt das zusammen? erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
 

Es gibt einige verschiedene Reflexe wie  z. B. den ATNR (Fechterreflex), den das Baby bei der Geburt braucht, um sich durch den Geburtskanal zu bewegen, den TLR, der bei der Entwicklung des Gleichgewichts, der räumlichen, zeitlichen und visuellen Orientierung und der Körperhaltung hilft und den Moro Reflex, der dem Schutz vor Gefahren dient. Es gibt noch ein paar mehr, und alle sind für das Neugeborene und seine Entwicklung von großer Wichtigkeit, jedoch werden sie integriert bzw. gehemmt, sobald das Kind sie nicht mehr braucht. Das geschieht für gewöhnlich in den ersten Lebensmonaten. Allerdings passiert es auch, dass sie bestehen bleiben und dies kann ganz unterschiedliche Auswirkungen haben körperlich als auch psychisch.

Was hat das ganze nun mit Hochsensibilität zu tun?

Hierbei geht es vor allem um den Moro Reflex, ein Schutzreflex, der, wenn er nicht gehemmt wird, ganz ähnliche Auswirkungen haben kann, wie die Hochsensibilität allerdings auch mit Nebenerscheinungen, wie extremer Ängstlichkeit, bis hin zu Angststörung und Depression, Schreckhaftigkeit, einer starken Reizwahrnehmung und vielem mehr. Dazu später noch mehr. 

Um dies nachvollziehen zu können, muss man aber erst mal verstehen, was es mit diesem Reflex auf sich hat.

Was genau ist der Moro Reflex

Er bildet sich in der 9.- 12. Schwangerschaftswoche und soll das Kind vor potentiellen Gefahren schützen.

Du kennst es vielleicht noch von deinem Kind, in den ersten Monaten zuckte das Baby bei plötzlichen lauten Geräuschen, Erschütterung oder grellem Licht mit den ausgestreckten Ärmchen erst nach hinten, holte tief Luft und riss die Augen auf, um sich dann nach vorne zu krümmen, die Arme zu schließen und dann  laut los zu schreien. Dies ist uns von den Affen geblieben, bei denen sich das Affenbaby so an seine Mutter klammerte, um bei Gefahr schnell flüchten zu können. Dies ist ein Mechanismus, der auf Kampf oder Flucht vorbereitet und einige Reaktionen  im Körper auslöst, wie Anstieg des Blutdrucks, Puls und Atmung sowie Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Cortisol was die Sensibilität der Sinneswahrnehmung steigert.

Was passiert, wenn der Moro Reflex bestehen bleibt?

Das Institute for Neuro- Physiological- Psychology (INPP) in Chester (GB) beschäftigt sich seit den 70er Jahren mit den Zusammenhängen zwischen frühkindlichen Reflexen und der Entwicklung des zentralen Nervensystems. Diese Forschung ist also noch relativ jung und leider noch nicht überall bekannt.

Dabei geht man davon aus, dass die bleibende Reflexe bestimmte Reaktionen auslösen, die sich trotz bestehender Intelligenz nicht willentlich unterdrücken lassen.

Dies hat sowohl Auswirkungen auf die motorische wie sensorische Entwicklung als auch auf die emotionale Befindlichkeit.

Bei einem bestehendem Moro Reflex ist der Körper nun quasi ständig in Alarmbereitschaft und schüttet ständig Stresshormone aus was Einfluss auf die Sensibilität der Sinne sowie das Reaktionsvermögen hat. 

 

Mögliche Folgen:

  • Reizüberflutung: die Welt wird als zu laut, zu hell, zu aggressiv empfunden
  • Ideenreichtum: phantasievoll und kreativ
  • Durch ständige Überreizung: Neigung zu Überreaktionen
  • Neue Situationen machen Angst
  • Ständig in Habachtstellung, dadurch schnelles Ermüden und Aggressivität
  • Erhöhte Ablenkbarkeit weil alles um sie herum ungefiltert wahrgenommen wird
  • plötzlicher Heißhunger da der Glucosespiegel nicht konstant gehalten werden kann.
  • können mit Misserfolgen nicht gut umgehen
  • sind schreckhaft und ängstlich vom Gemüt
  • Schlafprobleme: kommt schlecht zur Ruhe
  • können schlecht mit Kritik umgehen
  • Können Unordnung nicht leiden: brauchen Kontrolle ihrer Umgebung
  • Entscheidungen fallen schwer
  • Schwierigkeit mit sozialen Kontakten
  • neigt eher zu emotionalen Rückzug
  • viele Selbstzweifel
  • aber auch aggressiver Typ (ständige Überreizung)
  • Selbstüberschätzung und sehr risikobereit
  • Gleichgewichtsprobleme
  • Immunschwäche und Allergien

Die Kinder leben quasi in ständiger Alarmbereitschaft und die unberechenbare Welt macht ihnen Angst, sie versuchen durch Aggression oder auch ängstlichen Rückzug ihre Umwelt zu manipulieren oder kontrollieren.

Durch die erhöhte Sensibilität, die durch die ständige Aktivierung des sympathischen Nervensystems entsteht, können sie sehr einfühlsam und phantasievoll sein, reagieren aber auf ungewohnte Situationen oder Sinneseindrücke übertrieben und unangemessen.

Dieses Verhalten hat oft Ähnlichkeit zu Hochsensibilität oder aber auch zu ADHS oder ADS. Deswegen sollte im Zweifelsfall immer eine professionelle Diagnostik stattfinden.

Diese werden von Neurophysiologen, Ergotherapeuten oder auch Physiotherapeuten durchgeführt.

Leider ist dieses Thema nicht sehr verbreitet und selbst Ärzte ziehen dies nur selten in ihre Überlegungen mit ein. Deswegen sollte bei einem Verdacht unbedingt der Arzt darauf hingewiesen werden, oder aber direkt bei einem Ergotherapeuten oder Neurophysiologen angefragt werden. Für Ergotherapie kann hierzu ein Rezept vom Kinderarzt ausgestellt werden. Neurophysiologische Behandlungen müssen leider selbst bezahlt werden.

Abgrenzung zur Hochsensibilität

Die Abgrenzung ist oft nicht leicht, denn viele Auswirkungen sind gleich, allerdings gibt es auch Unterschiede, die aber meistens nur von Fachleuten eindeutig erkannt werden können. Deswegen sollte bei einem Verdacht unbedingt professionelle Hilfe hinzu gezogen werden.

 

 

bei nicht integriertem Moro Reflex:

  • Das ängstliche bzw. aggressive Wesen steht oft sehr im Vordergrund
  • Angststörungen bzw. Depressionen sind keine Seltenheit
  • Automatisierung von Gelerntem findet nur schwer statt und Informationen können schlecht gemerkt werden
  • Schwierigkeiten Fakten und Ereignisse in Reihenfolge zu bringen
  • hat Schwierigkeiten mit Raum und Zeit, auch Uhrzeit
  • oft schlechtes Schriftbild
  • Körperkoordination ist nicht gut
  • Teilleistungsschwäche beim Lesen, Schreiben, Rechnen
  • schlechte Aussprache, monotones Sprechen, Sprachprobleme
  • sehr langsame Arbeitsweise

Dies sind jedoch nur Anhaltspunkte und dienen nicht der Diagnostik.

Ich denke, der größte Unterschied besteht auch darin, dass sich mit Hochsensibilität gut leben lässt, wenn gute Bedingungen geschaffen wurden. Bei dem nicht gehemmten Moro Reflex gibt es meistens unangenehme, störende und auch krankhafte Symptome, die dem Kind das Leben schwer machen können und deswegen unbedingt abgeklärt werden sollten.

Wieso wird der Moro Reflex manchmal nicht richtig integriert?

Manchmal kommt es vor, dass Reflexe nicht richtig gehemmt werden. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben. Manchmal geschieht das nach Problemen in der Schwangerschaft oder einer schwierigen Geburt. Oft ist es aber auch so, dass das Kind die Bewegungen, die dazu da sind, den Reflex zu hemmen, nicht richtig oder nicht oft genug durchführt, beispielsweise durch Krankheit etc.

Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten

Eben diese Bewegungen müssen dann quasi nachgeholt werden, deswegen sind die Behandlungsmethoden auf motorischer Basis. Es gibt verschiedene Konzepte wie das INPP nach Sally Goddard, Bobath, Vojta, DGNE oder auch spielerische motorische Übungen.

 

Die Diagnostik und Behandlung kann von verschiedenen Therapeuten durchgeführt werden. Dies tun Neurophysiologen, Ergotherapeuten und auch Physiotherapeuten. Wichtig dabei ist, dass die Behandlung auf einer ausführlichen Anamnese beruht. Nach dieser wird das Kind in verschiedenen Bereichen getestet und dann ein individueller Übungsplan erstellt. Bestimmte Übungen kann bzw. sollte das Kind auch zu hause durchführen. In gewissen Abständen werden die Fortschritte überprüft. Eine Behandlung kann 1-1,5 Jahre dauern, danach sollte der Reflex vollständig integriert und somit auch die unangenehmen Symptome verschwunden sein. Erste Ergebnisse kann man aber meistens schon früher beobachten.

Abschließend bleibt zu sagen:

Mit Hochsensibilität lässt sich meistens gut leben, wenn die richtigen Bedingungen geschaffen wurden und man gelernt hat, damit liebevoll und achtsam umzugehen. Wenn das Kind trotz allem im Alltag sehr leidet, sollte man in Erwägung ziehen, ob nicht doch mehr dahinter steckt, wie ein nicht gehemmter Moro Reflex oder auch ein erlebtes Trauma. Denn auch pathologische Phänomene können in manchen Fällen Ähnlichkeiten zur Hochsensibilität haben. Die Unterschiede sind jedoch oft nicht leicht zu erkennen und sollten dann von einem Fachmann abgeklärt werden. Steckt so etwas dahinter, kann dem Kind mit der richtigen Therapie gut geholfen werden.

Der Beitrag Hochsensibilität und der Moro Reflex- wie hängt das zusammen? erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Gefühlsstarke Kinder- eine Mutter berichtet https://dieloewenfamilie.de/gefuehlsstarke-kinder-eine-mutter-berichtet/ Fri, 09 Feb 2018 21:49:15 +0000 https://dieloewenfamilie.de/?p=734 Wenn wir an hochsensible Kinder denken, haben wir meistens eher zurückhaltende und introvertierte Kinder vor Augen. Das mag auch auf den Großteil der hochsensiblen Kinder zutreffen aber es gibt da auch noch die anderen, die extrovertierten, impulsiven Kinder, die aber ebenso sensibel und feinfühlig sind. Sie fallen oft durch emotionale Ausbrüche, besondere Willensstärke und nicht selten durch aufgedrehtes Verhalten auf nicht selten sind sie auch sehr gesellig. Oft werden diese Kinder eben deswegen nicht als hochsensibel erkannt oder ernst genommen, was sicher auch daran liegt, dass dieses Thema noch nicht so sehr bekannt ist und man auch in der Literatur nur wenig darüber findet.

Der Beitrag Gefühlsstarke Kinder- eine Mutter berichtet erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>

Ich bin besonders froh, dass sich eine  Mutter bereit erklärt hat, mit mir über ihre Erfahrungen mit ihrem gefühlsstarken Kind zu sprechen.
Maggie ist Mutter einer extrovertierten hochsensiblen Tochter und weiß daher ganz genau, welche Herausforderungen aber auch welche Bereicherungen ein solches Kind mit sich bringen kann. Außerdem kennt sie den Unterschied zu introvertierten hochsensiblen Kindern, denn ihre große Tochter ist eben dies.

Vielen lieben Dank liebe Maggie, dass Du Dir die Zeit genommen hast, die Fragen zu beantworten und somit einen großen Beitrag zur Aufklärung über dieses wichtige Thema leistest.

In der Literatur ist das Thema extrovertiertes hochsensibles Kind bzw. gefühlsstark ja doch auch eher ein Randthema, von daher ist sicherlich allein das Erkennen schon eine Herausforderung. Wann und wie hast Du denn herausgefunden, dass deine Tochter hochsensibel ist?

Ich kann mich nicht genau erinnern, wie ich auf das Thema Hochsensibilität gestoßen bin. Vermutlich durch einen Thread in einer Facebook-Gruppe. Das ist jetzt etwa 2 Jahre her, meine Tochter war grade 3 einhalb oder so. Irgendetwas in dem Thread hat mich animiert, den Begriff zu googlen. Ich las einige Beschreibungen und mir fiel es wie Schuppen von den Augen. DAS war es also, was meine Tochter so anders machte. Das war es, was alles kompliziert für sie (und für mich) machte!
Sie war von Anfang an anders als meine große Tochter. Ich hatte gedacht, nach dem 1. Kind weiß ich Bescheid, weiß, was das Kind will, wenn es schreit. Tja, Pustekuchen. Stillen klappte gut diesmal, Hunger war nie ein Thema, Weltschmerz hab ich auch gut erkannt, nur ihr spezielles Schlafbedürfnis, das habe ich die ersten Tage komplett falsch interpretiert. Meine Große war ein Nicht-Schläfer, sie weinte viel und litt sehr stark unter dem anfänglichen Weltschmerz (so nenne ich für mich den „Kulturschock, den Babys nach der Ankunft in unserer Welt zu verarbeiten haben), die Kleine weinte auch viel – aber alle Strategien wie rumtragen, stillen, kuscheln brachten ihr keine Linderung. Irgendwann sah ich sie an und sagte zu ihr „wenn du eh schreist, kannst du mich auch im Bett anschreien“. Kaum lagen wir, verstummte sie und schlief ein. Sie wollte schlafen. Im Bett, im Liegen! Da habe ich erkannt, dass sie ganz anders tickt als mein erstes Kind und ich ihre Art der Kommunikation komplett neu deuten muss. Mit der Zeit wurde es einfach für mich. Sie hatte von Anfang an eine sehr deutliche nonverbale Kommunikationsfähigkeit. Sie konnte sich sehr gut ausdrücken und mittteilen. Sie erschien immer sehr wach, sehr interessiert an allem.
Es war eine durchaus angenehme Babyzeit mit ihr. Sie schlief Abends schnell ein, wachte nachts aber fast jede Stunde schreiend auf. Ließ sich dann aber schnell beruhigen und schlief weiter. Da meine große Tochter schon nicht viel geschlafen hatte, war das aber kein Problem für mich. Etappenschlaf ging ganz gut.
Es veränderte sich, als sie 2 wurde. Sie entwickelte „Meinung“ und die auf sie einstürzenden Eindrücke mit der verbundenen Wahlmöglichkeit weckten eine hohe Aggression in ihr. Ich erinnere mich noch gut, wie wir eine Kurzreise nach Berlin unternommen haben, sie sich Nachts weinend im Bett aufsetzte und mir mit voller Wucht ins Gesicht schlug. Sie hatte geträumt. Ab da folgten tägliche Wutausbrüche einer Art, die sich kaum mit anderen Kindern ihres Alters vergleichen ließen. Sie schrie, sie randalierte, ihr Blick sprach von absolutem Zerstörungswillen, sie spuckte auf den Boden in höchster Wut. Diese „Anfälle“ dauerten oft eine Stunde. Irgendwann in diesen Anfällen tat sie sich beim wüten weh und der Schmerz ließ sie „erwachen“. Sie weinte, lies sich trösten und beruhigen und danach war es, als sei nie etwas gewesen.

Essen fiel ihr immer schwer. Sie mochte nur breiiges, meist nur Haferflocken mit Milch oder Joghurt. Obst mochte sie immer gern. Mit uns zusammen Essen ging selten bis nie. Mahlzeiten waren immer ein schwieriges Thema für sie.

Sie kam in der Zeit auch in die Kita, die Eingewöhnung verlief problemlos, sie machte vom ersten Tag an Mittagsschlaf und fand schnell Freunde. Sie aß sogar das komplette Mittagessen dort. In der Kita „funktionierte“ sie tadellos doch kaum betrat ich den Raum zum Abholen, fing sie an zu schreien und sich zu wehren. Sie ließ sich nicht anziehen, nicht mitnehmen und wenn ich sie dann raustrug, ohne Jacke und Schuhe, wehrte sie sich gegen das Anschnallen, sodass ich nicht nach Hause fahren konnte. Wir haben jeden Tag fast eine Stunde für einen Nachhauseweg von wenigen Minuten gebraucht. Oft habe ich ein schreiendes Kind zu Fuß hinter mir hergezogen bis nach Hause, weil ein Transport im Auto einfach nicht möglich war. Genauso verliefen die Abschiede bei Spielbesuchen. Es war ein täglicher Kampf.
Dann fand ich die Beschreibung der Hochsensibilität und ich verstand, warum sie so war nach einem Kita-Tag, warum sie ihre Socken sofort auszog wenn sich eine Gelegenheit ergab, wieso sie sich gegen Pullover wehrte und Jeans schreiend wieder auszog. Ich verstand endlich das „zu hell“-Geschrei. Ich hatte die Ursache ihrer Wut gefunden. Noch keine Lösung – aber den ursächlichen Grund für das alles.

Was würdest Du sagen, ist der größte Unterschied zu einem introvertierten hochsensiblen Kind?

Meine große Tochter ist eher introvertiert HS. Der augenscheinlichste Unterschied zwischen beiden ist die Körperlichkeit. Meine introvertierte Tochter hat sich erst nach über einem Jahr in der Kita von einer Erzieherin berühren lassen. Sie ist eher reserviert und bindet sich selten bis gar nicht an andere Menschen. Körperkontakt stellt sie eigentlich nur mit ihren Eltern her.

Die Kleine sucht ununterbrochen die Nähe anderer Menschen. Sie schläft quasi auf mir, in der Kita sitzt sie oft und gern auf dem Schoß von ihren Erziehern, sie tobt gern körperlich, macht „Kämpfchen“ und ausführliche Toberunden mit ihrem Vater, sitzt beim Essen immer direkt neben mir oder auf meinem Schoß. Schon am ersten Kitatag ist sie auf dem Arm einer Erzieherin eingeschlafen. Wenn sie jemanden mag, dann hat er einen dicken Platz in ihrem Herzen. Sie bindet sich schnell und leicht, kann aber auch mit Trennungen gut umgehen.

Die Große, introvertierte HS macht ihren Kummer mit sich selbst aus, sie zieht sich zurück, weint eher für sich alleine und redet selten bis gar nicht über ihre Sorgen.
Die Kleine, extrovertierte, lässt die ganze Welt lautstark an ihrem Schmerz teilhaben. Sie kann Ursache und Grund ihres Schmerzes gut analysieren und kommunizieren. Man kann nicht verpassen, wenn es ihr schlecht geht. Sie sucht aktiv Trost in Umarmungen.

Beide leiden unter Lärm, beide sind sehr empfindsam was den eigenen Körper angeht (beide haben oft Bauchweh oder leiden unter leichter Übelkeit). Beide reagieren stark auf Streit.

Wie ist das bei dir? Du hast ja zwei Töchter, beide sind HS auf unterschiedliche Weise. Wie gehen die Kinder untereinander damit um?

Schlimmer noch als die unterschiedlichen Temperamente ist aktuell eine Pre-Pubertät gepaart mit einer Pre-Zahnlückenpubertät. Manchmal sind sie ein Herz und eine Seele und spielen stundenlang miteinander. Manchmal kracht es ordentlich. Die Große legt jedes Wort auf die Goldwaage und ist schnell sauer, die Kleine fühlt sich abgelehnt und nicht geliebt von ihrer Schwester und reagiert aggressiv darauf. Oft komme ich mir vor wie ein Übersetzer, der dem jeweils anderen Kind das Verhalten erklärt und um Nachsicht wirbt.

Sicherlich ist es nicht immer einfach, den Alltag zusammen gut zu meistern-
Wo liegen für dich da die größten Herausforderungen?

Eigentlich sind wir über die Jahre ein gutes Team geworden. Wenns dann mal kracht, ist das Schwierigste, beiden weinenden Kindern gerecht zu werden. Beide sind sauer aufeinander, beide brauchen meinen Trost. Da mein Mann unter der Woche in einer anderen Stadt arbeitet, haben die beiden nur mich. Manchmal zerreißt es mich förmlich, die Entscheidung treffen zu müssen, wer mich jetzt mehr braucht.

Gefühlsstarke Kinder zeichnen sich ja auch besonders durch ihre emotionalen Ausbrüche aus. Hast Du besondere Strategien, wie Du damit umgehst und dein Kind begleiten kannst wenn es akut in einer emotionalen Krise steckt?

Inzwischen sind die Ausbrüche deutlich weniger geworden. In der Hoch-Zeit war das wichtigste, den eigenen Kopf zu schützen, aufzupassen, dass sie sich selbst nicht verletzten kann und abwarten. Ganz wichtig auch: nichts von dem persönlich nehmen, was das Kind in seiner Wut sagt oder tut. Wie oft mir der Tod gewünscht wurde, dass ich ausziehen soll, dass ich eine Scheiss.-Mutter bin und dass mein Kind sich lieber eine andere Mutter suchen will – hätte ich das persönlich genommen, wir wären heute nicht da wo wir sind. Danach habe ich sie immer getröstet und einfach so getan als wäre nichts vorgefallen. Nach Stunden haben wir manchmal geredet und ich habe sie gefragt, ob es etwas gibt womit ich ihr helfen kann wenn sie so wütend ist. Daraufhin haben wir einen Schnuller gekauft, ein Schnuffeltuch ausgesucht und sie hat Milch aus einer Nuckelflasche bekommen. Manchmal, wenn der Wutanfall noch nicht so weit fortgeschritten war, konnte ich sie damit dann „zurückholen“. Nicht immer – aber jedes kleine Mal wo es funktioniert hat, war es gut.

Über die Jahre hab ich ja die größten Macken ausreichend kennengelernt. Ich weiß zB dass meine Kleine weder mit uns am Mittagstisch sitzen geschweige denn auf Anhieb essen kann, was ich koche. Am Mittagstisch ist alles ekelhaft was ich gekocht habe.
Unsere Lösung ist, wir essen zuerst und ich mache einen separaten Teller für sie. Wenn das Essen vorbei ist, setze ich mich mit ihr ins Wohnzimmer und füttere sie, während sie was anderes macht. Meist isst sie dann alles, was ich gekocht habe und es schmeckt ihr auch. Wenn man das weiß, muss man kein Thema mehr draus machen und es ist normal. Ohne Druck klappt es wunderbar.

Genauso stressen sie Termine. Sie kann sich unbändig freuen auf etwas, es kaum erwarten – aber wenn der Moment dann da ist, ist die Aufregung so groß, dass sie nicht mehr teilnehmen kann. Sie schreit dann rum, versteckt sich, will sich nicht anziehen. Inzwischen haben wir so unsere Strategien… ich sage ihr erst ganz kurz vorher, was wir vorhaben. Ich lasse ihr Zeit, darüber nachzudenken, ob sie mitmachen will. Ich benenne ihre Angst und verspreche ihr, dass sie nichts machen muss, was sie nicht will. Manchmal hilft ein Stofftier, ein Schnuffeltuch oder Mamas Halskette als Glücksbringer.

Und bisher hat sie absolut alles gemacht und an allem teilgenommen. Wir haben uns einfach nie von ihrem Ausbruch ins Bockshorn jagen lassen. Die Angst hat noch nie gewonnen.

Gibt es besondere Auslöser für ein Überschäumen des Gefühlsvulkans oder kommen solche Ausbrüche manchmal aus heiterem Himmel? Hast Du das Gefühl, man kann durch geschickte Gestaltung des Alltags einiges abschwächen?

Lange Tage in der Kita, Hunger, müde. Das sind die klassischen Auslöser. Da sie aber in die Kita musste und ich nicht immer hellsehen konnte, ob sie Hunger hatte, kam es manchmal wie aus heiterem Himmel – was es in Wahrheit aber nicht war. Es gab immer Auslöser – nur konnte man die nicht ausschalten.
Ich bin aber eigentlich auch kein Fan davon, einen Alltag zu schaffen, der reizarm und nur fürs Kind ist. Ich erschaffe keine „Kinderwelt“, wir leben das Leben so, wie es ist. Und das ist nun mal so, dass es stressig sein kann, dass man mal Hunger hat und gerade kein Essen da ist und dass man in Situationen gerät, die einen Wutausbruch nach sich ziehen. Dann ist das eben so, wir haben das durchgestanden und weiter gemacht. Diese Dinge lassen sich nicht verhindern.
Aber, und daran glaube ich, je öfter man sie durchlebt, desto mehr von ihrem Schrecken verlieren sie. Ich lasse also lieber eine 3jährige wüten, als alles von ihr fern zu halten – und das Drama dann erst mit 8 durchzustehen, wo ich sie nicht mehr wegtragen oder auf dem Arm trösten kann.

Das Thema Hochsensibilität wird inzwischen doch immer bekannter. Die meisten haben dann aber doch eher die ruhigen und zurückhaltenden Kinder vor Augen. Hast Du oft das Gefühl, dass Du gar nicht richtig ernst genommen wirst bzw. dass man dir gar nicht glaubt, dass Dein Kind hochsensibel ist? Und wie gehst Du damit um?

Ich rede sehr offen über mein Kind. Ich schäme mich nicht dafür, dass sie ist, wie sie ist. Ich erzähle davon, warum und auch „wie“ sie wütend ist. Andere nehmen sie oft gar nicht so wahr. Sie ist bei anderen immer ein sehr nettes, höfliches Kind, macht keinen Unsinn und passt sich den gegebenen Regeln an. Den Ausbruch über ihre Anstrengung, dem zu folgen, bekomme ja immer nur ich ab. In der Abholsituation zeigt sie mir ihre Anspannung und andere Eltern verstehen dann nicht, was los ist -„auf einmal“. Da ich mich mit den Eltern ihrer Freunde auch gut verstehe, erkläre ich dann was da los ist und warum – und bisher hatten wir deshalb keine negativen Reaktionen.

Wie schaffst Du es für dich Kraft für den Alltag und die damit verbundenen Herausforderungen zu tanken? Hast Du Unterstützung oder auch hier besondere Strategien?


Ich genieße meine Kinder. Wir sehen uns am Tag nur morgens und nach 16 Uhr, wenn ich sie abhole. Unsere Zeit miteinander verleben wir friedlich und schön miteinander. Meine Pre-Teenagerin verbringt viel Zeit in ihrem Zimmer mit Musikhören und die Kleine spielt meist in meiner Nähe. Da ich keine „Spiele-Mutter“ bin, können sich beide selbst beschäftigen und lassen mich in Ruhe. Wir reden gern und viel miteinander und verbringen Zeit beieinander. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal „schimpfen“ musste. Ich unterlasse es, Dinge von den Kindern zu verlangen, „damit sie was lernen“ und rede auf Augenhöhe mit ihnen. Ich besitze offenbar eine natürliche Autorität, die von den Kindern anerkannt wird und wir müssen keine Machtkämpfe ausfechten. Oft sind Spiel-Verabredungen zu Gast bei uns. Unser Alltag ist dementsprechend wenig nervenaufreibend.

Hat sich im Laufe der Zeit, also mit höherem Alter, etwas beim Verhalten deines Kindes geändert? Also wird es anders bzw. leichter, wenn man auch an der Verstand des Kindes appellieren kann?

Seit dem die Kleine 5 wurde, hat es sich deutlich verbessert. Die Jahre davor habe ich schon kleine Schritte gesehen. Zum Beispiel warf sie während eines Wutanfalls nur noch mit Dingen, die nicht kaputt gehen können. Ihr Verstand bekam immer mehr Anteil an ihren Wutanfällen und konnte den „Anfall“ in Bahnen lenken, die „akzeptabler“ wurden. Sie hat aufgehört mich zu schlagen. Die Wutanfälle sind deutlich weniger geworden und begrenzen sich inzwischen auf ziemlich saftige Beschimpfungen – aber ich bin guter Dinge, dass auch das weniger werden wird. Wir reden über ihre Wut ob ich ihr helfen kann, die Wut zurück zu drängen. Aber manchmal ist ihr Körper eben wütend und ihr Kopf kann nichts tun (ihre Worte).
Hochsensibilität wird ja meistens vererbt, so ist es für die meisten Eltern Fluch und Segen zugleich, wenn sie selbst feinfühlig sind. Einerseits können sie sich gut in ihr Kind hineinversetzen andererseits ist die nervliche Belastung extrem groß. Kennst Du das aus eigener Erfahrung?
Jein. Die körperliche Feinfühlichkeit haben meine Kinder eindeutig von mir, die Neigung zu Wutausbrüchen von ihrem Vater. Da er das seit der Kindheit abgelegt hat, bin ich auch guter Dinge was unsere Tochter angeht. Ich selbst bin sehr kontrolliert und reflektiert und da mich die Wutausbrüche meines Kindes nicht triggern, kann ich ihr beistehen, ohne selbst wütend zu werden.
Ich war als Kind sehr introvertiert, mache meine Gefühle eher mit mir selbst aus und bin, wie meine Große, nicht sehr körperlich. Da ich aber eine sehr gesellige Ader habe und diese offensichtlich auch an meine Kinder weitergegeben habe, kommen wir gut miteinander klar. Auf eine seltsame Art habe ich mit meinen beiden Kindern, so unterschiedlich sie auch sind, etwas gemeinsam – sodass ich ihre Sprachen verstehe.

Hattest Du im Kindergarten bzw. Schule Probleme mit Erziehern und Lehrern? Wurde dein Kind auch schon mit verschiedenen Diagnosen belegt? Hast Du Tipps für die Kommunikation mit diesen?

Sie kam mit 2 in die Kita und damals habe ich den Erziehern versucht, zu erklären, wie sie ist. Ich sagte: „lasst euch nicht täuschen durch ihre Art. Sie ist sensibel und feinfühlig, nur – und das ist anders als bei anderen Kindern – wenn sie Stress hat, dann greift sie an. Die zieht sich nicht zurück sondern wird laut und wild und aggressiv. Die Ursache ist aber dieselbe wie bei den ruhig weinenden Kindern und sie braucht genau denselben Trost“. Gott sei Dank haben wir eine sehr bedürfnisorientierte Kita und die Erzieher haben sie immer so behandelt, wie es ihrer Art entsprach. Jeder gab ihr Nähe wenn sie sie brauchte und niemand hat sie verurteilt und bestraft, wenn sie überreizt war.

Eine Kinderärztin hat sich bei einer U-Untersuchung bemüßigt gefühlt, meinem Kind eine „auffällige sozio-emotionale Entwicklung“ zu bescheinigen. Da ich einer 5-Minuten Diagnose eher skeptisch gegenüber stehe und sich diese Aussage absolut gar nicht mit meiner Meinung deckte, war ich eigentlich nur sauer. Habe dann noch in der Kita nach deren Eindrücken gefragt und da man mir auch dort eine ganz wunderbare sozio-emotionale Entwicklung beschrieb, habe ich das als Humbug abgetan. Die „Diagnose“ entstand, weil ich meine Tochter für eine Untersuchung festhalten musste und sie nach mir schlug, um sich zu befreien.
Bei der nächsten U schrieb ein anderer Arzt „aufgewecktes Mädchen“ ins U-Heft. Da war ich dann inhaltlich einverstanden.
Wie kommt dein Kind im Kindergarten bzw, Schule klar? Wo liegen dort die größten Herausforderungen? Wie geht dein Kind damit um?
Meine große Tochter ist quasi der Traum jedes Lehrers. Sie ist leise und konzentriert um Unterricht, arbeitet (im Rahmen) mit, ist kameradschaftlich, gerechtigkeitsliebend und lernt freiwillig. Sie macht nie Unsinn und findet schnell Freunde. Sie hat durch ihre Art eine ausgleichende Wirkung auf „wildere“ Schüler und verbreitet eine beruhigende Grundstimmung. Sie ist jetzt in der 5. Klasse, kommt gut zurecht und ist sogar Klassensprecherin geworden. Mit der Schule haben wir insoweit keine Probleme. Sie leidet nur unter der allgemeinen Lautstärke oder wenn sich ihre Freundinnen streiten und sie das Gefühl hat, diesen nicht gerecht werden zu können. Dann kommt sie nach Hause und schläft erstmal. Schlaf ist bei uns die Heilung für viele Sorgen.
Die Kleine ist in der Kita zufrieden (auch wenn sie an sich lieber bei mir sein würde), sie macht mit, hält sich an Regeln, kümmert sich um Kleinere und streitet sich selten. Auch sie leidet unter der Lautstärke und unter ihrem selbstgesetzten Anspruch, alles richtig zu machen. Früher waren nach der Kita Wutausbrüche fest gesetzt, heute, mit fast 6, ist das alles kein Thema mehr. Auch sie macht noch gern einen Mittagsschlaf oder spielt erstmal alleine, um runter zu kommen. Aber an sich kommen beide Kinder gut mit den Institutionen klar.
Manchmal ist es ja auch sinnvoll Hilfe von außen anzunehmen, um dem Kind zu helfen, besser mit den eigenen Emotionen umzugehen, um das  Selbstbewusstsein zu stärken oder das Sozialverhalten zu verbessern. Hast Du schon professionelle Hilfe in Anspruch genommen? Gibt es da etwas, was hilft und was Du empfehlen kannst?
Nein, wir haben nie professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Ich habe mich bis auf wenige Ausnahmen der Sache gewachsen gefühlt und da ich immer Fortschritte sehen konnte, hatte ich keinen Bedarf an Hilfe von außen. Wenn ich mal gezweifelt habe, hab ich mir Hilfe in der Literatur gesucht. Das Buch „Aggression“ von Jesper Juul hat mir sehr geholfen, meinen Frieden mit der Aggression meiner Tochter zu machen.

Gibt es noch etwas, was Du anderen Eltern, Erziehern oder auch anderen Lesern  mitgeben möchtest?

Nur den Eltern: Ihr seid nicht Schuld! Ihr habt nichts falsch gemacht. Euer Auftrag ist nicht, die Aggression des Kindes abzustellen, sondern ihm einen Weg zu weisen, die Aggression anzunehmen und sie selbst bändigen zu können. Vielleicht sogar, dass aus der Aggression eine positive Tatkraft entsteht, die die Welt verändern kann.
Es eilt nicht! Ein Kind muss nicht mit 6 fertig sein. Nehmt euch die Zeit, geht kleine Schritte und seht die Fortschritte. Auch die kleinen.

 

Vielen lieben Dank liebe Maggie für deine Offenheit. Es ist so schön, wie liebevoll Du über deine Töchter schreibst und wie ihr euren Alltag zusammen meistert. Dies macht vielen anderen Eltern sicherlich Mut für ihren Weg!

Hier kannst Du auch noch mal mehr zum Thema extrovertiertes hochsensibles Kind lesen.

Der Beitrag Gefühlsstarke Kinder- eine Mutter berichtet erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Wie Du den Alltag mit deinem hochsensiblen Kind entschleunigen kannst und warum das so wichtig ist https://dieloewenfamilie.de/wie-du-den-alltag-mit-deinem-hochsensiblen-kind-entschleunigen-kannst-und-warum-das-so-wichtig-ist/ Sat, 03 Feb 2018 18:00:06 +0000 https://dieloewenfamilie.de/?p=659 Wer kennt es nicht? Die Tage sind vollgestopft mit Dingen, die wir erledigen müssen. Wir hasten von einem Termin zum nächsten und sind abends völlig ausgebrannt. Vor allem weil unser hochsensibles Kind da kaum mithalten kann und immer wieder in Überreizungssituationen kommt. Das bedeutet für das Kind und für uns selbst puren Stress. Deswegen ist es so wichtig, den Alltag an die Bedürfnisse aller Beteiligten anzupassen.

Der Beitrag Wie Du den Alltag mit deinem hochsensiblen Kind entschleunigen kannst und warum das so wichtig ist erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Warum Entschleunigen so wichtig ist und wie es gut gelingt:

Morgens um 6, es klingelt der Wecker. Schnell aufstehen, kurz unter die Dusche hüpfen. Danach das Kind wecken, fertig machen und hoffentlich ohne Theater zur Schule bringen.

Dann mit Höchstgeschwindigkeit zum Arbeitsplatz, denn man will ja nicht, dass der Chef  wieder Ärger macht, weil man zum dritten mal diese Woche zu spät kommt.

Nach der Arbeit wieder in Höchstgeschwindigkeit in Richtung Schule, denn das Kind soll ja nicht schon wieder als letztes abgeholt werden.

Also dann schnell heim, Mittagessen machen, kurz noch Staubsaugen, Wäsche machen und ein paar Rechnungen überweisen. Dem Kind bei den Hausaufgaben helfen. Dann muss man eigentlich schon wieder los, denn das Kind sollte zum Fußballtraining.Aber irgendwie stellt sich das Kind wieder mal an, trödelt rum, meckert und will gar nicht so richtig los. Das passt jetzt aber gar nicht in den Zeitplan, also muss Überzeugungsarbeit geleistet werden und mit einigen Diskussionen geht es dann doch weiter.

Jetzt aber schnell los gedüst, danach noch kurz einkaufen gegangen und wieder heim gefahren, um das Abendessen zu machen.  Irgendwie macht das Kind nicht so richtig mit, ist quängelig und total überdreht.

Nun ist doch noch ein bißchen Zeit zum Spielen mit dem Kind, aber das mag irgendwie gar nicht wirklich außerdem  ist auch schon wieder Zeit fürs Bettchen, also noch kurz Gutenachtgeschichte gelesen und hoffen, dass das Kind gut einschläft, nicht so wie gestern, als es völlig aufgedreht im Bett lag und einfach nicht schlafen wollte.  

Jetzt ist es 21 Uhr und Du liegst völlig fertig auf dem Sofa, willst eigentlich nur noch schlafen aber der Kopf arbeitet immer noch und Du kommst einfach nicht zur Ruhe, denn Du weißt, dass morgen wieder alles von vorne losgehen wird.

So oder so ähnlich läuft es oft im Alltag vieler von uns ab.

Es bleibt kaum Zeit, um eigene Bedürfnisse oder die des Kindes wirklich wahrzunehmen. Was für normal fühlende Menschen schon stressig ist, kann für hochsensible Menschen durchaus zu einer enormen Belastung werden. Auch mir ging es früher so, bis ich erkannte, wie wichtig ein angenehmes Tempo  für das Wohlbefinden der gesamten Familie ist. Ich fing also an, mit kleinen Schritten unseren Alltag stressfreier zu gestalten. Inzwischen profitieren wir alle davon.

Veränderung:

Aber was kann man denn tun um dies zu ändern? Veränderung fängt im Kleinen an, Schritt für Schritt. Es muss nicht immer etwas Großes sein. Kleinere Schritte und ein Umdenken lassen sich leichter umsetzen und sind genau deswegen hilfreicher für den Alltag. Hier möchte ich Dir ein paar ganz einfache praktische Tipps an die Hand geben:

 

 

Früher aufstehen:

Ein ganz einfaches Mittel, um den morgendlichen Stress zu verringern ist es, den Wecker einfach 15-20 Minuten früher zu stellen. Klingt banal, hat aber eine große Wirkung. Denn oft sind morgens auf dem Weg zur Schule und  zur Arbeit schon 5 Minuten entscheidend, ob wir in Stress kommen oder nicht. So kann man auch ruhig bleiben, wenn das Anziehen oder Zähneputzen mal wieder etwas länger dauert. 

 

 

Was ist wirklich wichtig?

Oft ist der Tag verplant mit vielen verschiedenen Terminen. Alles scheint wichtig zu sein. Da ist der Termin beim Friseur, dann muss noch schnell eine neue Hose gekauft werden und danach geht es ins Schwimmtraining. Da wird ein Tag oft ganz schön zum Dauerlauf. Man sollte sich immer wieder hinterfragen,  was an diesem Tag wirklich wichtig ist. Muss der Hosenkauf wirklich heute sein oder reicht das auch noch nächste Woche? Was wäre denn das Problem daran, wenn wir etwas erst später erledigen? Wenn wir anfangen die Prioritäten anders zu setzen, können wir den Tag schon ziemlich entzerren. Und vor allem hochsensible Kinder reagieren äußerst empfindlich auf Stress. Sie brauchen mehr Zeit, um die ganzen Reize zu verarbeiten und um so mehr Reize sie auf einmal ausgeliefert sind, um so schwieriger wird es für sie, damit umzugehen. Deswegen sollten nicht zu viele Programmpunkte auf dem Plan stehen, um eine Überforderung zu vermeiden. Dies kann je nach Kind zu einem emotionalen Ausbruch, totaler Erschöpfung, Schlafproblemen o.Ä. führen. Im schlimmsten Fall verliert das Kind den Bezug zu seinen eigenen Bedürfnissen, da es sich dem strikten Zeitplan anpasst und seine Bedürfnisse unterdrückt, um den Eltern zu gefallen. 

Auch mal nein sagen:

Eine regelmäßige Teilnahme an einem Sport oder anderen Freizeittätigkeit wie Sport etc. kann schon recht wichtig sein und geregelte Strukturen sind für einige hochsensiblen Kinder auch hilfreich, aber es sollte auch mal Ausnahmen von der Regel geben. Wenn wir merken, dass unser Kind momentan unter Druck ist und sich heute mehr hin zwingt als dass es Lust dazu hat, müssen wir Eltern auch mal nein sagen. Nein heute gehen wir nicht! Das kann zum einen viel Druck vom Kind nehmen und es kann ihn dem Moment entspannen. Zum anderen bekommt es das Gefühl, in  seinen Bedürfnissen ernst genommen zu werden. Wenn dem Kind die Aktivität wichtig ist, wird eine Ausnahme kein Abbruch tun, trotzdem regelmäßig wieder dort hinzugehen, wenn es sich danach fühlt, denn so etwas sollte auf keinen Fall in einem Zwang ausarten.

Flexibel denken:

Oft haben wir gut strukturierte und gut gemeinte Pläne für unseren Tagesablauf. Die Realität sieht aber oft ganz anders aus. Gerade mit einem hochsensiblen Kind, ist es wichtig, immer wieder dessen Tagesform anzuschauen. Da hochsensible Kinder die Welt sehr viel intensiver wahrnehmen, sind sie schneller überreizt als andere. Um diese Reize zu verarbeiten brauchen sie Zeit und Ruhe. Gewähren wir ihnen diese, so können sie stressfrei alles verarbeiten und sind dann wieder bereit neues anzugehen. Also liegt es an uns auch mal spontan unsere gut gemeinte Planung über den Haufen zu schmeißen und so mehr Ruhe für alle in den Tag zu bringen.

Ruhepausen:

In unserem Tagesablauf sollten immer wieder Zeiten eingeplant werden, in denen sich das Kind zurückziehen und, ohne große Reizeinwirkung, Erlebtes verarbeiten kann. Dies kann unterschiedlich lange dauern. Wir sollten, wenn es irgendwie möglich ist, dem Kind diese Zeit auch ermöglichen, um eine Überreizung zu vermeiden. 

Unsere Freizeit sollte auf gar keinen Fall in Stress ausarten.

 

Genau hinhören, genau hin spüren:

Unsere Kinder geben uns genaue Signale, wir müssen nur richtig hinhören. Auch das trifft auf alle Kinder aber insbesondere auf hochsensible zu. Kinder können ihre Bedürfnisse oft noch nicht über Worte ausdrücken, sie zeigen uns diese über ihr Handeln, Mimik und Gestik. Wir als Eltern sind die Experten für unsere Kinder. Wir erkennen meistens auf einen Blick, was mit ihnen los ist. Und darauf sollten wir unbedingt hören und dementsprechend handeln. D.h. eine Pause geben, das Kind aus einer Überforderungssituation herausnehmen, Kuschelzeit schenken etc. Achte darauf, was dein Kind dir zeigt, es will Dir damit etwas sagen!

Bedürfnisse ernst nehmen:

Wir sollten die Bedürfnisse unserer Kinder sehr ernst nehmen und diese respektieren, besonders wenn sie hochsensibel sind, denn sie haben eine etwas andere Reizverarbeitung und somit brauchen sie oft andere Dinge als andere. Werden diese Bedürfnisse übergangen kann das ernsthafte Folgen haben, direkte, wie Überreizung, emotionale Ausbrüche, Rückzug oder langfristige wie Schlafstörungen, ein schlechter Bezug zu eigenen Bedürfnissen oder eine übertriebene Anpassung.

Kinder haben noch einen guten Zugang zu sich selbst und können sich gut spüren. Auch wenn sie das oft nicht in Worte ausdrücken können, zeigen sie uns jedoch sehr genau, was sie brauchen und was sie überfordert. Wir müssen nur auf die Zeichen achten. (Müdigkeit, Erschöpfung, Mimik, Gestik, Überdrehen, Rückzug….)

Fühlen sich die Kinder ernst genommen, führt das automatisch zu mehr innerer Ruhe, denn sie wissen, dass ihnen ihre Bedürfnisse erfüllt werden, ohne dass sie viel Aufheben darum machen müssen.

Selbstverständlich ist es im Alltag oft schwer, all das umzusetzen. Das Wichtigste ist aber, dass wir uns bewusst machen, dass wir etwas verändern können, oft schon mit relativ kleinen Mitteln. Diese Bewusstmachung ist meistens schon der Anfang zur Veränderung. Und bitte setz Dich nicht unter Druck, Veränderung geschieht nicht über Nacht. Es ist ein Prozess und braucht seine Zeit. Also nicht verzagen, wenn nicht alles auf Anhieb funktioniert.

Und übrigens dies gilt auch genauso für unsere eigene Bedürfnisse. Gerade hochsensible Eltern sollten in sich hinein spüren und auch mit ihren eigenen Bedürfnisse achtsam umgehen.

Der Beitrag Wie Du den Alltag mit deinem hochsensiblen Kind entschleunigen kannst und warum das so wichtig ist erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Windelfrei und Spaß dabei-wie wir recht ungeplant begannen, Windelfrei zu praktizieren https://dieloewenfamilie.de/windelfrei-und-spass-dabei-wie-wir-recht-ungeplant-begannen-windelfrei-zu-praktizieren/ Sun, 28 Jan 2018 11:00:18 +0000 https://dieloewenfamilie.de/?p=682 Windelfrei- das hört sich, wenn man es zum ersten mal hört, erst mal befremdlich an, so ging es uns zumindest. Wir wollten unseren zweiten Sohn auf jeden Fall mit Stoffwindeln wickeln und wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt stößt man auch immer wieder auf dass Thema Windelfrei. Erst hab ich es gar nicht richtig ernst genommen, aber um so öfter ich es las, um so interessanter wurde es für mich. Also fing ich an, mich näher damit zu beschäftigen und war bald hellauf begeistert

Der Beitrag Windelfrei und Spaß dabei-wie wir recht ungeplant begannen, Windelfrei zu praktizieren erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Viele Fragen und großes Interesse

Es soll also auch ganz ohne Windeln gehen? Was für ein spannender Ansatz, aber funktioniert das im Alltag wirklich? Und darf ich meinem Kind nun gar keine Windeln mehr anziehen oder wie setzt man das um? immerhin praktizieren fast zwei Drittel der gesamten Menschheit das Windelfrei.

Mein Interesse war geweckt aber ich hatte noch viele offene Fragen, also begann ich zu recherchieren, was relativ leicht war, denn über dieses Thema gibt es nun schon einige Webseiten und auch bei Facebook kann man verschiedenen Gruppen hierfür finden. Hier bekam ich viele wichtigen Antworten, die mich mehr und mehr darin bestärkten, es auszuprobieren. Das Wichtigste für mich war wohl, dass mir klar wurde, dass es überhaupt  gar nicht darum geht, das Kind immer und überall windelfrei zu lassen, sondern dass man es für sich passend gestalten kann. Für zu hause konnte ich mir es von Anfang an gut vorstellen, nur für unterwegs stellte ich es mir sehr unpraktisch vor, vor allem weil unser Sohn ein Herbstkind sein würde und somit immer einige Schichten an Klamotten anhaben müsse.

Ein ebenso wichtiger Punkt für mich war, dass es vor allem um Kommunikation mit dem Kind geht. Es ist kein frühe Trockenheitserziehung sondern eine sehr einfühlsame und interessierte Beobachtung und Wahrnehmung der kindlichen Bedürfnisse. Denn Kinder kommen nicht auf die Welt und wollen in die Windel machen, nein, sie wollen ein sauberes und trockenes Gefühl haben. Eigentlich logisch, denn Windeln halten ja eigentlich nicht dass Baby trocken sondern nur die Klamotten. So wird dem Kind, wenn man im Windeln anzieht, quasi dieses Bedürfnis mehr oder weniger abtrainiert, um es dann später wieder anzutrainieren, wenn wir das Kind für alt genug dazu halten. Dabei geben schon Neugeborene Zeichen, wenn sie müssen, diese gilt es nur zu erkennen, damit wir ihnen dann helfen können, ihr Geschäft nicht in die Windel machen lassen zu müssen.

Nicht zu vergessen ist auch der ökologische Nutzen von Windelfrei. Das war für uns ja schon einer der wichtigsten Punkte bei den Stoffwindeln. Wenn man sich mal überlegt, wie viel Müll bei den Wegwerfwindeln entsteht und wie lange diese brauchen, bis sie verrottet sind, dann war es für uns ganz klar, dass wir eine Alternative brauchen. Das waren zuerst einmal die Stoffwindeln, aber noch idealer ist natürlich das Windelfrei, da muss man dann nicht mal mehr Windeln waschen. Außerdem kommen wir so drum herum, unserem kleinen Mann die chemischen Zusätze aus Wegwerfwindeln auf die Haut zu bringen. Für uns auch sehr wichtig.

Der Plan ist gefasst und die Umsetzung kann beginnen

Ich beschloss nun für mich, dass ich es super gern für zu Hause ausprobieren möchte. Nun muss ich nur noch meinen Mann überzeugen, dachte ich mir, der wird Augen machen, wenn ich mal wieder mit so einer Idee ankomme. Überraschenderweise war er aber gleich begeistert davon und meinte, wir können es ja einfach mal versuchen und schauen, wie es klappt. Ich freute mich sehr über seine Unterstützung und war schon ganz gespannt, ob uns die Umsetzung nun auch gut gelingen würde. Im September erblickte dann unser kleiner Matthis bei einer wunderschönen Hausgeburt das Licht der Welt und wir konnten mit unserem Windelfrei beginnen.

Am Anfang fühlte es sich noch komisch an, denn es war wirklich sehr ungewohnt mit dem Abhalten eines so kleinen Babys, aber wir tasteten uns Stück für Stück heran. Zunächst trug er auch zu hause fast immer noch Windeln und wir begannen damit, ihn jedes mal beim Windelwechseln einfach über die Badewanne abzuhalten (wir waren anfangs noch nicht zielsicher genug für die Toilette) und ihm dabei zu sagen, dass er nun Pipi machen könne begleitet von “pschpschpsch”. Diese Verknüpfung würde es den Babys wohl einfacher machen, zu verstehen, wann sie Wasser lassen können. Wir waren begeistert und super happy über jedes Mal, wenn es klappte und auch das große Geschäft machte er von Anfang an fast nie in die Windel (aber meistens noch auf dem Wickeltisch).

Diese Erfolgserlebnisse machten uns mutig und wir ließen ihn tagsüber immer öfter ohne Windel und versuchten herauszufinden, welche Zeichen er uns wann gibt. Zugegeben am Anfang ging auch oft was daneben, da wir oft nicht schnell genug reagierten und wohl auch erst noch lernen mussten, die Zeichen zu deuten und auf unsere Intuition zu hören. Kurze Zeit war ich etwas frustriert aber aufgeben wollte ich bestimmt noch nicht, vor allem weil Matthis immer sehr glücklich zu sein schien, wenn wir seine Bedürfnisse erkannten und er im Bad oder auf der Toilette Pipi machen konnte. Gut klappte es von Anfang an, an bestimmten Zeitpunkten, so z.B. nach dem Aufwachen oder dem Stillen.

Eine große Wendung gab es für mich, als ich mal wieder ein paar Dinge aus dem Stoffwindelladen brauchte (https://die-besten-stoffwindeln.de/) und durch Zufall erfuhr, dass die Beraterin, die mit mir meine Sachen zusammen suchte, auch Windelfreiberaterin war. Wir unterhielten uns sehr angeregt über das Thema, sie gab mir viele Tipps und ich kaufte bei ihr noch ein Windelfreitöpfchen. Das war wohl der beste Kauf seit langem. Seit wir den haben klappt es viel viel besser, denn man kann sehr schnell reagieren, anscheinend macht Matthis auch sehr gern rein und er bleibt auch mal ein paar Minuten sitzen, falls nicht gleich was kommt. Alle, die über Windelfrei  nachdenken, sollten sich unbedingt so ein Töpfchen zulegen.

Praktisches Zubehör:

 

  • Windelfreitöpfchen
  • Beinstulpen (damit das Kind warme Beinchen hat, wenn es zu hause ohne Windel und Hose ist. sie können aber  auch draußen beim Tragen einfach über die Hose gezogen werden.Also insgesamt sehr praktisch)
  • Viele Schlupfhosen (die schnell an und ausgezogen werden können)
  • Windelfreihosen (die sind zwischen den Beinen offen)

 

Endlich klappt auch die Umsetzung richtig gut:

Seit dem Gespräch versuch ich auch noch mehr auf meine Intuition zu hören und setz ihn aufs Töpfchen, wenn ich das Gefühl hab, dass er evtl. müsse. Ich freu mich als hochsensible Mama total darüber, dass meine große Intuitionsfähigkeit hier von großem Nutzen ist. Inzwischen klappt es zu Hause richtig gut und wir sind dran, es auch unterwegs umzusetzen, wann immer es möglich ist. Da es zur Zeit bei uns Winter ist, hat er nun mal immer mehrere Schichten Klamotten an, und das Ausziehen dauert dann immer etwas Länger, oft kann er es so lang nicht halten. Deswegen hat Matthis unterwegs auch eine Windel an, wenn er aber anfängt unruhig zu werden und quängelt, wir wissen, dass es nicht vom Hunger kommen kann und wir die Möglichkeit haben, schnell auf eine Toilette zu kommen, halten wir ihn auch dann ab. Ich denke, dass das ihm Frühjahr/Sommer leichter werden wird, wenn er nicht mehr so viel Schichten anziehen muss. Aber da sieht man mal, dass es ihm eigentlich wirklich unangenehm ist, in die Windel zu machen, denn er sieht wirklich zufrieden aus, wenn wir es richtig erkannt haben.

Für uns ist das auch ein wunderbarer Weg unsere Beziehung zu einander zu intensivieren, denn man hat sein Kind einfach noch mehr im Blick, geht ganz viel in Kommunikation, achtet auf kleine Zeichen, die das Kind gibt und hört mehr auf die eigene Intuition. Wir haben es uns am Anfang gar nicht wirklich vorstellen können und haben eigentlich nur aus Neugier begonnen, ohne große Erwartungen. Aber wir sind wirklich auf eine ganz wunderbare Weise überrascht worden und inzwischen können wir es uns gar nicht mehr anders vorstellen. Wir genießen es sehr, unserem Kind diese Möglichkeit geben zu können und sind jetzt schon gespannt, ob er dann auch wirklich früher trocken sein wird, denn das soll wohl auch ein toller Nebeneffekt sein. Wenn die Kinder erst gar nicht wirklich daran gewöhnt werden, dass sie ihn eine Windel machen sollen, fällt es ihnen anscheinend auch leichter, selbständig aufs Töpfchen oder die Toilette zu gehen. Wir sind gespannt und werden darüber gerne Berichten.

Der Beitrag Windelfrei und Spaß dabei-wie wir recht ungeplant begannen, Windelfrei zu praktizieren erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Die 6 größten Probleme in der Schule und was deinem Kind dabei hilft https://dieloewenfamilie.de/die-6-groessten-probleme-in-der-schule-und-was-deinem-kind-dabei-hilft/ Sun, 21 Jan 2018 21:56:10 +0000 https://dieloewenfamilie.de/?p=684 Schule ist für hochsensible Kinder und ihre Eltern leider immer wieder ein schwieriges Thema. Manche Kinder können sich dort einfach nicht konzentrieren, andere kommen mit dem Tempo nicht mit, wieder andere werden von den Lehrern nicht richtig wahrgenommen und nicht als hochsensibel erkannt… Die Probleme können ganz unterschiedlich ausfallen. Den sieben häufigsten Schwierigkeiten und ihren Lösungen widme ich mich hier.

Der Beitrag Die 6 größten Probleme in der Schule und was deinem Kind dabei hilft erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Warum fällt es meinem hochsensiblen Kind so schwer in der Schule?

Das Leben mit einem hochsensiblen Kind kann unheimlich schön und bereichernd sein, auch recht problemlos, denn man hat sich in der Familie vielleicht schon auf die besonderen Bedürfnisse eingestellt und einen Rahmen geschaffen, in dem sich das Kind wohl und sicher fühlt. Schwierigkeiten treten oft erst dann auf, wenn das Kind aus dem geschützten Rahmen der Familie heraus in den Kindergarten oder später in die Schule kommt.

Oft haben es hochsensible Kinder schon im Kindergarten schwer und manche Eltern entscheiden sich dann, ihre Kinder lieber zu Hause zu betreuen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. So können hier nicht selten einige Schwierigkeiten vermieden werden.

Da in Deutschland aber Schulpflicht besteht, kommt hier kein Kind drum herum und muss sich den Herausforderungen dort stellen und somit beginnt dann oft eine schwierige Zeit für Kind und Eltern. Das deutsche Schulsystem ist nicht darauf ausgelegt, mit Individualität oder Andersartigkeiten umzugehen und a die Bedürfnisse hochsensibler Kinder in einigen Bereichen von der “Norm” abweichen, ist es für diese schwer, hier mit zu halten und mit ihrem ganzen Potential gesehen zu werden. Auch sind die Lehrer oft überfordert und haben keine Zeit auf jedes Kind so einzugehen, wie es eigentlich sein müsste. Vor allem kennen sich die wenigste mit Hochsensibilität aus, wissen meistens sogar nicht einmal, was das ist.

Im Schulalltag muss sich also jedes Kind dem System anpassen und dem vorgegeben Tempo folgen, tut es das nicht wird es oft zum Problemkind erklärt und fällt durchs Raster. Dabei sind hochsensible Kinder sogar oft hochintelligent, allerdings ist ihre Art zu denken und sich mit verschiedenen Dingen auseinander zu setzen etwas anders und kommt bei unserem strikten Lehrplan oft gar nicht ans Licht. Noch dazu sind die Umstände in der Schule für hochsensible Kinder oft nur schwer zu ertragen oder gar kontraproduktiv. So kann schon die Lautstärke in den Klassenzimmern die Konzentration massiv stören.

Es gibt in der Schule einige Dinge, die es hochsensiblen Kindern nicht leicht macht, ihr volles Potential zu entfalten, dabei könnte man einiges schon mit relativ kleinem Aufwand ändern und würde es den Kindern so wesentlich leichter machen.

die 6 häufigsten Probleme, und was Du tun kannst:

Mein Kind kann sich nicht richtig konzentrieren und ist ständig abgelenkt

ein Problem, das viele hochsensible Kinder haben ist die ständige Ablenkbarkeit bzw. das Abschweifen vom eigentlichen Thema. Es scheint so, als ob das Kind nie wirklich mit den Gedanken bei der Sache ist, was durchaus mehrere Ursachen haben kann. Es kann wirklich sein, dass das Kind abgelenkt ist und es nicht mehr bei der Sache ist. z.B. weil es etwas Interessantes vor dem Fenster sieht, Gespräche oder Stimmungen von Mitschülern mitbekommt, oder es noch über ein Erlebnis von der Pause nachdenken muss.

Hier können schon kleine Dinge helfen. Wichtig wäre dabei aber, mit dem Kind genau zu kommunizieren, was es nun wirklich ablenkt und was evtl helfen könnte. Sind es die Mitschüler oder die Lautstärke im Raum, könnte man evtl. über Gehörschutz nachdenken. Solche Maßnahmen gibt es bereits schon in einigen Schulen selbst für nicht hochsensible Kinder. Du solltest auf jeden Fall mal mit dem Lehrer sprechen, ob dies eine mögliche Option wäre.

Auch wäre zu überlegen, ob man nicht die Sitzordnung ändern könnte, so dass das Kind nicht mit dem Blick zum Fenster sitzt und auch keine störenden Mitschüler direkt neben sich hat. Oft ist ein Platz direkt in der Nähe des Lehrers vorteilhaft. Dies sollte ausprobiert und bei Bedarf noch mal geändert werden, bis ein passender Platz gefunden wird.

Allerdings sollte man aber auch genau hinschauen. Oft sieht es nur so aus, als ob die Kinder ihn Gedanken woanders wären, dabei denken sie nur ganz intensiv über das behandelte Thema nach und bekommt in Wahrheit alles mit.

Du siehst, es ist hier sehr wichtig, dass Du mit deinem Kind sprichst und ganz genau schaust, was denn wirklich dass Problem ist, um auch die passende Lösung zu finden.

 

Lehrer nehmen mein Kind nicht wahr/ können nicht mit ihm umgehen

 

Wie schon erwähnt, ist es auch für Lehrer nicht einfach unter den Bedingungen an heutigen Schulen auf jedes Kind individuell und feinfühlig einzugehen. Die introvertierten unter den hochsensiblen Kindern werden oft kaum wahrgenommen oder gelten als Träumer. Die extrovertierten hingegen fallen oft durch lauteres Verhalten auf oder gelten als Störer. Beide bräuchten seitens des Lehrers Verständnis, Unterstützung und Hilfestellungen. Nun ist es aber leider so, dass dieses Thema auch bei Lehrern noch recht unbekannt ist. Einige Lehrer machen sich zwar Gedanken und stellen Überlegungen an, was mit dem Kind los sein könnte nur kommt es häufig durch die Unwissenheit zu falschen Schlussfolgerungen. So wird den hochsensiblen Kindern oft eine Störung wie ADHS, ADS, Autismus o. ä. unterstellt, wodurch für die Kinder dann nicht selten ein langer Leidensweg bei Ärzten und Psychologen beginnt. Zugegeben, einige dieser Störungen haben auch gewisse Ähnlichkeiten und können bei oberflächlicher Betrachtung schon mal verwechselt werden, allerdings ist es für das Kind von enormer Wichtigkeit, richtig gesehen zu werden, denn die Herangehensweisen sind komplett unterschiedlich. Les hierzu auch gerne meinen Artikel über ADHS und Hochsensibilität.

Da Hochsensibilität keine Krankheit ist, muss diese auch nicht wegtherapiert oder behandelt werden. Wenn hier therapeutisch unterstützt wird, dann nur um das Selbstbewusstsein zu stärken, um dann besser mit seinem Wesen umgehen zu können. Bei wirklichen Störungen jedoch ist eine therapeutische Unterstützung meistens sogar notwendig. Hochsensiblen Kindern helfen oft schon kleine Veränderungen im Schulalltag um mit den Gegebenheiten dort besser klar zu kommen und somit ihr volles Potential auch in der Schule zeigen zu können.

Somit ist es also von größter Bedeutung, dass die Lehrer über dieses Thema bescheid wissen und das geht nur, wenn Du mit ihnen in Kontakt gehst. Das setzt natürlich voraus, dass Du dich mit dem Thema Hochsensibilität gut auskennst und dem Lehrer somit ein klares Bild darüber verschaffen kannst. Also werde Du zum Experten für dein Kind und scheu dich nicht über dieses Thema zu sprechen. Oft halten sich Eltern zurück, weil sie keine “Sonderbehandlung”  für ihr Kind wollen oder Angst davor haben, nicht ernst genommen zu werden. Allerdings ist es meistens so, dass die Lehrer sehr dankbar für Unterstützung und Informationen sind, denn wenn man sich vorstellt, dass 15-20% aller Menschen hochsensibel sind, kann man sich vorstellen, wie oft Lehrer mit diesen Kindern zu tun haben. Bereite dich also gut auf ein Gespräch vor, gib deinem Gegenüber möglichst viele Infos zu diesem Thema und überleg dir schon im Voraus, was für dein Kind vielleicht hilfreich sein könnte. Dann findet ihr gemeinsam sicherlich Möglichkeiten, wie dies im Alltag umgesetzt werden kann. Eine veränderte Sichtweise des Lehrers auf dein Kind ist schon der erste Schritt zur Besserung.

 

Die Sache mit den Hausaufgaben

Die Hausaufgaben sind auch oft ein sehr heikles Thema in hochsensiblen Familien. Nicht selten sind sie Grund für emotionale Ausbrüche, Streitereien und Hilflosigkeit bei Kind und Eltern. Die Gründe können auch hier ganz unterschiedlich sein. Das Kind versteht den Sinn nicht, warum es das nun machen soll weil es doch schon alles kann, es kann sich nicht konzentrieren oder es blockiert sich selbst, weil es sich zu “dumm” dafür hält. Das Ergebnis ist meistens das gleiche: Ein täglicher stundenlanger Kampf zwischen Kind und Eltern oft mit vielen Tränen. Leider kann man nicht einfach sagen, dann lassen wir es eben, denn Schule ist in Deutschland Pflicht und somit auch die Hausaufgaben. Also geht es darum, einen Weg zu finden, das Erledigen für alle erträglich zu  machen. Auch hier gibt es kein Patentrezept, das bei jedem Kind passt aber doch stehen einige Möglichkeiten zur Verfügung, die es sicherlich erleichtern können.

Zunächst gilt es, die Situation zu analysieren, denn jede Ursache braucht auch andere Hilfen. Sieh dir die Situationen genau an, und sprich in einem ruhigen Moment mit deinem Kind darüber. Nimm es mit seinen Problemen ernst und sag ihm, dass Du mit ihm gemeinsam ein Lösung finden möchtest. Vielleicht weißt Du oder es selbst schon genau, was das Problem ist oder wie ihr etwas ändern könntet. Ihr könnt dann zusammen schauen, was davon wirklich realisierbar ist.

Weitere Möglichkeiten:

  • den richtigen Zeitpunkt wählen: wichtig ist, dass das Kind auch konzentrationsfähig ist. Direkt nach der Schule oder zu spät abends sind meistens sehr ungünstige Zeiten. Du kennst dein Kind am besten, und weißt, wann es aufnahmefähig ist, also versuch die Hausaufgaben genau dann einzuplanen. Manchmal helfen feste Zeiten, meistens jedoch variiert das von Tag zu Tag je nach Tagesform. Sei hier so flexibel wie möglich.                 
  • Pausen einbauen: Zu lange am Stück an den Aufgaben sitzen bringt nichts, denn irgendwann blockiert das Gehirn von ganz allein und das Kind ist einfach nicht mehr aufnahmefähig. Je nach Alter is die Zeit, in der die Kinder konzentrationsfähig sind unterschiedlich. Ein grober Richtwert sind 20 Minuten bei kleineren Kindern bis maximal 60 Minuten bei größeren. Prinzipiell sollte ein Kind nicht länger als eine Stunde am Tag für Hausaufgaben benötigen. Sollte es häufig mehr sein, wäre eine Kontaktaufnahme mit den Lehrern vorteilhaft, so könnt ihr euch zu diesem Thema auch austauschen. Ich habe schon öfter mitbekommen, das die Lehrer dann gesagt haben, dass Kind soll machen, was es ihn einer Stunde schafft und dann aufhören. So etwas entschärft die Situation auch häufig. Wenn ihr dann Pausen macht, nutzt diese zur Entspannung und Bewegung vor allem an der frischen Luft.                                                                                                                                 
  • Stoff aufteilen: Es muss nicht alles am Stück gemacht werden. Manchmal sind die Hausaufgabe auch nicht bis zum nächsten Tag zu erledigen, dann kann jeden Tag ein bisschen gemacht werden. Für manche Kinder kann es hilfreich sein, wenn ihr gemeinsam oder es für sich selbst einen Plan macht, bis wann welche Aufgabe geschafft sein sollte, so wirkt die Menge oft nicht mehr so überwältigend.                                                                       
  • kein Hunger/Durst: Hochsensible Kinder reagieren meist besonders intensiv auf Hunger und Durst. Schau also darauf, dass dein Kind davor gegessen hat und genug Getränke bei sich hat. Evtl hilft auch eine kleine Zwischenmahlzeit wie Obst, ein Müsliriegel oder auch ein Traubenzucker.                                                                     
  • Wieviel Unterstützung ist nötig: Manche Kinder brauchen jemanden an der Seite, der immer ansprechbar ist und unterstützt. Manch andere brauchen ihre Ruhe und kommen nur dann, wenn sie wirklich eine Frage haben. Und wieder andere wollen alles komplett selbständig erledigen. Versuch sensibel dafür zu sein, frag dein Kind auch selbst, was es braucht und respektiere es auch, wenn dein Kind es eigenverantwortlich erledigen will. Das Motto ist hier, frei nach Maria Montessori: Hilf mir, es selbst zu tun! das ist auch gut für das Selbstbewusstsein deines Kindes.                                                                                                                                               
  • Selbstbewusstsein aufbauen: gerade unsichere Kinder zweifeln oft sehr an ihren Fähigkeiten auch weil sie einen sehr hohen Anspruch an sich selbst haben. Sie geben oft sehr schnell auf oder trauen sich erst gar nicht an bestimmte Dinge heran. Hier ist es wichtig, das Selbstbewusstsein zu stärken, was jedoch nicht von heute auf morgen geschehen kann. Hier könnte beispielsweise ein Buch helfen, in das ihr gemeinsam Sachen schreibt oder einklebt, was dein Kind schon alles kann um dies sichtbar zu machen. Wichtig ist auch, dass Du deinem Kinde Dinge zutraust und ihm erlaubst Fehler zu machen. Nicht selten, stecken da auch eigene Ängste der Eltern dahinter, denn Kinder sind wunderbare Spiegel. Falls Du bei den Hausaufgaben viel unterstützt, versuch doch mal, wie es ist wenn Du dein Kind mal selbst machen lässt und du eher eine passivere Rolle übernimmst. Wenn dein Kind dann merkt, dass es auch selbst etwas geschafft hat, wird das Selbstvertrauen Stück für Stück wachsen.                                                                                                                                                              
  • Unterforderung vermeiden: Da hochsensible Kinder nicht selten auch hochbegabt oder zumindest sehr klever sind, sind sie oft dem Stoff schon voraus. Dann kann es mitunter dazu kommen, dass es nicht einsieht, eine bestimmte Aufgabe zu machen, weil es das schon kann und es davon gelangweilt ist. In solchen Situationen wäre es gut, wenn Du mit den Lehrern ihn Kontakt gehst. Manchmal ist es möglich, dass das Kind dann andere Aufgaben nach hause mitbekommt. Wir haben beispielsweise die Regelung mit unserer Lehrerin, dass sie unseren Sohn fragt, ob er die normalen Hausaufgaben oder etwas Schwierigeres mit nach hause nehmen möchte.                                                                                                                                                                                               
  • Gib deinem Kind die Verantwortung: Wenn dein Kind ständig diskutiert und nicht einsieht die Hausaufgaben zu machen, kannst Du dich auch mal aus der Verantwortung ziehen. Versuch es doch mal damit, und sag ihm, es könne ja selbst den Lehrern erklären, warum es die Hausaufgaben nicht gemacht hat. Diese Situation wollen die meisten Kinder dann eben doch vermeiden und machen die Hausaufgaben lieber. Du kannst so etwas auch in Rücksprache mit der Lehrerin machen. Mit dieser Methode solltest Du jedoch vorsichtig umgehen.

 

Mein Kind kommt ständig völlig überdreht oder total erschöpft nach hause.

Oft ist die Schule und der ganze Wirbel dort extrem anstrengend für das Kind, es muss sich ständig anpassen und ist den ganzen Reizen dort schutzlos ausgeliefert. Dann ist es einfach total ausgelaugt und braucht Ruhe, wenn es nach hause kommt. Plane dafür unbedingt genug Zeit ein, denn dein Kind braucht diese Auszeiten, um alles verarbeiten zu können und die Akkus wieder aufzuladen. Wenn es jedoch total überdreht nach hause kommt, hängt es oft damit zusammen, dass dein Kind sich in der Schule sehr anpassen muss und sich zu hause dann in der gewohnten Umgebung wieder entfaltet, oft mit sehr viel Energie. Gib ihm Raum dafür und biete ihm Möglichkeiten zur Bewegung und zum Energie loswerden. Vielleicht habt ihr ein Trampolin oder ihr geht raus, spazieren, rennen, toben. Jede Art von Auspowern ist hier gut. Es kann für dich auch hilfreich sein, wenn Du dir vor Augen hältst, dass dein Kind sich so verhält, weil zu Hause sein sicherer Hafen ist, in dem es so sein kann, wie es ist und es zeigt dir mit diesem Verhalten sehr viel Vertrauen. 

 

Das Tempo ist zu schnell:

Hochsensible Menschen denken meistens auf eine andere Art, sie denken meistens in Bildern, Emotionen und in größeren Zusammenhängen. Dies wirkt nach außen hin, als ob sie langsamer denken, in Wirklichkeit jedoch laufen die Prozesse sogar  schneller. Sie wollen alles und jeden Zusammenhang verstehen und denken evtl. sogar zu kompliziert. Außerdem fällt es ihnen oft schwer, das was in ihrem Kopf ist, ihn Worte zu fassen. Gerade wenn sie in der Schule aufgerufen werden und schnell antworten sollen, sind sie enorm unter Druck, weil sie ein schnelles Ergebnis liefern müssen und auch keinen Fehler machen wollen. So kann es mitunter vorkommen, dass sie gar nicht antworten können. Auch bei Klassenarbeiten stehen sie unter diesem Druck.

Leider ist es kaum möglich, diese Art zu denken umzuändern und eigentlich ist es auch nicht sinnvoll, denn es ist etwas besonderes, auf diese Weise denken zu können denn man kann damit auch Großes vollbringen. Albert Einstein war beispielsweise ein solcher Denker. Traurigerweise hilft das in der Schule wenig. Gut zu wissen ist jedoch, dass die Kinder den Schulstoff zwar meistens sehr gut verstehen, lediglich nur ein Problem haben, ihre Gedanken zu formulieren. Letztendlich sind schulische Leistungen jedoch sicherlich nicht alles im Leben, und man sollte dem ganzen keinen allzu großen Stellenwert geben, was schon einiges an Druck herausnehmen kann.

Es bleibt für die Schule nur die Einsicht des Kindes, dass es wichtig ist, die Strukturen zu lernen und sich auf die Vorgänge einzulassen. Gerade hochsensible Kinder hinterfragen oft die Sinnhaftigkeit der Dinge. Intrinsische Motivation, also solche die von innen heraus kommt, ist unabdingbar. Eine Hilfe könnte auch hier sein, mit den Lehrern zu sprechen und über diese Umstände aufzuklären. Vielleicht können auch sie dann anders damit umgehen.

 

Mein Kind hat Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten:

Viele hochsensible Kinder tun sich schwer mit sozialen Kontakten, wofür  es auch wieder viele verschiedene Gründe geben kann. Viele sind eher introvertiert und können nur schwer auf andere zugehen, andere sind extrovertiert und dabei auch oft sehr impulsiv, was viele andere Kinder abschreckt. Manche hochsensible Kinder sind auch gern für sich allein, weil sie mit anderen vor allem gleichaltrigen Kindern ohnehin nichts anfangen können.

Im Klassenverbund kommt dann noch dazu, dass sie oft Stimmungen und Gedanken der anderen wahrnehmen oder auch sehr auf Ungerechtigkeiten reagieren und sich dann eher zurück ziehen. Auf andere Kinder wirken hochsensible Kinder auch oft komisch, denn sie  können deren Verhalten oft nicht nachvollziehen. So werden hochsensible Kinder oft gemieden und werden dann zu Außenseitern. Für manche ist das gar kein Problem, da sie gern für sich sind. Aber einige leiden auch darunter und wollen deswegen nicht mehr in die Schule gehen, weil sie sich missverstanden und nicht gemocht fühlen. Hier lauert die Gefahr, dass sich die Kinder all zu sehr anpassen, um dazu zugehören. Wenn das der Fall sein sollte, hilft das Stärken des Selbstwertgefühls.

Hilfreich kann dabei sein:

  • Kampfsport: In den guten Schulen lernen die Kinder auch die Philosophie, die dahinter steckt und sie lernen auf ihre Stärke zu vertrauen. Ein starker Geist und ein starker Körper gehören zusammen. Auch wird hier meist sehr viel Wert auf Teamgeist gelegt und das Akzeptieren und Unterstützen von Schwächeren wird erwartet.                                                                                                                  
  • Psychomotorikgruppen: Hier wird unter therapeutischer Anleitung in Kleingruppen auf der Basis von spielerischer Bewegung an sozialen und emotionalen Problemen gearbeitet. In jeder größeren Stadt sollte es hierfür Angebote geben.                                                                                                                                
  • Gespräche mit den Lehrern: Manchmal werde die Probleme so massiv, dass es ihn Mobbing ausartet, dann sollte unbedingt die Schule informiert werden, um gemeinsam eine Lösung zu finden.
  • Gespräche mit dem Kind:  dem Kind sollte auch immer wieder gesagt werden, dass es gut so ist, wie es ist. Meinem Sohn hat es auch geholfen, dass ich ihm immer wieder erklärt hab, dass es wichtiger ist ein paar wirklich gute Freunde zu haben als viele oberflächliche. So können die Kinder schon früh lernen, was Freundschaft bedeutet. Wenn sie das wissen, lassen sie sich auch weniger von anderen beeinflussen oder manipulieren.                                                                                                                                                                                  
  • Ergotherapie: In manchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, dass das Kind in Ergotherapie geht. Hier werden gezielt Übungen gemacht, die das Selbstbewusstsein stärken. Es gibt hier verschiedene Ansätze aber es geschieht immer auf kindgerechte und spielerische Weise. Ein Rezept hierfür bekommt man vom Kinderarzt.

 

Wie Du siehst, gibt es ganz unterschiedliche Problematiken, die bei hochsensiblen Kindern in der Schule auftreten können. So individuell wie jedes Kind können sich auch die Schwierigkeiten unterschiedlich zeigen. Doch gibt es durch die Eigenschaften der Hochsensibilität immer wieder ähnliche Hintergründe und das gilt es zu verstehen, denn nur so kann auch eine wirksame Lösung gefunden werden. Oftmals haben schon kleine Veränderungen große Wirkung. Schaut einfach gemeinsam, was für euch das beste ist und zu Euch passt.

Der Beitrag Die 6 größten Probleme in der Schule und was deinem Kind dabei hilft erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Warum wir das Julfest feiern https://dieloewenfamilie.de/warum-wir-das-julfest-feiern/ Tue, 19 Dec 2017 09:12:47 +0000 https://dieloewenfamilie.de/?p=665 Weihnachten steht vor der Tür und wir alle freuen uns auf dieses besinnliche Fest. Was wir an diesem besonderen Tag feiern, weiß fast jedes Kind. Ist doch ganz klar; Jesugeburt! Warum wir das aber ausgerechnet am 25. Dezember feiern, weiß so gut wie niemand. es gibt viele Vermutungen, eine scheint mir persönlich jedoch am plausibelsten.

Der Beitrag Warum wir das Julfest feiern erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Ein Baum kann ohne Wurzeln nicht stehen- dasselbe gilt für den Menschen!

Ob Jesus nun wirklich in der Nacht vom 24. auf den 25.Dezember geboren wurde, lässt sich nach über 2000 Jahren nicht mehr wirklich belegen. Sicher ist nur, dass Weihnachten seit dem vierten Jahrhundert gefeiert wird, damals wurde das Christentum nach und nach zur Staatsreligion. Jedoch verlief die Christianisierung der vielen Heiden oft nur oberflächlich, denn die Menschen hielten sich noch stark an ihre alten Bräuche und Riten. So wurden einige christliche Feiertage denen der Heiden angeglichen, um ihnen eine Verbindung zu ihrem alten Glauben zu geben. Weihnachten geht dem zu Folge auf dass heidnische Sonnwend zurück. An diesem Tag wird die Winter Tag- und Nachtgleiche gefeiert, also der Beginn des neuen Sonnenjahres.

Die Sonne hat am Julmond um den 21./22. Dezember den tiefsten Stand, was bedeutet, das diese Nacht die längste des Jahres ist. Ab nun werde die Tage wieder länger und die Sonne gewinnt wieder an Kraft und wird bald das Leben, das starr ihm Boden  ruht, zu neuem Leben erwecken.

Die Menschen von damals lebten sehr im Einklang mit der Natur und dem Verlauf der Jahreszeiten. So war die Wintersonnwend und die darauf folgenden 12 Rauhnächte besonders bedeutsam für sie, denn sie bedeuteten das Ende der kalten und kurzen Tage.  Besonders die Winter waren damals noch sehr viel härter als heute, vor allem wenn man hauptsächlich von Ackerbau und Viehhaltung lebt. Im Winter lebten sie von den Vorräten, die sie im Sommer angelegt hatten, wenn diese nicht ausreichten, wurde es lebensbedrohlich für sie. So kann man sicher nachvollziehen, dass es ein Grund  zu feiern war, dass nun die Kraft der Sonne Tag für Tag wieder zunehmen wird.

Die 12 Rauhnächte:

Der Wintersonnwend folgen die 12 Rauhnächte, in denen Wotan mit seinem Totenheer umherzieht und Menschen und Tiere erschreckt aber auch den Saaten ihre Fruchtbarkeit bringt. Wotan oder auch Odin ist der Göttervater, Totengott Kriegsgott und auch Gott der Dichtung, der Runen, der Magie und der Extase.

Warum es genau 12 Nächte sind, hat damit zu tun, dass das Mondjahr um genau 12 Tage kürzer ist als das Sonnenjahr. Man hat zum Ausgleich diese Tage dazwischen geschaltet, deswegen sprechen wir auch heute noch von “der Zeit zwischen den Jahren”. Mit dieser Zeit wird allerlei magisches verbunden.

Unsere Julrituale:

Zum Julfest gibt es viele verschiedene Rituale, wie genau man es feiert kann natürlich auch variieren. Weihnachten feiert ja auch nicht jeder gleich.

Wir persönlich haben unsere Art, diesen Tag zu begehen gefunden. So beginne ich den Tag damit die Wohnung und auch unser Gartengrundstück, wo wir immer feiern erst mal mit einer Mischung aus Wacholder, Mariengras und Beifuß zu räuchern. Dies soll Schlechtes vertreiben und unsere Ahnen einladen, mit uns zu feiern. Da das Julfest auch ein Fest der Besinnung ist, besteht ein großer Teil daraus, den verstorbenen Familienmitgliedern und Freunden zu gedenken. So wird auch beim Essen symbolisch immer für einen mehr gedeckt und ausgeschöpft. Später wird der Garten mit Tannenzweigen, selbstgemachten Tonschmuck und Misteln geschmückt. Außerdem stellen wir Windlichter auf, die mit Runen bemalt sind auf.

Dass Feuer hat am Julfest eine besondere Bedeutung, denn es wirkt reinigend und symbolisiert die wiederkehrende Kraft der Sonne. So ist ein ganz zentraler Punkt an diesem Tag, die Entzündung des Julfeuers. Wir machen hierfür immer ein großes Lagerfeuer um dass sich alle versammeln und wärmen können. Dabei halten wir auch immer kurz inne und lassen das vergangene Jahr revue passieren, und freuen uns auf das nächste.  So kann jeder, der möchte Dinge, die er loslassen will und auch Wünsche für das nächste Jahr auf einen Zettel schreiben und dem Feuer übergeben. Jemand aus der Gruppe leitet dann eine kleine Zeremonie und spricht ein paar Worte über Jul, Dinge, die damit zu tun haben und was in diesem Moment sonst noch wichtig erscheint. Danach wird gemeinsam gegessen und getrunken, denn auch dass spielt eine wichtige Rolle am Julfest. Jeder trägt einen Teil dazu bei, und bringt etwas mit, was auch das Gemeinschaftsgefühl stärkt. Gerne singen wir dann auch zusammen noch ein paar Lieder.

 

 

 

Normalerweise haben wir immer einige Freunde mit dabei, dieses Jahr werden wir aber nur im kleinen Kreis der Familie feiern, da uns ein großes Fest mit unserem 3 Monate alten Sohn zu viel Aufwand ist. Aber ich bin überzeugt davon, dass es dieses Jahr so sein soll und genau so für uns bestimmt ist.

 

 

 

Weihnachten

Trotzdem feiern wir auch Weihnachten, denn auch dies gehört zu unserer Kultur und für die Kinder ist es ein fester Bestandteil ihm Jahr. Jedoch geht es uns hier hauptsächlich wieder darum, eine schöne Zeit mit unseren Familien zu genießen und nicht um die Geburt Jesu zu feiern oder ihn Konsumwahnsinn zu verfallen.Es geht uns nicht um Geschenke, denn den Konsumzwang hierbei lehnen wir ab. Wir kommen als Familie zusammen und haben einfach eine schöne Zeit mit gutem Essen, tollen Gesprächen und viel Spaß.

Ein Wort zum Schluss:

Für mich ist es einfach immer wichtig auch mal genauer zu schauen, zu hinterfragen und nicht alles hinzunehmen, wie es ist. Wenn man hinter die Dinge schaut, entdeckt man oft wunderbare Dinge. Ich finde das Julfest und den ganzen Jahreskreis, den schon unsere heidnischen Vorfahren feierten etwas ganz Wertvolles, denn die Verbundenheit zur Natur ist etwas, das auch stark in mir verankert ist. Mit diesen Festen lässt sich das ganz fantastisch vollziehen.

Das Allerwichtigste  jedoch ist, dass jeder die Feste so feiert, wie es sich gut für ihn anfühlt und nicht, weil man sich an gesellschaftliche Konventionen verpflichtet zu sein scheint. Denn Feste sind schließlich zum Feiern da!!!

In diesem Sinne wünschen wir dir eine wunderschönes Julfest und besinnliche Weihnachten!

Mögen die Götter immer ein schützendes Auge auf Dich haben!

Der Beitrag Warum wir das Julfest feiern erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Meine ganz persönliche Geburtsreise- oder wie manchmal alles anders kommt, als man denkt und die geplante Hausgeburt zu einer Alleingeburt wird https://dieloewenfamilie.de/meine-ganz-persoenliche-geburtsreise-oder-wie-manchmal-alles-anders-kommt-als-man-denkt-und-die-geplante-hausgeburt-zu-einer-alleingeburt-wird/ Wed, 29 Nov 2017 07:53:52 +0000 https://dieloewenfamilie.de/?p=626 Die  Geburt ist nicht nur der rein körperliche Vorgang des Gebären eines Kindes sondern ein enorm kraftvolles, transformierendes ja sogar spirituelles Ereignis. Bei nichts anderem kann eine Frau eine so starke Verbindung zu ihrer weiblichen Urkraft erleben. Durch eine bewusst erlebte Schwangerschaft so wie Geburt, kann die Beziehung zu sich selbst sowie zu dem Baby eine ganz neue intensive Ebene erreichen. Dies durfte ich bei meiner zweiten Geburt erfahren.

Der Beitrag Meine ganz persönliche Geburtsreise- oder wie manchmal alles anders kommt, als man denkt und die geplante Hausgeburt zu einer Alleingeburt wird erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Ich erzähle hier von meiner ganz persönlichen Geburtsreise, die ich mit unserem zweiten Sohn ganz entspannt bei uns zu Hause erleben durfte. Schon die Zeit der Schwangerschaft habe ich als eine sehr magische Zeit erlebt, so konnte ich mich am Tag der Geburt voll und ganz auf dieses Erlebnis einlassen und machte die Erfahrung, einer für mich perfekten Geburt. Ich hoffe, dass ich hiermit anderen Frauen Mut machen kann, auf ihr Gefühl und ihre ureigene Stärke zu vertrauen, um ebenso ein schönes Geburtserlebnis erfahren zu können.

Diesmal wird alles anders!

Ich möchte am Tag, an dem ich erfuhr, dass ich schwanger bin, beginnen, denn schon da war mir klar, dass ich diesmal einiges anders machen würde, als bei meiner ersten Schwangerschaft, die nun schon neun Jahre zurück liegt. Damals befand ich mich in einem ganz anderen Lebensabschnitt, in dem ich in vielem noch nicht so bewusst lebte wie heute und manches als gegeben hinnahm ohne es richtig zu hinterfragen. Meine Schwangerschaft verlief zwar auch schon relativ entspannt und ich konnte mich ganz gut darauf einlassen, denn Kilian war auch ein absolutes Wunschkind, aber leider war dann meine eingeleitete Geburt in der Klinik alles andere als ein entspanntes und schönes Erlebnis. Im Nachhinein denke ich, dass ich mir damals von Anfang an viel zu viel reinreden lassen und zu wenig auf mein Gefühl gehört habe.

Diesmal wollte ich die Schwangerschaft und vor allem auch die Geburt ganz bewusst erleben und vor allem meine volle Weiblichkeit spüren und meine Urkraft entdecken, damit  mein zweites  Kind einen entspannteren Start ins Leben genießen könnte. So begab ich mich auf meinen Weg und plötzlich ergab sich alles, wie von allein. Ich fand auf Anhieb eine wundervolle Hebamme, die genau das verkörperte, was ich mir wünschte. Schon bei meinem ersten Treffen mit Heike, fühlte ich mich sofort gut aufgehoben, denn wir tickten genau gleich und sie bestärkte mich, auf mein Gefühl zu hören und alte Glaubenssätze loszulassen, wodurch ich eine tiefere Verbindung zu meinem Baby aufbauen konnte, was mir ein starkes Vertrauen und innere Ruhe gab.

Wenn Du mehr über die wunderbare Hebamme Heike Riefler  und ihre wahnsinnig tollen Angebote wissen willst, geht´s hier zu ihrer Seite mein Schneckenhaus.

Ich brauche keinen Arzt!

So war mir auch schnell klar, dass die ganzen unpersönlichen Vorsorgeuntersuchungen bei meiner Gynäkologin nicht das Richtige für mich waren. Ganz am Anfang der Schwangerschaft war ich zu zwei Untersuchungen bei ihr gewesen, jedoch ging ich jedes mal mit einem unguten Gefühl nach hause. Es gab lange Wartezeiten, unpersönliche Gespräche  und irgendwie versuchte man mir permanent kostenpflichtige Zusatzuntersuchungen aufzuschwatzen. Es kam mir so vor, als ob dort die Schwangerschaft eher als Krankheit und Geschäftsmodell gesehen wird als eben dieses wunderschöne Erlebnis, was es doch eigentlich sein sollte. Erschwerend kam hinzu, dass mir meine Ärztin deutlich gemacht hatte, dass sie Hausgeburten und Vorsorgen bei Hebammen überhaupt nicht gut fände und dies auch nicht unterstützen wolle. Also entschied ich mich dazu, wieder auf mein Gefühl zu hören, die Behandlung dort abzubrechen und eine reine Hebammenvorsorge bei Heike zu machen. Für mich fühlte sich das absolut richtig an und ich zweifelte auch keine Sekunde an dieser Entscheidung.

Letztendlich sind Hebammen dafür ausgebildet, Frauen in dieser wunderbaren Lebenssituation zu begleiten, zu unterstützen und zu stärken. Sie sehen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett als einen natürlichen Prozess, für den jede Frau geschaffen ist und nicht als etwas Krankhaftes. Bei Auffälligkeiten können sie auf ein breites Wissen und viel Erfahrung zurück greifen, gegebenenfalls, wenn es schwerere Komplikationen geben sollte, können sie auch jeder Zeit einen Arzt hinzuziehen .

In der Ausbildung von Gynäkologen hingegen sind Schwangerschaft sowie Geburt nur ein Teilbereich und werden hauptsächlich unter dem pathologischen Aspekt gelehrt, weswegen oft der Blick für die Natürlichkeit dieses Prozesses verloren geht.

Was die meisten nicht wissen, ist dass Hebammen die gleichen Untersuchungen wie Ärzte  durchführen können, wie Herztöne abhören, Blut abnehmen, Abstriche machen, und  das Baby im Bauch ertasten. Sie machen eben alles was zur Vorsorge gehört und haben meistens noch zusätzliche Angebote wie etwa, Akupunktur, Yoga, Schwangerschaftsfitness etc. Außerdem kommen sie fast immer zu den Frauen nach hause und können die Familien vom Anfang der Schwangerschaft bis nach dem Wochenbett durchgehend betreuen. Das allermeiste der Angebote wird auch von den Krankenkassen übernommen. Lediglich Ultraschall ist bei Hebammen nicht möglich, was aber jeder Zeit ein Arzt übernehmen kann. So kann rein theoretisch jede Frau ihre Schwangerschaftsbegleitung und Geburtsvorbereitung sowie Wochenbettbetreuung ganz individuell selbst bestimmen und sie für sich so auswählen, damit sie sich damit wohl, gut versorgt und sicher fühlt.

Allerdings ist hier die Konkurrenz oft groß, denn es geht hier auch um viel Geld  und so sind vor allem Ärzte oft nicht zu einer Zusammenarbeit mit Hebammen bereit. Deswegen habe ich auch nur durch Empfehlung meiner Hebamme einen Gynäkologen gefunden, der bereit war, lediglich die drei großen Ultraschallscreenings bei mir zu machen.

Ansonsten bestand also meine Vorbereitung aus sehr angenehmen Besuchen von meiner Hebamme bei mir zu hause, sowie Yoga für Schwangere, gesunder Ernährung und meiner sehr entspannten Einstellung .Dies war genau die richtige Entscheidung für mich, denn schon bald fühlte ich dieses tiefe Vertrauen in mich, das Baby und meine weibliche Urkraft und ich war mir sicher, eine wunderbare Geburt erleben zu können. In den Yogastunden schaffte es Heike immer wieder eine ganz magische Verbindung zum Baby aufzubauen und durch ihre wunderbare Art, machte sie uns Frauen immer wieder Mut, uns selbst zu vertrauen und die Geburt als etwas Wunderbares anzunehmen, als etwas, gegen das man sich nicht wehren müsse sondern in voller Hingaben erfahren könne.

Die Planung der Hausgeburt

Nun stellte sich heraus, dass mein  Wunsch nach einer Hausgeburt, gar nicht so einfach umzusetzen war, wie ich dachte, denn es gibt immer weniger Hebammen, die dies anbieten können. Leider werden ihnen rechtlich und finanziell  immer mehr Steine in den Weg gelegt, so dass es sich viele einfach nicht mehr leisten können, dies anzubieten. So war eben auch eine Hausgeburt mit Heike nicht möglich, jedoch empfahl sie mir eine ganz wunderbare Kollegin aus Tübingen, die seit über 40 Jahren leidenschaftlich gerne Frauen bei Geburten zu hause begleitete. Schon mein erstes Treffen mit Trautlind empfand ich als sehr vertrauensvoll und fühlte mich sofort verstanden und gut aufgehoben, denn sie strahlte ganz viel Wärme und Ruhe aus. Mit ihr konnte mein Traum, mein Kind zu hause zu gebären, also wahr werden. Ich war überglücklich, und freute mich jetzt schon auf dieses wunderbare Ereignis, dass ich zusammen mit meinem Mann erleben werden würde. Auch ihm war ich zutiefst dankbar, dass er mich, trotz seiner eigenen Ängste, voll und ganz in meiner Entscheidung unterstützte. Wieder einmal wurde mir klar, was für einen wundervollen Mann ich an meiner Seite habe.

 

 

Da nun alles geregelt war, konnte ich mich entspannt zurück lehnen und meine restliche Schwangerschaft in vollen Zügen genießen.

Mehr über Trautlinds Arbeit erfährst Du hier.

 

Sacred Pregnancy

So hatte ich noch ein wunderschönes Erlebnis in Form eines Wochenendseminars, bei dem ich eine sehr intensive Zeit mit 5 anderen bezaubernden Frauen erleben konnte. Die wunderbare Anne Henle von der Praxis Vitamotio leitete den Kurs Sacred Pregnancy, bei dem wir unsere Weiblichkeit, unsere Kraft und unsere Schwangerschaft feierten. Dies war kein gewöhnlicher Geburtsvorbereitungskurs, hier ging es vielmehr darum, eine Verbindung zum Baby aufzubauen, eine intensive Zeit für sich zu haben, Ängste loszulassen, sich auf die Geburtsreise vorzubereiten und die eigene Weiblichkeit zu feiern. Dies erlebten wir durch verschiedene Rituale, gemeinsame Gespräche und bei der Herstellung mehrerer Gegenstände für uns und unsere Babys, wie etwa eine Geburtskerze, Blumenschmuck und eine Wimpelkette mit guten Wünschen.

Hinterher baute ich mir einen kleinen Geburtsaltar mit den hergestellten Dingen auf, so dass unser Baby schon vor der Geburt einen Platz bei uns zu Hause in unserer Familie hatte und wir uns daran erfreuen konnten. Die Verbindung und der liebevolle Austausch mit anderen gleichgesinnten Frauen war unglaublich bereichernd für mich und so haben wir auch alle bis heute Kontakt zu einander.

 

Endlich, die Geburt!

Ich hatte das große Glück, dass meine Schwangerschaft ohne Komplikationen verlief und ich gesundheitlich topfit war. So genoss ich die Zeit, machte meine Vorsorgetermine mit meinen wunderbaren Hebammen und stellte mich intensiv auf die bevorstehende Geburt ein. Ich hatte das Gefühl, wirklich gut vorbereitet zu sein und konnte es kaum noch erwarten, bis es endlich los gehen würde. Ich trank nun regelmäßig meinen Himbeerblättertee, ging viel spazieren und in der 37. Schwangerschaftswoche starteten wir mit der geburtsvorbereitenden Akupunktur. Am Tag vor der Geburt war ich noch mal bei einer Yogastunde und Heike setzte mir hinterher wieder Nadeln am Kopf und an den Beinen. Sie fragte mich, ob sie den wehenfördernden Punkt am kleinen Zeh schon mitmachen solle, was sich für mich absolut richtig anfühlte und so bekam ich an diesem Tag zum ersten mal auch dort eine Nadel gesetzt.Sofort  hatte ich ein intensives Gefühl im Zeh begleitet von kräftigem Kribbeln und ich fühlte eine Veränderung, die ich noch gar nicht richtig deuten konnte.

Nachts fing dann tatsächlich ein Ziehen im Bauch an, das in regelmäßigen Abständen kam, jedoch glaubte ich irgendwie noch nicht, das dies der Beginn der Geburt sein könnte.Mein Mann sah dass wohl anders und beschloss, an diesem Tag nicht zur Arbeit zu gehen und für mich da zu sein. Schnell war mir dann klar, dass er absolut Recht damit hatte, denn das Ziehen wurde im Laufe des Morgens zu richtigen Wehen und ich wusste, dass sich unser Baby nun auf den Weg machte. Kilian war in der Schule und mein Mann war bei mir, so konnte ich mich wunderbar auf das Bevorstehende  einlassen und war ganz euphorisch, bei dem Gedanken, dass wir bald unser Baby in den Armen halten würden.

Ich war so glücklich, zu Hause sein zu können, und mir die Zeit so gestalten zu können, wie es sich für mich gut anfühlte. So zündete ich die Geburtskerze an, machte mir meine vorab ausgewählte Musik an, zog gemütliche Kleider an und begann zu genießen. Ja wirklich, ich habe die Wehen und die Energie dahinter vor allem am Anfang richtig genossen. Ich konnte sie annehmen und sehr gut aushalten, denn ich wusste, dass sie nichts Schlechtes sind, nein sie würden mir helfen, mein Kind auf die Welt zu bringen. Noch waren sie auch noch nicht so stark und die Abstände noch recht lange, trotzdem riefen wir unsere Hebamme an, um sie darauf vorzubereiten, dass es heute wohl noch richtig losgehen würde. Wir wollten uns dann wieder melden, wenn wir das Gefühl hatten, der richtige Zeitpunkt, in dem wir ihre Unterstützung benötigten sei gekommen.

Am Anfang war mein Mann noch recht aufgeregt, jedoch merkte er recht schnell, dass ich diesmal viel besser vorbereitet war und mich voll und ganz auf die Geburt einlassen konnte.  So konnten wir beide entspannen und genossen unsere Zeit zu zweit, wir kuschelten, lachten und er unterstütze mich ganz wunderbar beim Verarbeiten der Wehen.

Kilian war inzwischen bei der Oma angekommen, denn er hatte sich dafür entschieden, nicht bei der Geburt dabei zu sein, was auch für mich die richtige Entscheidung war, denn so konnte ich mich wirklich voll und ganz auf mich konzentrieren und hatte nicht das Gefühl, auch nach ihm schauen zu müssen.

Die Wehen wurden nun stärker und ich war  immer mehr damit beschäftigt, sie zu verarbeiten, aber ich war auch ganz bei mir und  freute mich, dass es immer weiter vorwärts und unserem Ziel entgegen ging, so konnte ich sie als etwas Positives annehmen. Die Pausen dazwischen nutzte ich, um etwas Kraft zu tanken, durchzuschnaufen oder etwas zu trinken. Das war etwas von den vielen wertvollen Dingen, die ich bei Heikes Yogastunden gelernt hatte und nun umsetzen konnte, um die Geburt in voller Hingabe erleben zu können.

Als mein Mann dann die Hebamme anrufen wollte, weil die Intensität nun doch so war, dass wir dachten, es könne nicht mehr allzu lange dauern, geschah etwas Seltsames; die Wehen hörten fast komplett auf. Wir waren zwar etwas überrascht darüber aber noch machten wir uns keinen großen Kopf darüber. Wir riefen Trautlind also nicht an und ich versuchte diese Pause dazu zu nutzen, mich etwas auszuruhen und noch mal Kraft zu tanken.

Allerdings dauerte dieser Zustand immer länger und das Warten frustrierte mich mit der Zeit ,denn nun fühlte ich mich an meine erste Geburt erinnert, bei der ich nach einer Einleitung mit einigen Unterbrechungen fast 3 Tage in den Wehen lag. Das war damals kein schönes Erlebnis und ich wollte so etwas nicht nochmal erleben. Ich konnte mir einfach nicht erklären, warum es diesmal wieder stockte, wo ich doch so gut vorbereitet und entspannt war.

Ich rief  nochmal bei meiner Hebamme an, klagte ihr mein Leid und sagte ihr, dass sie heute wohl doch nicht mehr kommen müsse. Sie konnte mich jedoch beruhigen und schlug mir vor, bei dem schönen Wetter noch etwas spazieren zu gehen, da dies die Wehen wieder etwas fördern könne. Gesagt getan, ich schnappte mir meinen Mann und wir machten uns auf den Weg nach draußen. Schon auf den Treppen nach unten (wir wohnen im 5. Stock) merkte ich, dass sich schon wieder etwas tat  trotzdem liefen wir noch eine ganze Runde und als wir wieder zu hause waren, ging es weiter mit immer stärker werdenden Wehen. Mein Mann ließ mir ein Bad ein, ich entspannte mich und ließ mich wieder auf den Prozess ein.

Mit zunehmender Intensität kam ich immer mehr zu mir und war ganz vertieft und konzentriert auf mich und meinen Körper. Ganz instinktiv nahm ich Positionen ein, die mir gut taten, so war ich auf allen vieren, in der Hocke und  im Türrahmen und spürte diese wahnsinnige Energie und Kraft in mir.

Die Außenwelt war nun ganz weit weg und ich fühlte nur noch mich und die Anwesenheit meines Mannes, der nun auch instinktiv handelte und versuchte mich so gut er konnte zu unterstützen. Mal war er ganz nah bei mir, hielt, massierte und streichelte mich und mal hielt er Abstand um mir Ruhe zu geben, damit ich meinen Rhythmus finden konnte. Ich fing nun auch an zu tönen, so wie wir es im Schwangerenyoga immer zusammen gemacht hatten. Was für eine fantastische Energie!

Endspurt!

Es war ein wunderschönes und intensives Erlebnis und da ich das Gefühl hatte, dass es nun doch schon recht weit voran geschritten war, entschieden wir uns dafür, nun doch die Hebamme kommen zu lassen. Und dann passierte es wieder, noch bevor wir telefonieren konnten. Nämlich: Nichts! Die Wehen waren so gut wie weg und diesmal war ich wirklich frustriert, da ich nun anfing, ein wenig an mir zu zweifeln. Ich war immer davon überzeugt gewesen, dass es bei meiner ersten Geburt an der Einleitung gelegen hatte, die die Geburt so schwer und langwierig gemacht hatte. Aber lag es denn nun doch an mir? War ich zu verkrampft und konnte nicht richtig loslassen? War ich nicht richtig in der Lage, ein Kind zu gebären? Brauchte ich vielleicht doch Unterstützung?

Im Nachhinein denke ich, dass das noch seelische Verletzungen der ersten Geburt waren, die irgendwo in meinem Unterbewusstsein schlummerten. Denn damals wurde mir in der Klinik das Gefühl gegeben, es nicht alleine und ohne medizinische Hilfe zu schaffen,so  wurde ständig an mir rumhantiert und in den ganzen Verlauf eingegriffen, so dass ich gar keinen eigenen Rhythmus finden konnte. Dadurch kamen nun diese Gedanken in mir hoch und ich zweifelte an mir und meiner eigenen Gebärfähigkeit.

Ich war nun recht demotiviert, aber ich konnte ja nichts an der Situation ändern und so machten mein Mann und ich es uns auf dem Sofa gemütlich, um etwas auszuruhen und einen Film anzuschauen. Dabei schlief ich sogar kurz ein, um dann ganz plötzlich von sehr starken Wehen wieder aus dem Schlaf gerissen zu werden.

Gleich ist er da!

Es ging jetzt mit Vollgas weiter und so bewegte ich mich ins Schlafzimmer und suchte eine gute Position für mich, die ich im Vierfüßlerstand fand. Instinktiv zog ich meine Hose aus, denn ich hatte das Gefühl, dass das Baby bald kommen würde und ich hatte den starken Drang mit den Wehen mitpressen zu müssen. Mein Mann war nun sichtlich beunruhigt darüber, dass es offensichtlich schon weiter war, als wir dachten aber noch keine Hebamme da war. Als ob er es nicht ganz wahr haben wollte schaute er mich also mit großen Augen an und fragte ob ich eine neue Hose bräuchte, ob diese nass sei.Ich meinte nur: “nein. ich glaub das Baby kommt. Jetzt darfst Du die Hebamme anrufen!” Er telefonierte sofort und war sichtlich erleichtert darüber, dass nun bald Unterstützung kommen würde. Danach war er sofort wieder an meiner Seite, um für mich da zu sein und mit mir die nun heftigen Geburtswellen durchzustehen.

Ich wurde etwas unruhig und fing kurzzeitig an mich gegen den Schmerz zu wehren, da mir in dem Moment nicht bewusst war, dass es wirklich schon bald geschafft sein würde. Mein Mann tat das einzig richtige in dem Moment  und spornte mich an ihn dem er mir sagte, dass ich weiter machen müsse, denn es sei sicher bald geschafft und mir bliebe sowieso keine andere Wahl.

Natürlich hatte er Recht und ich versuchte mich wieder dieser unglaublichen Energie hinzugeben und in diesem Moment platzte die Fruchtblase, so merkte ich, dass ich doch schon weiter sein musste, als ich dachte, was mir einen unglaublichen Motivationsschub gab und ich presste nun feste mit den Wehen mit. Immer wieder tastete ich zwischen meine Beinen und konnte nun tatsächlich schon das Köpfchen spüren. Ich tönte jetzt auch wirklich laut und fand meine Position im Vierfüßlerstand. Bei einer weiteren starken Wehe presste ich gegen einen Widerstand und mein Mann sagte mir, dass das Köpfchen nun geboren sei und ich weiter machen müsse, denn es sei gleich geschafft. Ich war ihm so dankbar, dass er da war und mich unterstützte, ich fühlte mich durch ihn unglaublich sicher, auch ohne Hebamme. Also nahm ich noch mal all meine Kraft zusammen, presste noch mal und der kleine Matthis war in die Arme meines Mannes geboren.

Ich hörte das kleine Menschlein zum ersten mal schreien, drehte mich sofort um und ich erblickte dieses perfekte Baby und sah die nassen Augen meines Mannes. Er legte ihn mir auf die Brust und zum ersten mal spürte ich die Haut und die Wärme meines Kindes. Wir waren überwältigt von Glück und hatten dass Gefühl, die Zeit sei um uns herum stehen geblieben, denn in diesem Moment gab es nur noch uns drei. Wir hatten es nun wirklich ganz allein geschafft, unseren Schatz auf die Welt zu bringen.

Was für ein unbeschreibliches Gefühl. Kraft, Liebe und Stolz pur!

Die Hebamme kommt

10 Minuten später, also ziemlich genau eine halbe Stunde nach unserem Anruf, kam unsere Hebamme bei uns an. Als sie den Kleinen schon beim reinkommen schreien hörte, fing sie nur an zu grinsen und meinte, dass sowas beim zweiten Kind schon mal passieren könne.

 

 

In den nächsten 2,5 Stunden versorgte sie den kleinen Matthis und mich und es  war ein wunderbares Gefühl von Geborgenheit, denn Trautlind strahlt unglaublich viel Ruhe und Wärme aus. Das war genau das, was ich in diesem Moment brauchte und mein Mann vermutlich auch, denn er war noch ganz neben sich nach diesem Ereignis, das ja doch etwas anders gekommen war, als gedacht. Und schließlich bringt man ja nicht jeden Tag sein eigenes Kind ganz allein auf die Welt!

Nach dem Trautlind wieder gegangen war, genossen wir nochmal unsere Zeit zu dritt und waren trunken vor Freude über dieses Wunder in unseren Armen bis wir dann irgendwann gemeinsam einschliefen.

 

 

Endlich zu viert

Am nächsten Morgen brachte die Oma unseren Großen nach hause, der schon ganz aufgeregt war und es kaum erwarten konnte, endlich seinen kleinen Bruder kennen zu lernen. Ganz ehrfürchtig kam er herein und bestaunte dieses kleine Menschlein, auf das er so lange gewartet hatte. In seinen Augen konnte man sofort diese große Liebe sehen. Was für ein emotionaler Augenblick für uns alle! Nun waren wir endlich komplett und konnten unser Leben als vierköpfiges Loewenrudel beginnen.

Zum Abschluss:

Im Nachhinein denk ich mir, dass alles genauso sein sollte, wie es gekommen war. auch wenn wir es anders geplant hatten. Vielleicht wollte ich insgeheim mit meinem Mann ganz allein sein und vielleicht hat mein Körper, deswegen mit Wehenpausen reagiert, um dies zu ermöglichen . Das Unterbewusste ist stärker, als man denkt! Für meinen Mann und mich war es auf jeden Fall die perfekte Erfahrung, die uns noch stärker gemacht hat und unsere Verbindung noch intensiver werden ließ. Wie sagt er es  jetzt so schön!? “Was soll uns jetzt noch passieren, wenn wir sogar unser eigenes Kind ganz allein auf die Welt bringen können!” Dieses Gefühl ist so wertvoll und kann uns keiner mehr nehmen,

Abschließend kann ich nur noch sagen, es war perfekt so wie es war. Ich bin so froh, dass ich diesmal auf mein Gefühl gehört habe und so dankbar für all die Unterstützung, die ich erleben durfte, denn mein zweiter Sohn konnte einen so wundervollen Start in sein Leben erfahren. Auch hat mich dieses Erlebnis verändert und geprägt, denn ich fühl mich stärker und selbstsicherer als je zuvor. Es hat sich gelohnt, diesen Weg zu gehen, ich würde es jederzeit wieder genauso machen und freue mich schon jetzt auf meine nächste einzigartige Geburtsreise!

Ich wünsche allen Frauen auf der Welt, dass sie ihre weibliche Urkraft genau so erleben können und die Möglichkeit bekommen, eine so wunderbare Erfahrung machen zu können.

Der Beitrag Meine ganz persönliche Geburtsreise- oder wie manchmal alles anders kommt, als man denkt und die geplante Hausgeburt zu einer Alleingeburt wird erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Hochsensibilität- eine Modeerscheinung? https://dieloewenfamilie.de/hochsensibilitaet-eine-modeerscheinung/ Wed, 27 Sep 2017 20:03:10 +0000 https://dieloewenfamilie.de/?p=587 Hochsensibilität ist ein hochaktuelles Thema und kommt immer weiter in das Bewusstsein der Menschen. Auch öffentliche Medien beschäftigen sich immer mehr damit. Dabei werden auch die Stimmen immer lauter, die das ganze als eine Modeerscheinung abtun wollen. Ist es das wirklich oder was genau steckt hinter dieser Behauptung? Hier liest du mehr dazu:

Der Beitrag Hochsensibilität- eine Modeerscheinung? erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Ein Phänomen der Neuzeit?

Zu aller erst möchte ich mit dem Klischee aufräumen, dass die Hochsensibilität eine Erscheinung der Neuzeit ist. Menschen mit diesem Wesenszug gab es wohl schon immer aber es gab keinen Namen hierfür. Die Forschung beschäftigt sich erst seit kurzem mit diesem Thema. Die amerikanische Psychologin Elaine Aron gilt als Pionierin in diesem Bereich. Sie begann in den 90er Jahren dieses Phänomen zu erforschen und prägte wesentlich den Namen “Highly Sensitive Person” (HSP, die hochsensible Person). Dadurch wurde das Thema erst richtig bekannt, was aber nicht bedeutet, dass es solche Menschen erst zu dieser Zeit gab. Man kann davon ausgehen, dass viele wichtige Persönlichkeiten unserer Geschichte hochsensibel waren. Sie galten damals oft einfach als etwas schräge Persönlichkeiten, sie brachten aber auch großes zu Stande. Man denke an die vielen Künstler, Musiker, Denker und Autoren. So gelten Friedrich Nietzsche, Carl-Gustav Jung oder auch Rainer Maria Rilke als berühmte Beispiele für hochsensible Menschen aus der Vergangenheit.

Welche Rolle spielt unsere moderne Gesellschaft dabei? 

Man darf auch nicht vergessen, dass unsere Lebensumstände insbesondere für feinfühlige Menschen immer schwieriger werden. Denn unsere Welt wird immer schneller, lauter und der Leistungsdruck steigt immer mehr. Gerade Menschen mit diesem Wesenszug, die die vielen Reize eben nicht so gut filtern können, reagieren besonders sensibel darauf und kommen häufig nicht mehr so gut damit zu recht. Dies wird besonders dann auch auffällig, wenn sie darauf mit psychosomatischen Beschwerden reagieren und Hilfe benötigen, um weiterhin mit ihrer Gabe in der Gesellschaft bestehen zu können. Dadurch fallen diese Menschen oft erst als etwas andersartig auf. Den viele sind wahre Meister in der Anpassung und es liegt schon gar nicht in ihrem Wesen, sich in den Mittelpunkt zu drängen. So sind sie oft einfach nur stille Mitläufer, bis sie an ihre Grenzen geraten und dadurch auffäälig bzw. sichtbar werden.

Jedoch betrifft dies auch nicht hochsensible Menschen. So können normalfühlende Menschen diesem Druck oft ebenfalls nicht standhalten und reagieren auf die permanente Überreizung mit Symptomen, die einer Hochsensibilität sehr ähneln. Sie werden dünnhäutiger und reagieren empfindlicher auf äußere Reize. Oft sind das Menschen, die unter Dauerstress stehen oder sich schon kurz vor einem Burnout befinden. Diese Menschen ordnen sich dann fälschlicherweise als hochsensitiv ein. Sicherlich kennen das die meisten Leute; sind wir gestresst und stehen unter Druck, reagieren wir oft sehr viel intensiver beispielsweise auf Geräusche oder wir nehmen Gefühle intensiver wahr.

Sicherlich rührt auch daher die steigende Zahl von vermeintlich hochsensiblen Menschen. Dabei ist der Unterschied relativ leicht zu erkennen. Menschen unter Dauerstress, verlieren die Symptomatik der hohen Reizoffenheit, sobald sie aus der belastenden Situation herausgenommen werden und sich wieder entspannen können. Hochsensible Menschen jedoch werden schon mit dieser Reizoffenheit geboren, behalten sie immer und können diese nicht einfach abstellen.

Empathie erwünscht!

Ein weiterer Grund dafür, dass sich immer mehr Menschen als hochsensibel betrachten ist sicherlich auch, dass vor allem Empathie immer mehr als erwünschte Eigenschaft gesehen wird. Überall hört man, wie wichtig empathisches Handeln ist. Auch in den Führungsetagen wird dies quasi schon als eine dringlich benötigte Eigenschaft verlangt. Deswegen wollen jetzt alle plötzlich super empathisch sein. Dies gilt in gewisser Weise schon als schick. Sicherlich gibt es auch viele empathische Menschen, aber dies bedeutet nicht unbedingt, dass diese auch hochsensibel bzw. hochsensitiv sind. Oftmals wird dies aber gleichgesetzt.

Du siehst, Hochsensibilität ist keine Modeerscheinung sondern ein ernstzunehmendes Phänomen, das es schon immer gab und für unsere Gesellschaft eine wichtige Bedeutung hat.

Was Hochsensibilität nicht ist:

Hochsensibilität ist auch keine Ausrede von Eltern feinfühliger Kindern, die damit angeblich verschiedene Problematiken auf eine einfache Weise abtun wollen. Diesen wird nämlich immer wieder vorgeworfen, dass sie ihre Kinder verhätscheln oder nicht “hart genug durchgreifen”. Oft wird diesen Eltern auch unterstellt, sich mit dieser “Ausrede” aus der Verantwortung nehmen zu wollen, wenn ihre Kinder im Kindergarten oder in der Schule Schwierigkeiten haben.  Dies ist jedoch auf keinen Fall so. Wer mit hochsensiblen Kindern zu tun hat, weiß, dass diese, einen auch immer wieder vor große Herausforderungen stellen können und es nicht immer einfach ist, den Alltag gemeinsam gut zu gestalten. So ist die Hochsensibilität sicher keine Ausrede sondern nur eine Erklärung für eine gewisse Andersartigkeit und die daraus entstehenden Verhaltensmuster dieser Kinder.

Und zum Schluss möchte ich noch mal betonen, dass Hochsensibilität auch keine Krankheit, psychische Störung oder ein Makel ist. Dies kann ich nicht oft genug betonen. Denn dieser Eindruck ist leider noch in den Köpfen vieler Menschen und dies wird hochsensitiven Menschen auf keinen Fall gerecht. Diese Menschen sind weder krank noch gestört, sie sind ganz normale Menschen, die die Welt ein wenig anders wahrnehmen und Stärken und Schwächen haben, so wie alle Menschen auf dieser Welt. Und so sollten sie auch behandelt werden.

Der Beitrag Hochsensibilität- eine Modeerscheinung? erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Mein Kind ist hochsensibel – was nun? https://dieloewenfamilie.de/mein-kind-ist-hochsensibel-was-nun/ Sun, 17 Sep 2017 10:25:15 +0000 https://dieloewenfamilie.de/?p=564 Meistens spüren Eltern eines hochsensiblen Kindes schon früh, dass ihr Kind irgendwie anders ist. Nicht selten ist es ein recht langer Weg bis sie auf das Thema Hochsensibilität stoßen und ihr Kind darin genau wiedererkennen. Für viele ist es ein wahres AHA-Erlebnis da sich dann so viel erklärt. Doch oft kommen dann die nächsten Fragen auf: Was können wir nun weiter tun? Brauche ich eine Diagnose-Stellung eines Arztes? Wie kann ich mein Kind unterstützen?

Hier möchte ich Dir ein paar Antworten dazu geben.

Der Beitrag Mein Kind ist hochsensibel – was nun? erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
 

Wie erkenne ich sicher, dass mein Kind wirklich hochsensibel ist?

Oft höre oder lese ich von Eltern, die sagen, sie hätten jetzt schon ein wenig über das Thema gelesen und einige Punkte würden genau auf ihr Kind zutreffen aber andere wiederum gar nicht. Das verunsichert sie dann sehr oft, da sie nicht wissen, ob ihr Kind nun wirklich hochsensibel ist oder nicht. Dazu muss ich sagen, dass jedes Kind, jeder Mensch anders ist, ein Individuum. Kein Mensch gleicht dem anderen und so ist es auch mit der Hochsensibilität. Auch hier gibt es ganz verschiedene Abstufungen und Facetten. Manche sind nur in einem bereich hochsensibel, sie reagieren z.B. extrem auf Geräusche oder Gerüche. Andere wiederum sind eher hochsensitiv und nehmen Stimmungen und Gefühle von sich und ihrer Umwelt besonders intensiv wahr. Wieder andere sind auf mehreren Ebenen sehr empfänglich. Die Bandbreite ist wirklich sehr breit gefächert und somit gibt es nicht den klassischen hochsensiblen Menschen bzw. Kind.

Eine etwas ausführlichere Erklärung hierfür kannst Du in diesem Artikel von mir lesen.

Dabei kann es auch sein, dass auf dein Kind z.B. nur ein Bereich zutrifft, dafür aber sehr intensiv. Deswegen kann es trotzdem hochsensibel sein. Versuch da auch ein wenig auf dein Bauchgefühl zu hören und spüre in dich hinein, ob sich das Thema für dich schlüssig anfühlt und Du dein Kind in der Beschreibung wieder findest. Es gibt ja auch noch sehr viele weitere sehr ausführliche Fragebögen und auch Bücher zu diesem Thema. Ein paar habe ich hier für Dich zusammengestellt.

Brauche ich eine Diagnose Stellung?

Dies ist eine weitere Frage, die ich oft höre. Dazu sei erst einmal gesagt, dass Hochsensibilität keine Krankheit ist und somit auch nicht diagnostiziert werden kann. Es ist ein Wesenszug, den ca. 15-20 Prozent aller Menschen besitzen.

Ich möchte hier niemanden davon abhalten, sich professionelle Hilfe zu suchen. In einigen Fällen ist das sicherlich sehr wichtig und empfehlenswert. Ich möchte nur, dass mit diesem Thema sensibel umgegangen wird. Nur weil ein Kind anders ist, heißt das nicht, dass es therapiert werden muss. Leider gibt es auch unter den Fachleuten genug, die das Thema Hochsensibilität gar nicht kennen oder nur belächeln. Man kann sich leicht vorstellen, wie diese auf ein Kind reagieren, bei dem die Eltern den Verdacht Hochsensibilität äußern. Oft werden diese Familien nicht ernst genommen, es heißt, das wird schon oder es wird irgendeine Diagnose gestellt, die dem Kind nicht gerecht wird.

Der andere Aspekt hierbei ist, dass es für manche Kinder auch kontraproduktiv sein kann, wenn es wegen seiner Andersartigkeit zum Arzt oder Psychologen gehen soll. Viele feinfühlende Kinder spüren schon selbst, dass sie irgendwie anders sind. Wenn sie dann deswegen auch noch von Fachleuten untersucht wird, können sie auch schnell das Gefühl bekommen, dass mit ihnen wirklich etwas nicht in Ordnung ist und sie bekommen eine schlechtes Verhältnis zu ihrem Wesenszug. Das wiederum kann Einfluss auf ihr Selbstwertgefühl haben, der sowieso oft schon relativ schlecht ausgebildet ist.

Aber wie gesagt, oft ist professionelle Hilfe auch angebracht. Gerade wenn Kinder sehr auffällig sind in ihrem Verhalten und wirklich auch große Probleme in ihrem Alltag haben. Teilweise ist es auch so, dass andere Diagnosen abgeklärt werden müssen. Gerade ADHS (hierzu kannst Du hier weiter lesen), bestimmte Formen des autistischen Spektrums oder auch ein traumatisches Erlebnis können unter Umständen ähnliche Anzeichen wie die Hochsensibilität haben. Bei Verdacht auf eine dieser Erkrankungen würde ich definitiv zu einem Arzt- bzw. Psychologenbesuch raten. Jedoch ist die Wahl des richtigen Behandlers auch recht wichtig. Der Therapeut sollte auf jeden Fall auch etwas von Hochsensibilität wissen und dieses Thema auch ernst nehmen, damit er dies in seiner Diagnostik mit einfließen lassen kann.

Also auch hier gilt es, auf dein Gefühl zu hören. Du kennst dein Kind am besten und weißt, was gut und hilfreich für es ist. Noch dazu sei gesagt, dass Du jeder Zeit ein Recht auf eine Zweitmeinung hast. Wenn Du das Gefühl hast, der Behandler nimmt dein Kind nicht richtig wahr, dann suche dir einen anderen Spezialisten. Es gibt hier einfach sehr viele Unterschiede und Du darfst deinen Arzt frei wählen. Vielleicht gibt es ja auch Menschen in deiner Umgebung, die schon Erfahrungen damit gemacht haben und die dir jemanden empfehlen können. In den meisten größeren Städten gibt es auch Gruppen, von “Betroffenen” die sich zu regelmäßigem Austausch treffen, dort könntest Du auch Unterstützung bekommen. Dies kannst Du meistens über Google oder bei Facebook herausfinden.

Wie kann ich meinem Kind nun konkret helfen?

Zuerst einmal: Gerate nicht in Panik. Hochsensibilität ist nichts Negatives und schon gar kein Fluch. Sie kann sogar ein wahrer Segen sein, wenn man lernt sie als etwas Positives anzunehmen. Man kann mit dieser tollen Gabe ganz wunderbar leben und sogar lernen, sie für sich zu nutzen. Das Wichtigste ist, dass Du nun von dem Thema weißt und dich damit auseinander setzen kannst. Es ist noch kein Profi vom Himmel gefallen und es muss nicht alles auf Anhieb perfekt klappen. Das Thema ist noch neu für dich und Du musst dich damit nun auch erst einmal beschäftigen.

Du wirst nun lernen, dein Kind und sein Verhalten aus einem ganz anderen Blickwinkeln zu sehen. Allein das, lässt dich dann vieles verstehen und Du wirst ganz anders auf dein Kind eingehen können. Da, wie schon gesagt, jedes Kind anders ist und ganz andere Bedürfnisse hat, kann ich dir hier keine Schritt-für-Schritt-Anleitung geben, wie du nun handeln solltest. Du musst selbst zum Experten werden. Setz dich mit dem Thema auseinander, versuch ein Gespür für dein Kind zu entwickeln, beobachte, probier aus, nimm an.

Die Grundlage ist Verständnis. Wenn du verstehen kannst, wie dein Kind die Welt wahrnimmt, kannst Du auch sein Verhalten besser verstehen und darauf eingehen. Du kannst lernen, was ihm gut tut und was nicht. Dazu gehört auch, dass Du dein Kind beobachtest und, je nach Alter, auch mit ihm in den Austausch gehst. Feinfühlige Kinder können sich oft sehr gut ausdrücken, so kannst Du viel von ihm und seinen Gefühlen und Wahrnehmungen erfahren.

Man muss auch immer wieder Dinge ausprobieren. Was geht, was tut gut, was nicht. Manche Dinge können funktionieren, manchen vielleicht nicht. Sei mutig, veränder Dinge und schau, was passiert.  Dies kann z.B. bedeuten, dass Du den ganzen Tagesablauf umstrukturierst, damit dein Kind mehr Ruhepausen bekommt. Oder Du darauf achtest, dass ihr zu laute Situationen wie einen Rummelbesuch oder einen Stadtbummel unter vielen Menschen vermeidest, da dies für dein Kind nur Stress bedeutet. Die Möglichkeiten sind da ganz unterschiedlich und hängen natürlich von den Bedürfnissen deines Kindes ab.

Das aller Wichtigste ist aber, dass Du dein Kind so annimmst, wie es ist. Wenn Du dich mit dem Thema auseinandersetzt, wirst Du auch verstehen, dass dein Kind sich nicht “anstellt” oder irgendein Defizit hat. Es ist wunderbar, so wie es ist. Und dieses Gefühl solltest Du deinem Kind auch vermitteln. Denn für ein hochsensibles Kind, ist es selbst oft nicht leicht, sich in dieser Welt zu recht zu finden. Wenn Du es annimmst, ihm zeigst, dass du immer hinter ihm stehst und es an der Hand nimmst und begleitest und unterstützt, wird es ein gutes Selbstwertgefühl entwickeln, kann sein ganzes Potential entfalten und zu einer starken Persönlichkeit heranwachsen.

Was bedeutet das für unser weiteres Leben?

Wie bereits gesagt, lässt sich mit der Hochsensibilität sehr gut leben. Und umso früher man, erkennt, dass ein Kind diese Feinfühligkeit besitzt, um so besser kann es auch lernen damit umzugehen. Wichtig dafür ist es eben, Bedingungen zu schaffen, in dem das Kind sich wohlfühlt. Wir leben leider in einer Welt, die nicht unbedingt die idealen Bedingungen für hochsensitive Menschen bietet. Unsere Umwelt ist meistens recht laut und schnell und es herrscht oft enormer Leistungsdruck. Man kann aber trotzdem Bedingungen schaffen, in denen das Kind und später der Erwachsene gut zu recht kommt. Wichtig ist es vor allem, dass das Kind auch lernt, seine Bedürfnisse wahrzunehmen. So haben feinfühlige Menschen meistens mehr Bedarf an Ruhepausen, um all die wahrgenommenen Eindrücke zu verarbeiten. Auch ein relativ gut strukturierter Alltag kann hilfreich sein. Es wird auch Dinge geben, die vielleicht vermieden werden müssen, wie Großveranstaltungen mit vielen Menschen, Abenteuerurlaube, vollgestopfte Tage…Aber wenn man das weiß, lässt sich damit gut umgehen und das Leben darauf einrichten.

Kindergarten und Schule sind auch oft ein großes Thema für die Kinder. Es kann sein, dass hochsensible Kinder Probleme im Kindergarten haben, da sie hier oft sehr überreizt sind von den vielen Eindrücken, den vielen Kindern und fremden Bezugspersonen. Es gibt Kinder, die mit einer guten Begleitung, Unterstützung und der richtigen Wahl der Einrichtung trotzdem gut dort klar kommen (siehe auch meinen Artikel hier). Andere wiederum werden trotzdem  Probleme damit haben und können evtl. erst mit 4-5 Jahren in den Kindergarten gehen, nur stundenweise oder brauchen eine spezielle Einrichtung (Montessori, Waldorf, integrativ, auch hier gibt es verschiedene Modelle). Wichtig ist, dass Du dein Kind hierbei gut unterstützt und ihr zusammen eine gute Entscheidung trefft, was möglich ist und was nicht.

Auch das Thema Schule kann unter Umständen schwierig sein. Zwar sind hochsensible Kinder nicht selten auch sehr intelligent oder sogar hochbegabt, trotzdem tun sie sich in der Schule oft schwer. Große Klassen mit vielen Reizen, permanenter Leistungsdruck und starre Bildungspläne sind für feinfühlige Kinder oft nur schwer zu ertragen. Jedoch besteht in Deutschland eine Schulpflicht und so müssen diese Kinder auch zur Schule gehen. Aber auch hierfür gibt es Möglichkeiten, den Schulalltag so zu gestalten, dass die Kinder damit zu recht finden können.

Dies fängt mit der richtigen Schulwahl an. Oft sind kleinere Schulen mit kleineren Klassen von Vorteil. Auch alternative Schulsysteme können hilfreich sein. In Deutschland gibt es eine Vielzahl davon. Wie z.B. freie Schulen, Montessori, Waldorf etc. Es ist hilfreich zu schauen, was es in deiner Nähe gibt und sich diese Schulen dann auch ganz genau anzusehen.

Auch ist es ganz besonders wichtig in einem guten Austausch mit den Lehrern zu sein und mit diesen auch das Thema Hochsensibilität zu besprechen. Oft sind die Lehrer sehr dankbar für Input zu diesem Thema, so dass sie diese Kinder besser verstehen können. Kleine Veränderungen, wie einen Sitzplatz weiter vorne oder Gehörschutz kann schon sehr viel helfen. Auch eine ruhige Alltagsgestaltung nach der Schule kann unterstützen.

Zu diesem Thema werde ich noch einen extra Artikel schreiben. Mir ist an dieser Stelle  wichtig zu sagen, dass hochsensible Kinder unter den richtigen Bedingungen auch sehr gut in der Schule zurecht kommen können.

Prinzipiell können hochsensible Menschen auch in allen Bereichen  ein ganz normales Leben führen. Wichtig ist es einfach nur zu wissen, dass die Bedürfnisse oft ein wenig anders sind, als bei dem Großteil der Menschen. Kennt man diese aber und richtet sich sein Leben danach ein, können feinfühlige Menschen ein sehr entspanntes, glückliches und erfülltes Leben haben.

Wo bekommen ich selbst Unterstützung?

Ich finde es besonders wichtig auch in den Austausch mit anderen “Betroffenen” zu gehen. Hierfür gibt es, wie schon erwähnt, einige Möglichkeiten. Seien es Facebook-Gruppen oder Gruppen, die sich auch im realen Leben treffen. Dies lässt sich oft über Google herausfinden.

Auch ist es interessant, wie viele Menschen oft im eigenen Umfeld mit diesem Thema zu tun haben, da sie selbst hochsensibel sind oder jemanden feinfühligen in der Familie haben. Es wird nur oft nicht darüber gesprochen. Ich finde jede Art von Austausch sehr hilfreich.

Leider gibt es in Deutschland noch keine konkrete Anlaufstelle für hochsensible Menschen. Jedoch kennen sich viele Familienberatungsstellen mit diesem Thema schon recht gut aus. Du kannst in deiner Stadt eine Beratungsstelle aufsuchen und dich erkundigen, ob diese bei dem Thema Hochsensibilität weiter helfen können. Ich kenne viele Familien, die hier schon Hilfe bekommen haben.

Auch gibt es Psychologen, Heilpraktiker und Kinderärzte, die sich mit dem Thema beschäftigen. Es lohnt sich hier einfach mal nachzufragen.

Die beiden lieben Veranstalter Lena und Camilo des Hochsesnibilitätskogresses, die mit ihrer wertvollen Arbeit das Thema auch noch weiter verbreiten, haben auch schon eine Liste zusammengestellt, mit vielen guten Therapeuten darauf.

https://hochsensibilitaetskongress.com/therpeuten-aerzte-hilfe/

Plattformen im Internet sind z.B. diese hier. Wobei es auch noch viele weitere gibt.

http://hsperson.com/

http://www.hochsensibel.org/

http://www.hochsensibilitaet.ch/content/e11223/index_ger.html

http://www.hochsensibilitaet.at/

Du siehst, es gibt keinen Grund zur Panik, wenn du bemerkst, dass dein Kind hochsensibel ist. Ganz im Gegenteil, es ist sogar ein Segen, denn es wird dich sicher vieles erklären und für die Zukunft einfacher machen, da Du dein Kind immer besser verstehen lernen wirst.

Hochsensibilität ist ein so wunderbares, vielschichtiges und interessantes Thema. Ich bin mir sicher, du wirst viele Antworten finden, wenn Du beginnst, dich mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Ich wünsch Dir viel Erfolg und Freude auf deinem Weg, zusammen mit deinem Kind und deiner Familie das Thema Hochsensibilität zu erforschen und in deinen Alltag zu integrieren!

 

Der Beitrag Mein Kind ist hochsensibel – was nun? erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Wie Du gelassener mit „gutem Rat“ anderer umgehen kannst https://dieloewenfamilie.de/wie-du-gelassener-mit-gutem-rat-anderer-umgehen-kannst/ Sun, 03 Sep 2017 10:26:55 +0000 https://dieloewenfamilie.de/?p=550 „alle anderen Kinder spielen mit, nur deins nicht. Da stimmt doch was nicht!“

„Der heult auch wegen allem, du musst ihn mal abhärten!“

„Die stellt sich aber auch an, es ist doch nichts passiert. Da braucht sie jetzt aber nicht gleich so auszurasten.“

„Du verhätschelst dein Kind zu sehr, da muss er jetzt halt mal durch!“

Kommen Dir diese Aussagen bekannt vor? Fühlst Du dich immer wieder von solchen Aussagen getroffen oder gekränkt? Hier kannst Du lesen, wie es zu solchen Aussagen kommen kann und wie du es schaffst, gelassener damit umgehen zu können. 

Der Beitrag Wie Du gelassener mit „gutem Rat“ anderer umgehen kannst erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>
Immer wieder hört man solche „klugen“ Sätze von Außenstehenden, die dein Kind gar nicht wirklich kennen. Alle scheinen sie dein Kind besser zu verstehen, als Du selbst und kommen oft sogar mit dem erhobenen Zeigefinger an, weil sie alles besser zu wissen scheinen.

Zugegeben, ein vielfühlendes Kind reagiert oder verhält sich oft anders als viele anderen. Aber ist es deswegen gleich abnormal oder therapiebedürftig? Was heißt überhaupt: die meisten?

Nach Forschungen von Elaine Aron, der Vorreiterin zum Thema Hochsensibilität, sind sogar 15-20 Prozent der gesamten Menschheit hochsensibel.

Das ist eine unglaubliche Zahl, jedoch treten hochsensible Menschen nicht so geballt auf, wodurch sie oft andersartig wirken. Dies wird fälschlicherweise oft als nicht der Norm entsprechend oder krankhaft gewertet.

Aber eigentlich ist Hochsensibilität ein ganz normaler, wenn auch seltener Wesenszug, der keineswegs eine Schwäche darstellt, nein, viel mehr bietet er eine Menge Chancen für den Einzelnen und die Gesellschaft. Viele große Persönlichkeiten waren und sind hochsensibel.

Was die Gesellschaft daraus macht…

Leider leben wir in einer Gesellschaft der Gleichmacherei. Der Umgang mit Unbekanntem oder Ungewohntem ist zuerst mal unangenehm und anstrengend, ja kann vielen sogar Angst machen.

Warum ist das so?

Nun ja, man müsste sich damit auseinander setzen und hinterfragen, vielleicht müsste man sogar viele Dinge ganz neu bewerten. Und genau das fällt heutzutage leider vielen Menschen sehr schwer. Es ist viel leichter, das Unbekannte anzugreifen und passend zu machen, damit es dem eigene Weltbild entspricht.

Also ist eigentlich gar nicht das Kind das Problem, sondern das Umfeld und die Leute, die damit nicht umgehen können.

…und wie wir damit umgehen sollten:

Aber wir als Eltern kennen das Wesen, das Gefühlsleben und das Potential unserer Kinder sehr gut und wissen ganz genau, was unserem Kind gut tut und was nicht. Unsere Kinder müssen nicht so sein wie alle anderen, sie müssen einfach nur glücklich sein. Und das sind sie, wenn wir auf unser Gefühl hören, versuchen ihre Wahrnehmung der Welt zu verstehen und sie dementsprechend behandeln. So können sie zu starken und selbstbewussten Wesen heranwachsen.

Ganz konkret:

  • Hör auf Dein Gefühl: Du weißt am allerbesten, was dein Kind, wann braucht und was nicht.Bleib bei dir und deinem Kind und lass dich nicht verunsichern.
  • Sei dir über die Andersartigkeit deines Kindes bewusst aber sieh das als Stärke, versuche niemals mit anderen zu vergleichen. Die Einzigartigkeit ist wunderbar! Lass dir auch von anderen nicht einreden, dein Kind müsse in irgendein Schema passen. Gleichmacherei haben wir schon viel zu viel.

  • Gib nicht zu viel auf die Meinung anderer. Mach dir viel mehr bewusst, aus welcher Intension heraus, sie auf diese Andersartigkeit reagieren. Die meisten wissen es gar nicht besser und handeln aus eigener Unzulänglichkeit. Oft werden auch die eigenen Ängste auf andere übertragen. So haben viele Angst vor allem, was anders ist eben weil es ihr gut sortiertes Weltbild ins Wanken bringen könnte. Viele Menschen lieben Struktur und Ordnung und können nicht damit umgehen, wenn es etwas gibt, das hier nicht hinein passt. Aber statt sich selbst zu hinterfragen, greifen sie andere an. Meist trauen sie sich nicht, in ihr eigenes Inneres zu schauen, aus Angst davor, was sie entdecken könnten. Wenn Du versuchst es aus diesem Aspekt zu betrachten, dann fällt es leichter, Angriffe oder “guten Rat” gelassen zu nehmen, da Du verstehen kannst, dass eigentlich nicht dein Kind das Problem ist sondern die Person selbst.

  • Überlege dir gut, mit wem Du über dieses Thema sprichst. Sicherlich gibt es einige, die einfach nur zu wenig über Hochsensibilität wissen, und mehr Input bräuchten um dein Kind besser zu verstehen. Diese Menschen sind dann auch offen für Gespräche. Meistens spürt man es recht schnell, ob die Informationen gut angenommen werden oder nicht. Es gibt aber natürlich auch Menschen, die gar nicht verstehen wollen. Dann akzeptiere auch das und hoffe nicht krampfhaft auf Verständnis. Lass diese Menschen dann einfach in ihrem Glaubensmuster und akzeptiere auch Du es, dass sie sich nicht ändern wollen. Das erspart Dir viel Ärger.
  • Distanziere dich von Menschen, die mit kompletten Unverständnis reagieren und auch nicht hinhören wollen, wenn Du ihnen etwas erklären willst. Helfe Menschen, die wirklich Interesse haben, mehr über Hochsensibilität zu erfahren und versuche ihnen viele Informationen zu geben. Viele wissen einfach nur nicht, was das ist, möchten aber gerne verstehen. Dann ist es wirklich sinnvoll ins Gespräch zu gehen. Je mehr Menschen darüber Bescheid wissen, desto einfacher wird es für hochsensitive Kinder und Erwachsene, mit ihrem wunderbaren Wesenszug auch in der Gesellschaft zu bestehen.

  • Schütze dein Kind vor ungerechten Aussagen und zeige ihm, dass Du immer hinter ihm stehst. Das gibt deinem Kind Selbstbewusstsein und das gute Gefühl, dass Du es so akzeptierst wie es ist.
  • Suche Kontakt zu Gleichgesinnten. Es kann durchaus gut tun, sich auszutauschen. Hierfür gibt es viele Foren und auch Gruppen bei Facebook. Auch gibt es in vielen Städten Gruppen, die sich persönlich treffen und austauschen. Ich finde es sehr wohltuend, zu wissen, dass es viele andere gibt, die genauso sind. Dies kann auch das eigene Selbstverständnis zu diesem Thema stärken.

Natürlich ist mir bewusst, dass es auch Situationen oder Personen gibt, denen man nicht aus dem Weg gehen kann, mit denen man zwangsläufig in Kontakt sein muss und bei denen es wichtig wäre, dass sie mit einem ins Gespräch gehen. So z.B. Lehrer, Erzieher, Familienmitglieder oder auch andere Mütter von Freunden des Kindes. Da ist es dann oft etwas komplizierter. Gerade, wenn es um die Betreuung des Kindes geht. Darauf möchte ich aber in einem anderen Blog eingehen.

Für mich ist es allerdings sehr wichtig, dir etwas mehr Leichtigkeit im Umgang mit anderen Menschen zu geben. Oft hilft es, manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Wenn dich das nächste mal wieder jemand schief anguckt weil dein Kind angeblich überreagiert, Du “zu nachgiebig bist” oder dein Kind nicht mit anderen spielen mag, denk einfach daran, dass diese Person aus eigener Unzulänglichkeit urteilt. Dies wird dir sicher mehr Gelassenheit geben.  

Letztendlich ist es das aller wichtigste, dass Du für Dich klar bist, wie du mit deinem Kind umgehst und dass sich dies für dich und dein Kind gut anfühlt. Sei dir immer bewusst, dass dein Kind einzigartig ist und es genau richtig ist, so wie es ist. Das macht dich selbstbewusster und weniger angreifbar für andere und Du kannst gelassen auf „guten Rat“ reagieren.

Der Beitrag Wie Du gelassener mit „gutem Rat“ anderer umgehen kannst erschien zuerst auf Die LoewenFamilie.

]]>